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Fahrbericht Land Rover : Der Porsche für den Acker

Bild: F.A.Z., Hersteller

Alles ist irgendwann vorbei. Ende Januar 2016 wird in Solihull der letzte Land Rover Defender produziert. Endlich, sagen die einen, während die anderen sich verschämt die Tränen von den Wangen wischen.

          4 Min.

          Porsche und der Land Rover Defender haben viel gemeinsam. 70 Prozent aller jemals gebauten Autos fahren noch, der Zündschlüssel sitzt links vom Lenkrad, und der Wiederverkaufswert ist hoch. Glaubt man den Experten, steht der Defender zurzeit sogar besser da als ein Elfer. Aus eigener Erfahrung können wir berichten, dass ein Bekannter seinen gebraucht gekauften Defender 110 nach fünf Jahren fast zum selben Preis weitergegeben hat. Das ist einfach unglaublich und eigentlich nicht zu erklären.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Denn bei Licht und ohne Pathos betrachtet, ist der Defender 110 ein furchtbarer Wagen. Er ist laut, bietet wenig passive Sicherheit, dazu unbequeme Sitze, mäßige Fahrleistungen, einen hohen Dieselverbrauch, einen riesigen Wendekreis, schwache Bremsen und einen mäßigen Fahrkomfort. Wobei noch längst nicht alles Negative aufgezählt ist. In der zweiten Reihe sitzt es sich noch schlechter als in der ersten, weil man im Fahrzeug so hoch hockt und von der Außenwelt trotzdem fast nichts mitbekommt.

          Dass der Allradler im Gelände ganz viel kann, steht außer Frage, der kürzere, zweitürige 90er ist da freilich noch viel besser. Der fährt sich auch auf der Straße weniger schwerfällig. Doch der 90 - die Ziffern beziehen sich auf den Radstand in Zoll, genau genommen müsste es Defender 93 heißen - ist hier nicht das Thema. Es geht um den 110er. 2,79 Meter Radstand (109,8 Zoll) statt 2,36 Meter und zwei weitere Türen machen den Defender 110 tauglich für die Familie und die Fernreise.

          122 PS beschleunigen den Defender auf knapp 145 km/h. Dabei kommt der Fahrer in den Genuss der schwammigen Lenkung und traditioneller Seitenlage in den Kurven. Bilderstrecke

          Aufs Dach lässt sich noch jede Menge laden, und wenn die Sitze 6 und 7 ausgebaut sind oder nicht mitbestellt wurden, ist wahrlich reichlich Platz im Heck, das durch eine rechts angeschlagene Tür betreten werden kann, an der auch noch ein vollwertiges Reserverad hängt. Nach dem Umklappen und Hochstellen der mittleren Bank beträgt die Länge des Laderaums 1,50 Meter. Ladetalent hat der lange Defender reichlich, wenn nur nicht die Tür so schmal wäre.

          Vordere Sitzflächen ruhen auf kleinen Podesten

          Doch ein Defender mag noch so viele Nachteile haben, geliebt wird er trotzdem, und das über alle Maßen. In keinem anderen Auto würde man den Fahrersitzplatz direkt an der Tür und mit relativ wenig Verstellmöglichkeiten akzeptieren. Die vorderen Sitzflächen ruhen auf kleinen Podesten, in denen früher mal Staufächer waren, heute steckt da Technik beziehungsweise Elektronik drin, ohne die es auch beim Defender schon lange nicht mehr geht.

          Es ist eben nicht mehr so, dass jeder Buschmann mit dem Vorschlaghammer einen Land Rover reparieren kann. Außer der unumgänglichen Motorelektronik gibt es auch ESP und ABS. Sonst aber sucht man den Fortschritt vergeblich. Keine Airbags, keine Assistenten, wir notieren jedoch eine Klimaanlage und auch Sitzheizung, für die jedoch Aufpreise zu zahlen sind. Ein wenig verweichlicht ist der Defender inzwischen schon, elektrische Fensterheber vorn sind noch zu erwähnen. Und die Audio-Anlage.

          Die Bremsleistung dürftig

          Rasen will und kann mit dem Defender niemand, auch wenn die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit seit geraumer Zeit nicht mehr 130 km/h, sondern knapp 145 km/h beträgt. Die (Servo-)Lenkung ist extrem schwammig, die Seitenneigung in zügig durcheilten Kurven sehr hoch, die Bremsleistung dürftig. Aber man stellt sich darauf ein, fährt defensiver als mit jedem anderen Auto und sieht auch über den nur in Ansätzen vorhandenen Federungskomfort hinweg. Ja, dieses Auto hat zwei starre Achsen! Für Fahrten im Gelände ist das natürlich von Vorteil.

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