https://www.faz.net/-gya-9u7j0

Fahrbericht Mercedes B-Klasse : So was von pragmatisch

Bild: Helge Jepsen

Die B-Klasse ist ein Sonderling im Programm von Mercedes-Benz, auf dem Markt schlägt sie sich aber wacker. Geboten wird ein Auto für alle, die praktisch denken.

          4 Min.

          Von wegen, alle Welt fragt nur noch nach SUV. Es gibt schon noch Kunden, die sich dem Trend widersetzen und sich ein Auto wie die neue Mercedes-Benz B-Klasse leisten, die seit Anfang des Jahres auf dem Markt ist. Zwar weiß man auf den ersten Blick nicht so recht, wo das Modell einzuordnen ist. Es ist keine Schräghecklimousine wie die A-Klasse, von der die technische Basis kommt, und auch kein Kombi wie das T-Modell der C-Klasse. Die gedrungene, pummelige Form macht die B-Klasse auch nicht per se zum Minivan, diesen Begriff hört man in Stuttgart ohnehin nicht gern. Von der Form her ist die B-Klasse nicht Fisch und nicht Fleisch. Den Kunden stört das offenbar nicht. Obwohl die dritte Generation der Baureihe erst im Frühjahr startete, hat sie in den ersten drei Quartalen in Deutschland schon mehr als 25 000 Käufer gefunden, der Vorsprung der A-Klasse ist mit gut 32 000 Einheiten so groß nicht.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Kunde bekommt für sein Geld (Basispreis 28 144 Euro für den B 160 mit 109 PS) einen 4,42 Meter langen Sports Tourer – so nennt ihn Mercedes – mit erhöhter Sitzposition, vier Türen, viel Platz, 455 bis 1540 Liter Kofferraumvolumen und gegen Aufpreis mit einer verschiebbaren Rückbank, umlegbarem Beifahrersitz und einer elektrischen Kofferraumklappe. Vier bis fünf Personen kommen gut unter, die Türen öffnen schön weit, und die Klappe hinten schwingt hoch nach oben. Nach dem Umlegen der 40:20:40 geteilten Rückbank ergibt sich eine fast ebene Ladefläche mit einer Länge von gut 1,60 Meter. Im Kofferraumboden ist noch Platz für Krimskrams, ein Reserverad gibt es nicht, selbst Tirefit kostet 59,50 Euro extra. Natürlich ärgert auch hier die Aufpreispolitik, wie immer bei Mercedes. Die 76 Seiten dicke Preisliste bietet manches Schmankerl wie den größeren Tank, der dann 51 statt 43 Liter fasst für weitere 59,50 Euro oder das horizontale Trennnetz für 178,50 Euro. Und unter den Lacken sind nur Jupiterrot oder Nachtschwarz aufpreisfrei.

          Der Einstiegspreis klingt moderat. Der von der Redaktion bewegte B 220d beginnt aber schon mit 39 264 Euro. Er bietet dann aber einen feinen Diesel mit 2,0 Liter Hubraum, 190 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern. Weitere Diesel haben 95, 116 oder 150 PS. Um die Umsetzung der Kraft auf die Vorderräder kümmert sich eine Achtgang-Automatik, die Basismodelle sind Handschalter mit sechs Gängen. Der 220d ist der stärkste Diesel im B-Programm, er wird auch mit Allradantrieb angeboten, wie der B 250 mit seinem 2,0-Liter-Benziner und 224 PS. Bei den Benzinern – es gibt auch noch 136, 163 und 190 PS – hat die Automatik, die technisch gesehen ein Doppelkupplungsgetriebe ist, nur sieben Gänge.

          Das Triebwerk fühlt sich wenig nach Diesel an

          Der achte Gang in den Dieseln ist besonders lang ausgelegt, was natürlich hilft, Kraftstoff zu sparen. Hier setzt der 220d wieder einmal Maßstäbe. Im Durchschnitt 6,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer sind bei der gebotenen Leistung und straffen Fahrweise aller Ehren wert. Mit einem Benziner schafft man das nicht. Wer sich zurückhält und mit 120 km/h über die flache Autobahn schnurrt, kommt sogar mit 4,8 Litern 100 Kilometer weit. Der Motor flüstert dann mit nur 1700 Umdrehungen in der Minute vor sich hin. Ohne Mühe bis zum Rand befüllen lässt sich der Tank, das kennen wir von vielen anderen Autos ganz anders. Auch erstaunlich ist, wie wenig sich das Triebwerk nach Diesel anfühlt. Wer es nicht weiß, glaubt, er fahre einen Benziner. Nur direkt nach dem Start nagelt es ein wenig.

          Weitere Themen

          Mazda CX-30 Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht : Mazda CX-30

          Unters Blechkleid des jüngsten Mazda-SUV stecken die Japaner auf Wunsch ungewöhnliche Motorentechnik: den Benziner mit Kompressionszündung.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.