https://www.faz.net/-gya-a7d26

Fahrbericht Kia Sorento : Auf den zweiten Blick

Kontraproduktiver Murks

Die besseren Ausstattungsversionen nennen sich Vision, Spirit und Platinum. Hier gibt es Ausstiegs- und Ausparkassistenten und einen Remote-Parkassistenten, der über die Tasten des Fahrzeugschlüssels den Wagen fernbedient einparken kann. Und ein richtiges Head-up-Display, das die Informationen deutlich in die Windschutzscheibe einblendet. Direktwahltasten für den – wie in vielen Autos der Konkurrenz auch – nervtötenden, weil nervösen und bisweilen erratisch korrigierenden Spurhalteassistenten gibt es nicht mehr. Leider. Kia hat so entschieden, weil es im Unfalltest Euro-NCAP gesonderte Punkte gibt, wenn sich die Korrektoren nur unter umständlichem Aufwand abschalten lassen. Wir haben das schon öfter geschrieben: Das ist kontraproduktiver Murks auch des Gesetzgebers, der am Lenkrad mehr irritiert denn die Sicherheit erhöht.

Eine jüngere Spezialität des Hyundai-Kia-Konzerns zieht auch in den Sorento ein. Der Totwinkelassistent spielt das Geschehen seitlich des Fahrzeugs mittels Außenkamera als Videofilm in den Tachometer ein. Wir haben uns damit nie recht angefreundet. Allerdings verstellt die B-Säule größeren, mithin den Sitz weiter zurückschiebenden Fahrern den Schulterblick, insofern ist das technische Hilfsmittel gern genommen.

Es ist schon einige Zeit her, als wir zuletzt einen Sorento bewegten. Wir haben ihn als behäbigen Gesellen in Erinnerung. Das Gefühl verfliegt mit dem Neuen. Er ist zwar kein Dynamiker vom Schlage der X-Burschen von BMW oder der Q-Herde von Audi, aber plötzlich kommt im Kia Freude am Fahren auf. Das Fahrwerk hat den hohen Aufbau recht gut im Griff, die Neigung in Kurven hält sich in sicheren Grenzen. Der Federungskomfort ist langstreckentauglich, wenngleich die grundsätzliche Abstimmung straff ausgeführt wurde. Wer Kanaldeckel oder Querfugen überfährt, bleibt darüber denn auch nie im Unklaren. Unser Testwagen hatte freilich satte 225/45 R 20-Reifen drauf, die Schönlinge mögen etwas Leid mitverursachen. 2

Der Motor läuft kultiviert

Für Vortrieb sorgen zunächst ein 2,2-Liter-Turbodiesel mit 202 PS oder ein 1,6-Liter-Benziner mit Mildhybrid und 230 System-PS. Jeweils verbunden mit Vorderrad- oder Allradantrieb. Der von uns bewegte Diesel überträgt seine Kraft über ein achtstufiges DCT-Getriebe sanft und präzise. Der Motor läuft kultiviert und überzeugt mit seinem zum Fahrzeugtyp bestens passenden Durchzug, verbraucht mit 8,9 Liter aber deutlich mehr als nach Norm.

Kia erwartet, dass sich 90 Prozent der Käufer für den Diesel oder später den Plug-in-Hybrid entscheiden. Wir erwarten, dass sich künftig mehr Interessenten für den Sorento entscheiden.

Unser Fazit

STARK: Dass Kia angestaubte Formen hinter sich lässt und Liebe zu adretten Einrichtungsgegenständen entdeckt. Die praktischen Seiten, bis auf die an der Schläfe interessierte Heckklappe halt.

SCHWACH: Die Überversorgung an piepsend oder bimmelnd mahnenden Aufpassern. Der etwas zu große Durst.

BEDENKENWEGTRÄGER: Sieben Jahre Garantie sind ein Wort, das unsere Sorgen über den Restwert lindert.

Technische Daten und Preis

Empfohlener Preis 54.384 Euro

Preis des Testwagens 56.021 Euro

Vierzylinder-Dieselmotor, vier Ventile je Zylinder, Direkteinspritzung, Hubraum 2151 Kubikzentimeter

Leistung 202 PS (148 kW) bei 3800 U/min, maximales Drehmoment 440 Nm bei 1750 bis 2750 U/min

Doppelkupplungsgetriebe mit acht Stufen

Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe 4,81/1,90/1,70, Radstand 2,82, Wendekreis 11,60 Meter

Leergewicht 1852, zulässiges Gesamtgewicht 2510, Anhängelast 2500 Kilogramm, Kofferraumvolumen 705 bis 2100 Liter

Reifengröße 255/45 R 20

Höchstgeschwindigkeit 202 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 9,2 s

Verbrauch 7,6 bis 9,8, im Durchschnitt 8,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer, 158 g/km bei einem Normverbrauch von 6,0 Liter, Tankvolumen 67 Liter

Komfort & Sicherheit Bose-Musikanlage, Head-up-Display, Navigationssystem mit 26-cm-Bildschirm, Rückfahrkamera, Park-, Stau- und Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner, Bluetooth, DAB+, USB, Zwei-Zonen-Klimaautomatik

Die Anderen

Hyundai Tucson 1.6 CRDi Das Schwestermodell, 136 PS, ab 45.200 Euro

Mazda CX-5 Skyactiv-D Japanischer Schönling, 184 PS, 43.490 Euro

Renault Kadjar TCe 160 Mit Nissan-Genen, 160 PS, ab 39.350 Euro

Weitere Themen

Volkes Wagen

FAZ Plus Artikel: Fahrbericht VW Tiguan : Volkes Wagen

Der Tiguan ist die Nummer 1 unter den SUV in Europa. Den Platz gilt es zu verteidigen. Ein Hybrid ergänzt die Antriebspalette. Aber auch für den Dieselmotor sieht VW eine Zukunft. Der bleibt eine gute Wahl.

VW Tiguan 2.0 TDI Elegance Video-Seite öffnen

F.A.Z.-Fahrbericht : VW Tiguan 2.0 TDI Elegance

Mit dem Tiguan rollt der VW das SUV-Feld von hinten auf: Mehr als 760 800 Kunden entschieden sich bis Ende vergangenen Jahres allein in Deutschland für das kompakte SUV mit dem Phantasienamen Tiguan. Die jüngste Modellpflege im Sommer 2020 brachte dem Dauerbrenner mehr Digitalisierung, neue Infotainment- und Assistenzsysteme sowie ein erweitertes Motorenprogramm. Was das jüngste Modell alles kann und ob sich ein Kauf lohnt erfahren Sie in unserem Fahrbericht.

Topmeldungen

In Flensburg zu Hause: Andrea Paluch, Schriftstellerin, Musikerin, Dozentin, Sängerin, geht ihren eigenen Weg.

Andrea Paluch : Sie geht ihren eigenen Weg

Andrea Paluch, die Frau von Robert Habeck, hat ein Buch geschrieben. Liest man darin die Zukunft ihres Mannes? Eher nicht – denn Männer sind in dem Buch mit Absicht abwesend.
Schanghais Skyline

18,3 Prozent Wachstum : Die Zahl, aus der Chinas Träume sind

Verglichen mit dem Corona-Jahr wächst Chinas Wirtschaft im ersten Quartal um sagenhafte 18,3 Prozent. Das erste Quartal 2020 war allerdings wegen der Pandemie auch besonders schlecht. Das stört Peking wenig: Das Comeback des Jahrtausends füttert Chinas Machtanspruch.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.