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Fahrbericht Hyundai i10 : Koreanische Kleinkunst

  • -Aktualisiert am

Bild: Helge Jepsen

Die Entdeckung des Designs und ein Hauch von Fahrkultur tun dem nur etwas gewachsenen Kleinwagen gut. Der Preis freilich sprengt den Klassenrahmen.

          4 Min.

          Den Kleinen geht es nicht gut. Von der neuen Bescheidenheit wird viel geredet, aber wenn es um Autos mit weniger als vier Metern in der Länge und einem schnatternden Sparmotor unter der Haube geht, bleibt der angeblich geile Geiz auf der Strecke. Die Hersteller verkaufen lieber größere Kutschen, weil die ihnen höhere Margen in die Kassen spülen. Insgeheim haben schon alle durchgerechnet, dass sie angesichts steigender Aufwendungen für Sicherheit und Schadstoffarmut besser damit aufhören sollten. Deshalb gehören die lieben Kleinen besonders auf dem deutschen Markt zu den bedrohten Arten. Doch noch nie war es einfacher, bescheiden einzukaufen und relativ luxuriös zu leben. Es ist kein Zufall, dass ein recht gelungenes Argument für ein gutes, mobiles Leben nicht von einer europäischen Marke kommt. Und in der Türkei gefertigt wird. Den Beweis für gesteigerte Attraktivität liefert der jüngst neu aufgelegte, kleinste Hyundai, der in seiner ersten Generation 2008 zum Start in Deutschland aussah wie ein Ding, das die Katze zu ihrem Vergnügen in der Nacht ins Haus geschleppt hatte.

          Aber in der neuen, dritten Generation ist Schluss mit lustig. Vier Ausstattungsversionen gibt es vom i10, zwei Motoren stehen zur Wahl, der Einstieg gelingt bei knapp 11 000 Euro, der Testwagen i10 Style 1.2 stellte sich auf etwa 19 000 Euro, mit ein paar Extras, bei einem Grundpreis von 17 390 Euro. Auf 3,67 Meter in der Länge ist der i10 gewachsen, und die Entdeckung des Designs als Grundtugend auch für die kleinen Formate bei Hyundai hat ihn zum Klassenprimus aufgewertet. Niemand muss sich grämen, mit ihm gesehen zu werden, hinter dem knuffigen Bug entwickelt sich ein gut gegliederter Körper, immer mit vier Türen. Stark betonte Radläufe sorgen für stämmige Erdung, der kecke seitliche Schwung am Dach löst die in der unteren Fensterlinie drohende Langeweile auf, und die Idee mit dem wie beim Testwagen in Phantom Black lackierten Dach (es gibt noch Tomato Red) wird gerne genommen.

          Denn die Zweifarblackierung führt einen Hauch von Eleganz und Bemühen um den Kunden heran, der in dieser Klasse nicht erwartet wird. Zumal dieser Eindruck bei intensiver Näherung durch die längst fällige Aufwertung für einen ganz simplen Vorgang verstärkt wird. Erster körperlicher Kontakt mit jedem Auto muss der Türgriff sein. Hier packt die Hand nach einem in Chrom ausgeführten, massiv-schmeichlerisch angenehm in der Hand liegenden Griff, der mit einem sanft-beruhigenden Knacken den Einstieg freigibt. So, denkt der i10-Kunde, so kann Qualität auch demonstriert werden.

          Tummelplatz für eine Rotte von Assistenten

          Wobei sich dieser Eindruck im Innenraum nicht ganz lückenlos fortsetzt. Denn einige Teile der Verkleidung für Armaturen und Mittelkonsole wirken wie billiges Hartplastik, wobei deren Verarbeitung tadellos ist. Für den Fahrer gibt es einen gut dimensionierten Arbeitsplatz, der auch als ein Tummelplatz für eine Rotte von Assistenten dient, die er aber lieber gleich in den Ruhestand versetzt. Unbeliebt ist vor allem der Aktive Spurhalteassistent, dessen Anwesenheit aber auf eine politisch längst abgenickte europäische Vorschrift zurückgeht, deren Befolgung von 2021 an zur Pflicht wird. Wobei zu vermerken ist, dass die Assi-Schar im i10 fast komplett bereits in den Grundversionen zum Einsatz kommt.

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