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Fahrbericht Fiat Tipo Lounge : Eine schlichte Größe

Bild: F.A.Z., Hersteller

Viel Auto fürs Geld. Bisher ist das die Domäne von Dacia. Jetzt versucht sich Fiat daran und dient den Tipo zum Kampfpreis an. Als Limousine ist er ein Geheimtipp für alle, die Understatement lieben.

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          Fiat hat vor allem in Deutschland in jüngster Zeit sein Glück mit kleinen Autos versucht. Dabei erinnern wir uns noch gut an den großen Croma aus den achtziger Jahren, damals ein Gemeinschaftsprojekt mit Saab (sowie Lancia und Alfa Romeo), der sich gut verkaufte und das erste Auto überhaupt mit einem direkteinspritzenden Dieselmotor war. Mitte der Neunziger wurde er aus dem Programm genommen und das Feld den Schwestermarken Lancia und Alfa und all den anderen überlassen.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Jetzt endlich bietet Fiat wieder ein größeres, preiswertes Auto an und bescheidet sich nicht mehr mit Panda, 500, dem ewigen Punto und den amerikanischen Derivaten sowie, ganz aktuell, dem flotten 124 Spider auf Basis des Mazda MX-5. Auch die Nutzfahrzeuge - der Fiat Ducato ist mit großem Abstand Marktführer unter den Wohnmobilen - seien erwähnt, sie gehören aber in eine andere Kategorie.

          Tipo heißt die Mittelklasselimousine, und ja, diesen Namen gab es schon mal bei den Turinern, von 1988 bis 1995. Das war ein Auto der Golf-Klasse, der neue Tipo spielt aber in einer höheren Liga, vor allem als Limousine oder Kombi, der im Herbst nachgereicht wird. Die Schrägheckvariante des Tipo kratzt mit einer Länge von 4,37 Meter am oberen Ende der Golf-Klasse. Der damalige Tipo war 3,96 Meter kurz. Als klassische Limousine misst der neue ordentliche 4,53 Meter. Hochbeinig steht er da, äußerlich macht er durchaus etwas her. Auch innen ist er, jedenfalls in den höheren Ausstattungsstufen, für Überraschungen gut. Eine rollende Verzichtserklärung ist der Tipo nicht, trotz seiner günstigen Preise.

          Freilich stand der Redaktion ein Fahrzeug in der besten Ausstattungslinie (Lounge) zur Verfügung, doch schon in der Basis (Pop) sind Klimaanlage, Radio, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, Servolenkung, elektrische Fenster vorn (nicht hinten) und einiges mehr dabei. Der Grundpreis von 13.990 Euro für den 1,4-Liter-Benziner mit 95 PS lässt aufhorchen, da kommt selbst Dacia kaum mit.

          Es entsteht nur eine störende Stufe

          Der Testwagen verlangte letztlich nach 21 200 Euro, das ist für die Größe und Ausstattung aber immer noch ein attraktiver Tarif. Einfach sieht der Innenraum aus, aber nicht übermäßig karg, die Sitzbezüge sind angenehm gestaltet, und das Sitzen selbst führte in den zwei Wochen der Erprobung nie zu Klagen. Sitzheizung (vorn) kostet 250 Euro Aufpreis, bis Ende des Jahres soll auch eine Lederausstattung ins Programm aufgenommen werden. Die Instrumente sind übersichtlich, das Lenkrad liegt gut in der Hand. Ablagen gibt es reichlich, die Box zwischen den Vordersitzen baut so hoch, dass sie prima als Armlehne taugt. Bemängeln mag man den zu kleinen Navigationsbildschirm, außerdem sind Menüführung und Bedienung von Tomtom nicht jedermanns Sache. Platz ist vorn wie hinten reichlich, selbst ein fünfter Mitfahrer sitzt passabel.

          Der Kofferraum hat ein ordentliches Format, 520 Liter beträgt das rechnerische Volumen. Die Rücksitzlehnen lassen sich sogar zum Durchladen umlegen, es entsteht nur eine störende Stufe. Weil der Tipo in der Türkei in Bursa gebaut wird und auch in den südlichen Ländern mit oft schlechten Straßen zurechtkommen muss, ist selbstverständlich im Kofferraumboden Platz für ein vollwertiges Reserverad. Leider kostet es happige 180 Euro Aufpreis. Es mag mit der nötigen Schlechtwegetauglichkeit zusammenhängen, dass man im Tipo als Fahrer so hoch sitzt und seltsam abgekoppelt vom Fahrgeschehen ist.

          Es hat aber auch mit der Automatik zu tun, mit der unser Wagen bestückt war. Sie fährt sich, als stamme sie noch aus der Zeit des ersten Tipo, vielleicht sogar noch aus der des Croma. Das wiederum liegt auch daran, dass der 1,6-Liter-Motor mit 110 PS schwachbrüstig ist. Sein maximales Drehmoment beträgt nur 152 Newtonmeter, da würde der gleich große 120-PS-Diesel mit seinen 320 Nm Drehmoment schon eine wesentlich bessere Figur machen. Für diesen Motor gibt es jedoch ein Doppelkupplungsgetriebe.

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