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Fahrbericht Ford Mustang GT : Lass uns in die Wintersonne reiten

Bild: F.A.Z., Hersteller

Seit 1964 lässt der Mustang Männerherzen höher schlagen. Die von Frauen auch. Offen und herrlich fährt er jetzt auch als Cabriolet in eine neue Generation. Pur, durstig und ohne Nackenwärmer.

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          Wenn der Winter keine Lust mehr auf Schnee hat, dann können wir auch guten Gewissens im Dezember ein Cabriolet öffnen. Die bittere Nachricht für alle, die in derlei Abenteuer nur noch mit Premiumgebläsen aus deutschen Landen starten: Es ist kein Nackenwärmer an Bord. Auch kein Windschott. Nur jede Menge Frischluft und eine Horde nach Ausritten lechzender Ponys. Erstere können wir nicht messen, sie ist jedenfalls genug, um letzte Züge Freiheit einzusaugen, bevor jemand im Sinne der Sicherheit und Effizienz einen Luftmengenbegrenzer als neuestes Assistenzsystem in die Aufpreisliste schreibt. Zweitere folgt einer Formel, die seit 1964 Inbegriff automobiler Verführung ist: Willkommen im neuen Ford Mustang - in seiner leidenschaftlichsten Form als GT Cabriolet.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Am GT erkennt der Kenner die Vollblut-Version. Ja, es gibt den offensten aller Ponyhöfe auch mit gezähmtem Triebwerk, das hat ein Hubräumchen von 2,3 Litern und schmale 317 PS aus, jetzt ganz stark sein, vier Zylindern. Das ist doch zum Wiehern. Dass der Minimotor mit 65 Kilogramm weniger auf die Achse drückt und dank besserer Balance schärfer durch die Kurven geht, wen soll das interessieren? Und das auch noch, um den geschätzten Kollegen eines bildenden Fachblatts zu zitieren, klingend „wie ein gurgelnder Müsli-Esser, ohne Röcheln, ohne Ballern oder Spotzen, das den Verzicht auf den durstigen V8 versüßt.“

          Unter den uns zugeführten, ausweislich des Zollstocks unendlichen 144 Zentimetern Motorhaube ruht vor dem Sturm der standesgemäße 5,0-Liter-Achtzylinder. Der ist ein recht erfreuliches Aggregat, Röcheln, Ballern und Spotzen inklusive, und wenn der Drehzahlmesser bei 6500/min die nächste Stufe anmahnend blutrot glüht, besteht kein Zweifel mehr: Alles richtig gemacht. Die mit nur sechs Gängen ausstaffierte Automatik kommt mit dem üppig angelieferten Drehmoment in der Regel gut zurecht, nur morgens nach dem Kaltstart verträgt sie sich nicht mit dem Maschinenraum und haut den Gang hinein, als gelte es, unbedingt als Erster aus der Einzelgarage zu stürmen. Dabei ist das Spiel der Muskeln nun wirklich nicht das, was eine Fahrt im offenen Mustang zuvörderst ausmacht.

          Wer auf Burnout steht, kann das Pedal bis ans Blech durchdrücken und sich an schwarzen Streifen von Köln bis Detroit laben. Oder sich zur Kur anmelden. Zumal der Ritt im kräftigen Mustang trotz endlich moderner Fahrwerkskonstruktion zwar berechenbarer, aber noch immer kein einfacher ist. Das angetriebene Heck drängt gern voran, die Lenkung erfordert Eingewöhnung, auf feuchtem Untergrund ist höchste Konzentration gefordert. Offenbar setzt die regelbare Stabilitätskontrolle größeres Vertrauen in den Piloten. Auch der Komfort ist besser, aber nur bedingt langstreckentauglich geworden. Vor allem die Hinterachse verbirgt die Beschaffenheit der Straße kaum. Wer derlei mag, wird die Abstimmung als sportliche Charaktereigenschaft auf der Habenseite verbuchen.

          Ein Gedicht von Antrieb

          Zweifelsfrei ein Ass ist die Maschine auf großer Fahrt, wenn souveräne Geruhsamkeit über die Hektik des Alltags siegt und laue Lüftchen über die Brüstung streichen. Dann säuselt der Motor, wie es nur einer mit acht Zylindern kann, ein Gedicht von Antrieb, und schon schluckt der Messbecher nur noch 10,4 Liter auf einhundert Kilometern. Weniger ist bei bestem Willen kaum zu schaffen, bei schlechtem sind es locker mehr als 16. Das ist bestimmt politisch völlig unkorrekt, aber niemand least solch ein Auto für die Aldi-Vertriebsflotte. Im Cabriolet ist Genuss das Gebot der Stunde, und in dieser Disziplin ist das Preis-Leistungs-Verhältnis des Mustangs konkurrenzlos.

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