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Fahrbericht Honda Jazz : Platz für eine Combo

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Die dritte Generation des Honda Jazz ist außen und innen gewachsen. Sein Raumkonzept hat nichts von seiner Cleverness eingebüßt. Der neue Motor taugt aber nicht für flotte Töne.

          4 Min.

          Der Honda-Kleinwagen mit dem musikalischen Namen hat seit seiner Premiere 2001 mehr als fünf Millionen Käufer gefunden. Für die zweite Generation standen noch drei Motorisierungen zur Wahl, von 2011 bis 2015 konnte Honda sich zudem rühmen, als erster Hersteller ein Hybridmodell in der Polo-Klasse anzubieten. Der aktuelle Jazz verzichtet auf die Kombination aus Benzin- und Elektromotor, lediglich in seinem Heimatland Japan wird der Fronttriebler unter dem Namen Fit auch als Hybrid angeboten. Nach Deutschland kommt der Jazz jetzt ausschließlich mit einem neu entwickelten 1,3-Liter-Benzinmotor mit 102 PS (75 kW), der Kunde kann zwischen einer manuellen Sechsgangschaltung oder einer stufenlosen CVT-Automatik (1300 Euro) wählen.

          Um zu zeigen, wie viel Musik in ihm steckt, war der handgeschaltete Jazz in der besten Ausstattungslinie „Elegance“ für 14 Tage im der Redaktionsfuhrpark eingereiht. Eine manuelle Klimaanlage, Tempomat, Sitzheizung vorn und City-Notbremsassistent hält schon die Basisversion Trend (15 990 Euro) bereit. Elegance kostet 18 750 Euro, erfreulich kurz ist dann die Aufpreisliste mit Design- und ein Sportpaket für 490 oder 1590 Euro. Eine abnehmbare Anhängerkupplung gibt es für 690, Navigation für 600 Euro. Metallic- oder Pearl-Lackierungen - sechs zur Auswahl - kosten 460 Euro. Sunset Orange, die Karosseriefarbe des Testwagens, verlangt wie Milano Red keinen Cent extra.

          Die neue Plattform des Jazz ließ ihn um fast zehn Zentimeter auf eine Länge von exakt vier Meter wachsen, der Radstand hat um drei Zentimeter auf 2,53 Meter zugelegt. Wie Honda es schafft, einen Kleinwagen derartig geräumig und variabel zu gestalten, hat uns schon immer begeistert; die Beinfreiheit im Fond (115 Millimeter mehr als bisher) und die Flexibilität der Rückbank sind auch in der jüngsten Generation mehr als lobenswert. Wie bei den Vorgängermodellen liegt der 40-Liter-Kraftstofftank unter den Vordersitzen, das schafft Platz und ermöglicht den einzigartigen Klappmechanismus des hinteren Gestühls: Die Sitzflächen der im Verhältnis 60:40 geteilten Rücksitzbank lassen sich - wie Kinosessel - senkrecht hochklappen und bieten davor freien Raum vom Boden bis unters Dach bis zu einer Höhe von 1,28 Meter.

          Oleander und Yucca-Palme sollen aus dem Winterquartier geholt werden? Kein Problem! Auch ein Mountainbike (mit abmontiertem Vorderrad) haben wir aufrecht stehend hinter den Vordersitzen untergebracht. Werden die Rücksitzlehnen nach vorn umgelegt, senken sich automatisch die Sitzflächen ab, und es entsteht eine ebene, 1,50 Meter lange Ladefläche. Das sind acht Zentimeter mehr als bisher. Für den Transport langer Gegenstände bis 2,48 Meter lässt sich die Lehne des Beifahrersitzes mit einem Handgriff komplett nach hinten klappen. So ist das Gepäckvolumen von 354 bis 1314 Liter gewiss ausreichend für die Instrumente einer kompletten Jazzcombo. Das Ladetalent des Honda ist im Prinzip auf Kompaktklassen- und nicht auf Kleinwagenniveau. Die Ladekante ist rückenschonende 61 Zentimeter über dem Boden, großgewachsene Menschen müssen aber bei nur 1,80 Meter Standhöhe unter der Heckklappe sehr vorsichtig sein.

          28,4 Sekunden für den Sprint von 50 auf 100 km/h

          Bei allem Lob für die Raumausnutzung, flottere Töne hätten wir uns für die Motorisierung gewünscht. Der Vierzylinder-Benziner mit Start-Stopp-Automatik agiert ohne Turbounterstützung, das maximale Drehmoment von 123 Newtonmeter liegt erst bei 5000 Umdrehungen in der Minute an. Fleißige Schaltarbeit und hohe Drehzahlen sind also nötig, zügiges Vorwärtskommen mit merklichem Schub gelingt erst oberhalb von 3000 Umdrehungen in der Minute. Untenrum ist der Motor reichlich schwach, 28,4 Sekunden für den Sprint von 50 auf 100 km/h im 6. Gang sprechen eine deutliche Sprache. Die Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h erreicht der Honda laut dröhnend schon im 5. Gang bei 6000/min, am Berg geht ihm regelmäßig die Puste aus.

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