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Fahrbericht Ford Mondeo Hybrid : Selten so gemacht

Ford Mondeo Hybrid Bild: Helge Jepsen

Der Ford Mondeo Hybrid ist ein Außenseiter. Eines der raren Stufenheckmodelle, noch dazu ein Hybrid-Fahrzeug, dessen Batterie den Kofferraum verkleinert. Kann man diesen Mondeo dennoch mögen?

          4 Min.

          Mit viel Tamtam brachte Ford 1993 den Mondeo als „Weltauto“ auf den Markt. Freilich verschob sich bald der Schwerpunkt für das Modell auf Europa, was sich seit 2015 wiederum geändert hat. Aus Kostengründen stehen seither alle Mondeo auf einer amerikanischen Plattform, das erklärt das stattliche Format von 4,87 Meter Außenlänge. Gestartet war der Weltwagen vor 27 Jahren mit 4,48 Meter. Im Sommer 2019 wurde der für Europa in Valencia gebaute Mondeo überarbeitet, und wer sich mit dem Mittelklasse-Auto beschäftigt, erlebt eine Überraschung: Im Motorenangebot gibt es keine Benziner mehr, nur noch Diesel sowie eine Hybrid-Variante, um die es hier gehen soll.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Längst fristen Limousinen bis zum Mittelklasse-Format in Deutschland ein Schattendasein. Der Kunde will, wenn schon kein SUV, dann einen Kombi oder zumindest ein schräges Heck. Das ist doch so praktisch. Es gibt sie aber noch, die treuen Freunde des abgeschlossenen Kofferraums, nur leider werden die durch den Mondeo Hybrid bitter enttäuscht. Es rächt sich, dass die Plattform schon älter ist, weil die Batterie viel Platz im Ladeabteil beansprucht, obwohl sie mit 1,4 kWh Fassungsvermögen eher klein ist. Das zerklüftete Gelass hat rechnerisch nur 383 Liter Volumen. Drei Wasserkästen dort unterzubringen ist schon schwierig. Kleiner Trost: Die Rückbank kann umgelegt werden. Aber: Lediglich Schmales lässt sich durchladen. Als Familienauto fällt die Limousine somit durch, trotz des guten Platzangebots auf der Rückbank. Im Mondeo Hybrid Turnier (Kombi) fällt das Problem weniger auf, der Platzverlust ist freilich auch hier zu beklagen. Und Anhänger darf die Limousine gar nicht ziehen, der Turnier schafft mit 750 Kilogramm maximal zulässiger Last allenfalls einen Mini-Wohnwagen.

          Jetzt aber haken wir die größten Nachteile ab und kommen zu den guten Seiten des Mondeo. „Stil mit Substanz“ verspricht Ford und räumt den Insassen viel Platz ein, auch vorn. Die Türen öffnen weit, nur darf man keinen Premium-Innenraum erwarten. Die Einrichtung wirkt amerikanisch-lässig, die Sitze sind zu weich. Ledergestühl würde 1950 Euro Aufpreis kosten. Aber der Ausstattungsumfang ist gut bis sehr gut. Wer nur etwas Aufgeld in die Hand nimmt, bekommt, abgesehen vom Head-up-Display, alle gängigen Hilfs- und Sicherheitssysteme. Die Kommunikationsanlage versteht sich mit Apple Carplay. Die Instrumentierung mit dem großen analogen Tacho in der Mitte und digitalen Anzeigen mit zahlreichen Spielereien daneben wirkt etwas verstaubt. Einen Drehzahlmesser gibt es nicht. Man fährt schließlich Hybrid. Dafür muss man sich bewusst entscheiden. Man kann es lieben oder hassen.

          Gibt es auch als Kombi, dann heißt er Ford Mondeo Turnier Bilderstrecke
          Fahrbericht : Ford Mondeo Hybrid

          Ford kombiniert in diesem Fall einen 2,0-Liter-Benziner mit 140 PS mit einem Elektromotor, zusammen ergibt das 187 PS. Die werden per stufenlosem Getriebe an die Vorderräder geschickt, womit ein weiterer Knackpunkt anzusprechen wäre. Angenehm fährt sich der Mondeo nur, wenn sanft beschleunigt wird. Es wird in aller Regel rein elektrisch angefahren, irgendwann schaltet der Verbrenner zu, der aber kaum zu hören ist, solange man nicht kräftiger aufs Gas tritt. Tut man das, heult der Motor los wie ein geprügelter Hund. Das nervt. Also sanft fahren, wie mit einem Elektroauto, bei dem es um die Reichweite geht. Damit hat man natürlich kein Problem, und auch ums Anstöpseln muss man sich nicht kümmern, und doch ist man irgendwie mittendrin im Elektro-Hype. Der zusätzliche elektrische Helfer, dessen Batterie sich beim Bremsen und Verzögern immer wieder auflädt, schafft es tatsächlich, den Verbrauch an Superbenzin deutlich nach unten zu drücken. Im Durchschnitt 7,4 Liter auf 100 Kilometer im Verlauf von knapp 2000 gefahrenen Kilometern sind für ein so großes und 1,7 Tonnen schweres Auto ein guter Wert. Im Regionalverkehr kamen wir mit 7,1 Liter auf 100 Kilometer aus.

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