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Land Rover Discovery 2.0 : Haialarm am Angelteich

Fahrbericht Land Rover Discovery 2.0 SD 4 HSE LUXURY Bild: Hersteller

Der Land Rover Discovery ist arg in Bedrängnis, auch aus dem eigenen Haus. Er fährt eine frische Linie heran und verteidigt sich mit Souveränität.

          Erfolg treibt manchmal seltsame Blüten. Weil Land Rover vor Kraft kaum noch waten kann, lassen sich die Briten alle paar Monate ein neues Modell einfallen. Der Versuch einer Sortierung führt zu Range Rover für die Reichen und Land Rover für den Landadel, beide nicht mehr so recht an der Erfüllung matschiger Aufgaben interessiert und zusätzlich durch Sportvarianten auf flinke Abwege vom Markenkern gebracht. Die neueste Verführung heißt Velar, sieht hinreißend aus und passt überhaupt nicht ins Portfolio. Kaufen werden ihn die Menschen trotzdem, vermutlich zuhauf. In dieser Welt der schier unerträglichen Orientierungslosigkeit ist es gut, Fixsterne am Firmament zu wissen. Der Discovery, ein ausgewiesener Land Rover, trat 1989 auf die Bühne, als es den Briten noch schlechtging, der Gedanke an einen indischen Eigentümer in die Welt der Fabeln verwiesen wurde und das Wort Brexit nicht erfunden war. Zwischen dem heute als Defender bekannten Land Rover für die Feldarbeit und dem vor dem Schloss parkierenden Range Rover eröffnete sich ein Raum, den der Discovery zu füllen gedachte. Es gelang ihm mit Bravour,

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          1,2 Millionen Stück sind seither an Mann und Frau gebracht, und es gibt glühende Fans, deren Liebe auch durch die ein oder andere Macke nicht erlischt. Sie schätzen die Erhabenheit des großen Wagens, seine Definition von Raum und Zeit, den Charakter, der auch im kantigen Äußeren zum Ausdruck kommt. Jetzt muss man sagen: kam. Generation fünf will die Trümpfe weiter ausspielen und setzt dabei auf ein Kleid, das so adrett betörenden Rundungen auf den Leib geschnitten ist wie jenes all seiner Geschwister. Es wird damit allerdings auch austauschbarer, beliebiger. Vorn fällt es schon schwer, auf den ersten Blick den richtigen Typ zu erraten. Das zur Seite versetzte Nummernschild am Heck als Reminiszenz an rustikale Tage soll wohl identitätsstiftend sein, es wirkt eher, als habe der Konstrukteur ein Pint zu viel gehoben.

          Wie eine Diät gelingt, wissen die Briten indes. Ihnen kommt zugute, dass der Vorgänger allzu viele Pfund aufgeladen hatte, aber bis zu 480 Kilogramm herauszunehmen ist schon eine Kunst. Keine Angst, Freunde der soliden Fortbewegung, der Neue fährt noch immer mit jenem Grad Gutmütigkeit an der Schwelle zur Schwerfälligkeit, die den gelassenen Weg zum Ziel werden lässt. Der Discovery erzieht zur gemütlichen Reise. Sein aus nur vier Zylindern feuernder Diesel stemmt erfreuliche 500 Nm Drehmoment bei 1500/min, womit er nicht übermotorisiert wirkt. Beim Beschleunigen wird seine Arbeitsweise deutlich hörbar, eine Anfahrschwäche trübt das Bild, aber wenn sich Mensch und Maschine gefunden haben, bilden sie ein harmonisches Paar wider die Hektik. Ein Elefant ist halt kein Puma. Wer verunsichert mit dem Benziner liebäugelt, beerdigt den Gedanken besser gleich wieder, er kann weniger und trinkt mehr.

          Auf bequemen und großzügigen Vordersitzen fühlen sich Fahrer und Beifahrer pudelwohl, ihre Arme ruhen auf Klapplehnen oder der breiten Mittelkonsole, es herrscht ein rundum erhabenes und stressfreies Gefühl dort oben. Die Übersicht nach vorn ist ausgezeichnet, die nach hinten in Ordnung, bei den ob der gewaltigen Ausmaße nicht eben simplen Einparkmanövern helfen großzügig dimensionierte Außenspiegel und eine Rückfahrkamera mit scharfem Bild. Wer sich die Größe des Discovery schlecht vorstellen kann: Unser Nachbar fährt einen BMW X5, der wirkt daneben wie ein Kleinwagen.

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