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Fahrbericht Jaguar F-Type : Von E nach F in 40 Jahren

Bild: F.A.Z., Hersteller

Endlich hat Jaguar einen legitimen Nachfolger für den legendären E-Type auf die Räder gestellt. Die deutschen Platzhirsche dürfen sich freuen: Es macht ihnen mal jemand Konkurrenz.

          Lange hatten es die deutschen Hersteller in den oberen Autoklassen bequem. Es gab niemanden, der ihnen ernsthaft am Zeug flicken konnte, außer ganz oben, in jenen Welten, in denen Rolls-Royce und Bentley das Sagen haben.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Etwas tiefer, so ab oberer Mittelklasse aufwärts, die Sportwagen eingeschlossen, gab es für die wenigen Wettbewerber allenfalls Brosamen – vor allem wenn man den deutschen Markt betrachtet.

          Jetzt aber schickt sich Jaguar an, dies zu ändern. Zwar bleibt der große XJ etwas für Außenseiter, und der XF kommt nicht mal am 70er-Volvo vorbei, aber der angekündigte XE als Konkurrent zum 3er, der C-Klasse und dem A4 könnte dem erfolgsverwöhnten Trio ein wenig in die Parade fahren.

          Der Jaguar F-Type, der frischeste Wurf aus England, macht vor, wie es geht. Der Sportwagen, der seit vergangenem Jahr als Cabriolet und seit April zusätzlich als Coupé angeboten wird, macht Furore. Und das nicht nur wegen seiner betörenden Formen.

          Verkaufszahlen

          Lassen wir nackte Zahlen sprechen: Jaguar hat in Deutschland im ersten Halbjahr 2014 mit 802 F-Type mehr Fahrzeuge abgesetzt als Mercedes-Benz vom SL (644) oder Audi vom R8 (307). Klar, an das Sportwagenschlachtschiff Porsche 911 (4065) kommt niemand heran, doch der BMW Z4 ist nicht so weit weg (1355). Da geht vielleicht noch was.

          Natürlich, die eine Spur unter dem F-Type einzuordnenden Audi TT (2277) und der Mercedes-Benz SLK (2616) sowie der Porsche Boxster/Cayman (1991) bleiben unerreichte Größen. Doch schon dem Peugeot RC-Z (629) zeigt der F-Type wieder die wunderschönen LED-Rücklichter. Und bei Jaguar will wohl niemand aus dem F-Type ein Massenprodukt machen.

          Preise

          Man ist ambitioniert: Schon das Basismodell (V6-Motor mit drei Liter Hubraum, 340 PS) kostet mindestens 67.000 Euro. Zum Vergleich: Audi TT 35.000, Mercedes-Benz SLK 39.360 Euro Basispreis. Das F-Type Cabriolet ist nochmals 7000 Euro teurer.

          Diese Preisdifferenz gilt auch für den V6S, der jetzt 14 Tage in der Redaktion zu Gast war. Hier gibt es 380 PS aus den drei Liter Hubraum, das Coupé kostet 78.500 Euro und ist – was die schönen Kurven angeht – die bessere Wahl. Es sieht erstens einfach aufregender aus als das Cabrio, und zweitens bietet die Gesamtkonstruktion mit dem festen Dach, wenn es auf der Rennstrecke hart auf hart geht, doch mehr Reserven. Da fahren die wenigsten hin, aber es ist immer gut, noch etwas in der Hinterhand zu haben.

          Platzangebot

          Und es ist mehr Platz im Coupé. Zwar nicht für die Passagiere, denn direkt hinter den Sitzen endet der Innenraum; für Personen, die größer als 1,85 Meter sind, dürfte es sogar etwas knapp werden.

          Aber im Kofferraum: Bis zu 407 Liter Volumen stehen zur Verfügung, wenn man bis ans Fenster packt. Das ist etwas mehr als das Doppelte. Mit Reserverad auf Alu-Felge (380 Euro extra) schrumpft der Kofferraum auf 272 Liter. Die Klappe öffnet konventionell nach oben, nicht zur Seite wie beim berühmten Vorbild, dem E-Type Coupé.

          Innenraum

          Zurück zum Innenraum: Der passt wie ein gut sitzender Schuh, ist schön gearbeitet und erfreut das Auge mit viel Leder. Eine Schau sind die Lüftungsdüsen, die sich nach dem Start aus dem Armaturenbrett hervorheben – es sei denn, man lässt die Klimaanlage aus.

          Ganz stilsicher wirkt die Gesamtkomposition aber nicht. Das elektrische Display zwischen den klassischen Groß-Armaturen (Tacho und Drehzahlmesser) passt nicht zum übrigen Ambiente, das Navi-System hätte schon längst mal eine Überarbeitung verdient, und der Deckel auf den Becherhaltern zwischen den Sitzen besteht aus schnödem Plastik. Da müsste sich doch was Besseres finden lassen, schließlich hat Jaguar von Benz und Co. gelernt und bietet für den Erstkäufer eine verwirrende Vielfalt von Gestaltungsmöglichkeiten für den Innenraum.

          Drei verschiedene Sitztypen (Sport, Performance, R Performance) gibt es, ganz abgesehen von den Farben und Stoffen (23 Möglichkeiten), dazu kommen sechs verschiedene Designs für den Dachhimmel, vier Möglichkeiten für die Paneele, vier für die Teppiche und sogar drei für die Sicherheitsgurte. Da kann man schon uns Grübeln kommen. Musste man doch zuvor schon aus 14 verschiedenen Felgentypen – die am Testwagen waren 20-Zöller für 2280 Aufpreis – und einem Dutzend Lackfarben auswählen.

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