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Fahrbericht Jaguar XF : Souveränes Design ohne Spektakel

  • -Aktualisiert am

Viel zu schade für die Business Class: Jaguar XF Bild: Hersteller

Die Business Class wird wieder spannend. Dafür sorgt Jaguar. Der neue XF ist eine nicht perfekte Hightech-Limousine, aber ein toller Jaguar für die mobile Teatime zwischen zwei Terminen.

          Für die Business Class viel zu schade ist dieser Jaguar XF. Denn die strebsamen Anzugmänner haben ihre Sinne auf Erfolg und nicht auf den Genuss gepolt. Ihre ehrgeizigen Ziele werden über die Verkaufsstatistik und nicht über den Verlauf der dynamischen Vorgänge und den Stil des Innenraums in diesem Jaguar definiert. Wer so mit Verkaufen statt mit Genießen beschäftigt ist, der soll doch einen Fünfer fahren, einen A6 oder gar eine E-Klasse.

          Aber für Menschen ohne Geschäftsabsichten ist der Jaguar XF in seiner zweiten Generation nicht Business Class, sondern erste Wahl. Denn er ist mehr als die motorisierte Verbindung zwischen zwei Verabredungen. Er ist die Auszeit zwischen den Terminen. Eine Stiloase im Tabellenleben. Umgesetzt von einem High-tech-Jaguar mit Leichtbau, ambitioniertem Innenleben und der Präzision von Ingenieuren, die nicht von alten Ingwer-Keksen leben müssen.

          Mehr Jaguar war noch nie: Die erste XF-Generation kam als Premieren-Vorstellung der Neuerfindung von Jaguar und erblühte im Frühjahr 2008, im Herbst 2015 der zweite XF, vorher 2014 der sportlichere XE, im Sommer 2009 der in diesen Wochen zum Anfang 2016 erneuerte XJ, und die beiden F-Type-Sportwagen donnerten 2012 (Coupé) und 2013 (Roadster) auf die Straßen, für 2016 ist der F-Pace eingeplant, ein SUV mit den Genen der Katze, einen halben Teebeutel länger als der Porsche Macan. Unter dem Einfluss deutscher Manager und mit dem Kapital der indischen Tata-Gruppe im Rücken wurde die Marke mit Hightech und Emotions-Design auf deutsche Werte getrimmt, zum Rivalen für Audi, BMW, Mercedes-Benz und Porsche. Aber ohne Verluste an dieser schwer greifbaren Jaguarhaftigkeit. Diese ist in Deutschland der wohl vornehmste Kaufgrund. Ein Jaguar muss souveräne Leistung bieten, er darf im Design exaltiert sein, er darf vor allem nicht gewöhnlich sein und schön entfernt von der Großserie, deren routineartige Zuverlässigkeit aber durchaus geschätzt wird.

          Bei Sonneneinstrahlung ein schlecht abzulesender Bildschirm mit acht Tasten für Navigation und Entertainment Bilderstrecke

          Die Designer um den Chef Ian Callum haben die Marke begriffen und nehmen für die neue Authentizität ein paar Nachteile in Kauf. Eine üppige Karosse, unübersichtlich in alle Richtungen, das darf sich ein Jaguar erlauben. Die Türhöhen sind rundum knapp bemessen, wer gerne den Fahrersitz nach oben fährt, gerät häufig in Kontakt mit der Dachkante, die fließend-elegante Linie führt die seitliche Fensterhöhe nur knapp über dem Scheitel. In dem 115 Zentimeter tiefen und rund einen Meter breiten Kofferraum gibt es eine veritable Stufe, werden die Lehnen der Rückbank geklappt, dann wächst die Ladetiefe auf knapp zwei Meter. Zum Umlegen der Lehnen hängen an der Decke des Ladeabteils zwei provisorisch anmutende Hebelzüge, das funktioniert zwar gut, aber es gibt elegantere Mechanismen. Auf der fast 1,40 Meter breiten Rückbank ist zwar reichlich Raum für drei, aber die Sitzmulden außen sind deutlich intensiver ausgebildet als die Fläche innen, der Platz in der Mitte ist im XF ein Notbehelf.

          Vorne trennen eine massive Mittelkonsole und der breite Tunnel den Raum für Fahrer und Beifahrer. Ganz oben liegen zwei flache Gitterchen für den Eintritt von warmer oder kalter Luft, sie lassen sich nicht völlig zugfrei schließen; darunter liegt der bei Sonneneinstrahlung schlecht abzulesende Bildschirm mit acht Tasten für Navigation und Entertainment, wiederum darunter eine flache doppellagige Leiste mit sehr kleinen und winzig beschrifteten Tasten. Das ist alles etwas umständlich angeordnet, und wer rasch zum Beispiel die Innenraumtemperatur, etwa von 23 auf 15 Grad oder umgekehrt ändern möchte, wird zum eifrigen Drückemeister. In ein Menü mit Grafikdarstellung muss zuerst gewechselt werden, wenn die Sitzheizung aktiviert werden soll.

          Auf dem Tableau im Mitteltunnel harren briefmarkenkleine Felder der Fahrerbefehle für die Modifikation dynamischer Vorgänge wie der Traktionshilfe; man kann sie auch ignorieren und einfach sensibler mit der Leistung umgehen. Das gilt auch für die Mehrheit der Drucktasten in den Links- und Rechtsspeichen des fülligen Lenkrads mit Lederkranz, es ist mit Funktionen überladen.

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