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Fahrbericht Kia Sorento : Auf den zweiten Blick

Bild: Helge Jepsen

Mit dem maskulin gezeichneten Sorento möchte der koreanische Hersteller Kia im umkämpften Segment ein neues Wörtchen mitreden. Das gelingt überraschend gut.

          4 Min.

          Es gibt Autos, die sehen auf Fotos hinreißend aus und verlieren im Straßenbild ihre Attraktivität. Und es gibt den neuen Kia Sorento. Der bricht mit der Tradition seines seit 2015 gebauten Vorgängers und hat uns erst einmal erschreckt mit seinen wie aus einem zur Übertreibung neigenden Gewichtheberstudio gespannten Formen, mit den wie ein überdehnter Sehnenstrang emporragenden Rückleuchten, mit einer im Nirgendwo des hinteren Seitenfensters auslaufenden Zunge in Wagenfarbe. Die horizontale Dehnung der Front, wie wird sie passen zur senkrechten Erscheinung des Hecks?

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Wir dürfen, nachdem der Sorento erstmals live vor dem Redaktionsgebäude auftauchte, konstatieren: im Original ein Ausrufezeichen, ein überraschend gut gelungenes dazu. Der Wagen wirkt stämmig, aber nicht aufdringlich, maskulin, aber nicht plump, kräftig, aber nicht krawallig. Die Verwunderung setzt sich nach dem Öffnen der Türen fort, es riecht innen nicht nach billigem Kunststoff, wie das oft in günstigen Autos ist und früher auch bei Kia der Fall war. Stattdessen weht gewisser Genuss durch den Raum.

          Auch Augen und Hände werden verwöhnt. Die Oberflächen sind fein verkleidet und strukturiert, die Sitze adrett gemustert und von akkurat gesetzten Nähten eingefasst, der Materialmix zeugt von bemerkenswerter Stilsicherheit, die auch europäischen Geschmack trifft. Das ist keine Selbstverständlichkeit für Fahrzeuge aus Fernost. Es zahlt sich, obgleich der Sorento stärker als etwa das Modell Ceed amerikanisch orientiert ist, ganz offensichtlich aus, dass Kia in und um Frankfurt ein starkes Standbein hat, das sich nicht nur um den Vertrieb, sondern auch um die Emotionalität eines Autos kümmert.

          In die Version mit Dieselmotor passt etwas mehr rein

          Auf den Vordersitzen sind Langstrecken ein Vergnügen, in der zweiten Reihe lässt es sich recht gut aushalten, in Reihe drei ist trotz der Möglichkeit, das Gestühl davor zu verschieben, Schluss mit Lustig. Aber immerhin, sie ist an Bord. So wird der Sorento zum Siebensitzer, zumindest für kurze Strecken, bis ganz hinten die Thrombose zuschlägt. Möglich macht die neue Beinfreiheit die frische SUV-Plattform des Hauses. Sie erlaubt bei nahezu unveränderten Außenmaßen 35 Millimeter mehr Radstand, ein vorteilhafteres Gesamtpaket und die dem Aussehen zuträgliche gestrecktere Motorhaube. Obgleich der Innenraum mitsamt der 965 Euro extra fordernden dritten Sitzreihe zugelegt hat, bleibt ein sauber verkleideter Kofferraum mit ordentlichem Volumen. In die Version mit Dieselmotor passt etwas mehr rein, aber auch in der mit Hybridantrieb herrscht kein Platzmangel. Beladen gelingt rückenschonend, allerdings sind Kopfnüsse an der zu niedrig aufschwingenden Heckklappe programmiert.

          Das Cockpit mit seinen klar ablesbaren Zeigern wirkt modern, ohne Weltraumallüren an den Tag zu legen. Allein die Kilometerstand oder Klimatemperatur meldenden Ziffern haben sie im Gestern vergessen, so wie das Markenlogo, das wie ein Relikt aus Billigheimer-Zeiten mitleiderregend auf dem Pralltopf prangt – und alsbald wohl geändert wird. Welch Wohltat sind dagegen die verbliebenen Kippschalter, zum Beispiel für Beheizung und Kühlung der Sitze, silbrig schimmernd und sauber rastend. Gut durchdacht sind die mannigfaltigen Ablagen, und weil ein Auto gar nicht vernetzt genug sein kann, sind haufenweise USB-Anschlüsse über alle Plätze verteilt. Dazu spielt eine feine Musikanlage von Bose auf, es reist sich wahrlich angenehm im neuen Sorento. Das liegt auch an der umfangreichen Ausstattung. Schon das Basismodell Edition 7 hat LED-Scheinwerfer, Rückfahrkamera, Parksensoren sowie Stau- und Spurhalteassistent an Bord.

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