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Fahrbericht Fiat 500 X : Fiats fröhlicher Fünfhunderter

Bild: F.A.Z., Hersteller

Das Erfolgsmodell von Fiat, der 500, kommt jetzt auch als SUV daher. Jedenfalls optisch, denn die Technik stammt von einer Plattform, die auch der Jeep Renegade nutzt.

          Es gibt Hersteller, denen gehen vor lauter Modellen die Bezeichnungen aus. Das kann Fiat nicht passieren, denn es gibt nur zwei (vom Auslaufmodell Punto und den Nutzfahrzeugen abgesehen). Panda und 500 müssen die arg strapazierte Kasse füllen und ihren Weg finden in einem nach harten Kriterien der Ökonomie geführten Haus, in dem noch recht jung hinzugekommene Geschwister aus Amerika derzeit sagen, wo es langgeht. Das mag einem stolzen Italiener schon mal den Espresso verbittern.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Was aber bleibt ihm übrig, hat er doch so manche Entwicklung verpasst. Die Lust der Kundschaft auf fortschrittliche Technik und die Hinwendung zu SUV-Modellen etwa. So konnte es nicht weitergehen, und so geht es nicht weiter. Aus dem Nukleus seiner auf die Ziffern 500 hörenden Lebensversicherung sind sechs Varianten entstanden, von denen mindestens eine ein gestalterischer Geniestreich und eine andere eine zeichnerische Zumutung ist. Das SUV also fehlte, und da trifft es sich gut, dass nun Jeep zur Familie gehört. Nummer sieben heißt 500X und bildet mit dem Jeep Renegade ein gleiches Duo, das ungleicher kaum aussehen könnte.

          Die möglichen Stückzahlen machen die Buchhalter glücklich und die unterschiedlichen Formen die Fans. Wer noch keiner ist, den könnte der 500X überzeugen. Er fährt vor mit zivilerem Auftritt oder im rustikalen Offroad-Look, mit Front- oder Allradantrieb, und vor allem verführt er mit Liebe zu Details, einer Fülle an technischen Neuentwicklungen und Komfortzutaten, wie sie noch kein Fiat gesehen hat. Beheizbare Scheibenwischer, beheizbares Lenkrad, Fernlichtassistent, großes Glasschiebedach, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Ambientebeleuchtung oder auch ein Notbremssystem zur Linderung der Folgen von Auffahrunfällen stehen im Menü.

          Die Gestaltung der Türgriffe innen und die der Lüftungsregler, die Abstimmung der Materialien, die Ummantelung der Tasten oder die sichtbaren Linien der Mechanik in den Scheinwerfern zählen zum Verwöhnprogramm für die Sinne, das mit der ganzen Finesse italienischen Geschmacks zubereitet ist. Praktisch sind die großen Außenspiegel, zwei Handschuhfächer, die gut nutzbaren Ablagen und der Verzicht auf einen verschraubten Tankdeckel.

          Geschaltet wird entweder mit manuellen Fünf- oder Sechsganggetrieben oder mit der im Testwagen verbauten Neunstufenautomatik - mithin das Modernste, was die zuliefernden Schwaben von ZF zu bieten haben. Der Automat verspricht nicht nur Erfolg in Amerika, sondern auch ungekannten Schaltkomfort und einen signifikanten Beitrag zu kraftstofflicher Enthaltsamkeit. In der Tat sind die Gangwechsel fast unmerklich, aber restlos glücklich sind wir nicht. Obgleich der Motor 140 PS und 350 Nm bei 1750/min aufbietet, fühlt er sich bisweilen etwas träge und unentschlossen an.

          Das kennen wir schon vom Einsatz dieser Schaltbox in anderen Marken, und so sind wir nicht mehr sicher, ob die 9 ein Fortschritt ist. Wir kennen für den gewöhnlichen Betrieb keine bessere Kombination als die aus kraftvollem Diesel und Achtgang-Automatik, wie sie BMW verbaut.

          Wie ein schlechtgelaunter Tifoso

          Mit forschem Tritt aufs Pedal geht es gleichwohl ausreichend zügig voran, ein SUV ist ja kein ICE. Fiat löckt gar mit flinken Schaltwippen wie in Ferraris Formel 1, allein, der Diesel ist dafür eigentlich nicht der richtige Partner. Das Testtagebuch weist 7,8 Liter Durchschnittsverbrauch aus. Das ist eher zu viel, obgleich zu berücksichtigen ist, dass der Allradeinsatz stets an Bord lauert und die Testfahrten unter winterlichen Bedingungen stattgefunden haben. Was jedenfalls auch in der Abteilung fürs Grobe zu verbessern wäre: Der Selbstzünder grummelt im Leerlauf wie ein schlechtgelaunter Tifoso nach verlorenem Halbfinale und schickt sein zorniges Zittern bis ins Lenkrad hinein. Sobald Schwung aufgenommen wird, spielt das Ensemble ruhiger auf, aber leise werkelt der Motor nie.

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