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Fahrbericht Jaguar F-Pace : Auf den Spuren des Cayenne

Ins Gelände werden sich die Käufer des F-Pace wohl kaum verirren. Bild: Hersteller

Alle Welt baut SUV, jetzt auch Jaguar. Und das gelingt den Briten gewiss nicht schlecht. Kein Wunder, bei der Nähe zu den Spezialisten von Land Rover.

          Als Porsche vor 14 Jahren den Geländewagen Cayenne auf den Markt brachte, war das Geschrei der Fans groß. Das sei kein echter Porsche, was habe der Koloss im Portfolio der Zuffenhausener zu suchen, wurde lamentiert. Heute weiß man, dass die Entscheidung goldrichtig war. Keiner zweifelt mehr daran, dass der Cayenne und der Macan echte Porsche sind. Denn sie sorgen für einen Großteil des Absatzes und des Gewinns.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nun hat sich endlich auch Jaguar entschlossen, seinen Kunden ein SUV anzubieten. Und keiner regt sich darüber auf. Warum auch sollte Jaguar der Schwesterfirma Land Rover das Terrain allein überlassen? Viel früher hätte diese Entscheidung fallen können. Solihull hat natürlich in Sachen Allradtechnik seine Finger im Spiel gehabt, und ins gefürchtete Testgelände bei Eastnore Castle in England musste der F-Pace auch. Er bestand es übrigens mit Bravour. Die Wat-Tiefe von mehr als 50 Zentimeter und die Bodenfreiheit von 21,5 Zentimeter sind so schlecht nicht.

          Das Gros der Kunden dürfte zum V6-Biturbodiesel (3,0 Liter Hubraum) greifen. Bilderstrecke

          Doch ins Gelände werden sich die Käufer des F-Pace wohl kaum verirren. Ihnen wird es mehr um das gute Raumangebot, das hohe Sitzen, den Allradantrieb und vielleicht auch um die 2,4 Tonnen Anhängelast gehen. Jene Attribute eben, die dem SUV auf dem deutschen Neuwagenmarkt mittlerweile gut 20 Prozent Marktanteil beschert haben. Keine Frage, kein Jaguar hat einen höheren Nutzwert als der F-Pace.

          Seit dem Frühjahr ist er zu haben, die Nachfrage ist hoch, die Lieferzeit beträgt momentan sechs Monate. Das Basismodell wird handgeschaltet, muss mit Hinterradantrieb und einem 2,0-Liter-Turbodieselmotor (180 PS) auskommen, lockt dafür aber mit einem moderaten Preis von 42 390 Euro. Allrad kostet hier 2600 Euro Aufpreis, alle anderen F-Pace verfügen generell über All Wheel Drive (AWD).

          Achtgang-Automatik für die Kraftübertragung

          Das Gros der Kunden dürfte zum V6-Biturbodiesel (3,0 Liter Hubraum) greifen, der gepflegte 300 PS an die Räder schickt und mit dem famosen Drehmoment von 700 Newtonmeter bei nur 2000 Umdrehungen in der Minute aufwarten kann. Eine Achtgang-Automatik von ZF kümmert sich um die Kraftübertragung. Allerdings sind jetzt schon 57 690 Euro zu zahlen, und dafür gibt es nur die Basisausstattung „Pure“. Der Testwagen war ein „Prestige“ für 61 200 Euro, für „Portfolio“ wären 65 170 Euro fällig. Ähnlich wie deutsche Hersteller lockt Jaguar außerdem mit einer üppigen Aufpreisliste; für gut 17 000 Euro hatte unser Wagen Extras an Bord, aber keinen adaptiven Tempomaten. Den vermissten wir auf langen Autobahnfahrten - fast 4000 Kilometer spulte der F-Pace ab. Nachteilig wirkt sich aus, dass der einfache Tempomat bergab die Geschwindigkeit nicht hält, sondern der F-Pace im Gefälle schneller wird.

          Sonst aber gibt es fahrerisch wenig zu bemängeln. Der Jaguar hat durchaus sportliche Gene, der Antrieb ist heckbetont, die Vorderräder kommen nur bei Bedarf zum Einsatz. Die Elektronik wacht über die beste Kraftverteilung, theoretisch könnten auch 100 Prozent des Drehmoments nach vorne gehen. Der Allrad blieb während der 16 Tage, die wir unterwegs waren, vollkommen unauffällig. Das galt nicht für die Bremsen. Die zeigten sich von ihrer besten Seite, sie waren stets auf Zack, wenn sie gefordert wurden, und ermüdeten auch nicht.

          Die elektromechanische Servolenkung vermittelte ein gutes Gefühl zur Straße. Etwas komfortabler wünschen wir uns die Fahrwerksabstimmung - schade, dass es keine Luftfederung gibt. So bleibt noch Spielraum nach oben. Zum Motor: Dass 700 Newtonmeter kaum Wünsche nach Kraft offenlassen, versteht sich von selbst. Dazu harmoniert die Automatik aufs feinste mit dem Antrieb, nur in der Stellung Sport wechselt sie etwas ruppiger die Gänge und dreht sie natürlich höher aus. Aber das soll ja auch so sein. Wer gemütlich fährt, schnurrt bei Tacho 140 und 2000/min über die Autobahn und darf mit einem Verbrauch unter acht Liter Diesel auf 100 Kilometer rechnen. 100 km/h mehr sind aber auch drin, bei entsprechend höherem Kraftstoffeinsatz.

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