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Fahrbericht Jeep Cherokee : Mamma Mia, here we Jeep again

Bild: F.A.Z., Hersteller

Fiat und Chrysler führen eine prima Zweckehe. Der neue Jeep Cherokee hat das Herz und die Bella Figura aus Italien, trotzdem bleibt er ein Jeep, der seinem Namen alle Ehre macht.

          4 Min.

          Jeep ist die Offroad-Marke schlechthin. Sogar der Land Rover hat von ihr das Laufen gelernt. Doch heute haben die Briten aus Solihull zumindest in Europa das Sagen unter den beiden einzigen Automarken der Welt, die ausschließlich vom Verkauf von Geländewagen leben. Ach ja, das heißt ja heute SUV, und selbst bei Land Rover hat man inzwischen den Frevel begangen, nicht nur aufs Untersetzungsgetriebe zu verzichten, sondern auch Modelle ohne Allradantrieb anzubieten. Die Amerikaner machen das schon lange, nur hat sich niemand darüber aufgeregt.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Jeep Cherokee ist ein noch junger Klassiker im Jeep-Programm, als Modell über dem Wrangler (dem Ur-Jeep, „since 1941“) war er zu Beginn der achtziger Jahre richtig erfolgreich. Anfang der Neunziger war er das erste SUV mit Allrad und ABS. Damals war er noch ein kantiger Geselle, die nächste Generation war wieder runder (und wurde im Heimatmarkt Liberty genannt), dann wurde das Runde wieder eckiger, der Name kam auf allen Märkten zurück, doch der Erfolg stellte sich nicht so recht ein. 2011 wurde der Cherokee in Europa vom Markt genommen.

          Jetzt ist er wieder da, er ist eine der ersten Früchte aus der immer noch jungen Ehe zwischen Chrysler/Jeep und Fiat. Die Italiener haben ganze Arbeit geleistet und dem Neuling ein Gesicht verpasst, das auch einem Alfa-SUV sehr gut stehen würde. Wir geben zu, wir fanden das Design zunächst scheußlich. Diese schmalen Scheinwerferschlitze, gepaart mit dem dicken Jeep-Grill: eigentlich unmöglich. Und die hohe Gürtellinie hinten. Aber man gewöhnt sich daran. Und die Amerikaner, die ja ohnehin einen Hang dazu haben, alles Europäische schick zu finden, lieben den neuen, wieder rundlichen Cherokee. Als Amerika-Urlauber kann man sich davon überzeugen: Man sieht ihn an jeder Ecke. In diesem Jahr hat Jeep schon mehr als 120 000 Cherokee in den Staaten verkauft.

          Die Kundschaft in der alten Welt will Diesel

          Viele davon haben einen 3,2-Liter-V6-Motor, der für Europa eher ungeeignet ist. Die Kundschaft in der alten Welt will Diesel, und da ist Fiat nicht die schlechteste Adresse. Zwei Varianten des bewährten 2,0-Liter-Multijet-Aggregats stehen für den Cherokee zur Wahl, es gibt entweder 140 oder 170 PS. Beide haben ein maximales Drehmoment von 350 Newtonmeter, da fällt schnell die Wahl auf die 140-PS-Version. Mit ihr einher geht die Entscheidung für ein manuelles Sechsganggetriebe. Der 170-PS-Jeep hat immer eine Neungangautomatik von ZF. Daher der Preisunterschied von 3600 Euro. Das Basismodell (34 800 Euro) hat nur Frontantrieb, 2100 Euro spart man.

          Ein Jeep ohne Allrad ist für uns immer noch unmöglich, es ist schon schlimm genug, wenn das Untersetzungsgetriebe fehlt. Erhältlich ist es nur für den V6-Benziner (272 PS), und dort auch nur in der teuren Trailhawk-Ausstattungslinie (Endpreis 48 000 Euro). Einfach Allrad muss reichen, er allein ist schon ein großes Plus fürs Fortkommen bei Eis und Schnee oder wenn es mal über eine nasse Wiese gehen muss. Dabei ist der Allradantrieb variabel; um möglichst viel Kraftstoff zu sparen, wird der Hinterachs-Antrieb bei Straßenfahrt in der Regel komplett unterbunden, die Achse läuft frei mit. Über einen Drehwähler stehen vier 4×4-Programme zur Wahl: Auto, Snow, Sport und Sand/Mud (Schlamm). Wir waren meist in „Auto“ unterwegs und hatten keinerlei Probleme. Der Allrad ist völlig unauffällig, die früher so gefürchteten Verspannungen des Antriebsstrangs in engen Kurven gehören längst der Vergangenheit an.

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