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Fahrbericht Dacia Lodgy : Volkswagen aus Rumänien

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Mit Technik von Renault und günstigem Preis trumpft der kleine Minivan aus Osteuropa auf. Deutsche Kunden schätzen an ihm auch noch andere Eigenschaften.

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          Fast wie verrückt kauften deutsche Kunden im vergangenen Jahr Autos aus Rumänien. Angetrieben von guter, aber wenig spektakulärer Renault-Großserientechnik, clever beworben von einem einstigen Bayern-Fußballer, gebaut von einem Unternehmen, das vor der Wende im Westen keiner kannte: Dacia schraubte hinter dem Eisernen Vorhang einst veraltete Renault-Modelle zu hässlichen Vehikeln zusammen. Als sich der Vorhang gehoben hatte, waren die pragmatischen Franzosen dann 1998 mit Charme, Millionen und dem richtigen Konzept zur Stelle, und es begann der unaufhaltsame Aufstieg des Discount-Autos.

          Auf Rang 13 der Neuwagen-Zulassungen in Deutschland setzte sich Dacia im Jahr 2019, mit 8035 verkauften Einheiten, aktiv im Nacken von Toyota und Fiat, deutlich vor Peugeot, Mazda, Kia und Volvo, weit vor Mini und Honda und Tesla und den anderen prestigeträchtigen Marken: Dieser Erfolg war freilich kein Zufall, es gibt einige gute Gründe dafür.

          Dacia-Autos nämlich sind das, was VW-Chef Diess gerne im Konzern hätte und wofür er seine tschechische Dependance eingeplant hatte. Wobei sich das Erfolgsrezept der französischen Rumänen seit 22 Jahren nicht geändert hat: Höhenflieger Dacia agiert mit einer gewissen Unverfrorenheit im Billig-Segment, kokettiert sich mit Chuzpe auf die Liste einer Klientel ohne Markendünkel und nutzt konzeptionelle Klugheit gleichermaßen wie Kostenvorteile und Baukasten-Synergien. Im klug komponierten Dacia-Modellmix führt auf dem deutschen Markt der Duster, ein kompaktes SUV, dessen konkurrenzlos günstige Preise bei etwa 12 000 Euro beginnen, aber von etlichen Kunden gerne auf 20 000 Euro angefüttert werden. Da definiert das Billig-Auto rasch seinen neuen Status ohne Status-Getue: vernünftiges Fahren im SUV-Trendmobil, aber bitte mit Sahne.

          Noch unterschätzt auf dem deutschen Markt, aber in der Klasse der Familienvehikel stark aufkommend, ist jetzt ein weiterer Dacia: Dem pragmatischen Lodgy (sprich: Lotschi) haben wir uns unter Verzicht auf feschere Test-, Sport- und Hightech-Wagen gewidmet, erfüllt von Misstrauen ob der bei zirka 12 000 Euro beginnenden Preise: Kann es für dieses vergleichsweise kleine Geld überhaupt einen viereinhalb Meter in der Länge messenden Familien-Van geben, der nicht aus Plaste und Elaste zusammengebacken wurde? Die Antwort ist ein einfaches und klares Ja.

          Alles beginnt, wie der Aufstieg der Marke, mit dem Preis. In Verbindung mit dem Ausstattungsniveau Stepway Plus stellte sich der Testwagen auf knapp 16 000 Euro – also doch ein gutes Stück Geld. Aber damit lässt es sich angesichts des Gesamtpakets gut leben, die Komfort- und Sicherheitsliste ist von ausreichender Üppigkeit, jedoch für eine Topversion schimmert der rote Stift hindurch, vor allem im Detail: Die manuelle Klimaanlage fordert auf langer Strecke dauernde Hinwendung; Türen öffnen und schließen läuft zwar auf Knopfdruck, aber der Zündschlüssel ist mit freiem Spitzbart eine Antiquität; hinter der Klappe im seitlichen Heck lauert ein Dreh-Tankverschluss aus den Kindertagen des Automobils; Kunststoffe für Armaturenträger und Verkleidungen wirken hart und abweisend, vielleicht ist das gesamte Auto-Innere tatsächlich abwaschbar; die Scheibenwischer arbeiten mit zu geringem Anpressdruck und schlierend; die manuelle Sitzverstellung ist schwergängig und klemmt mitunter. Aber an Ablagen herrscht kein Mangel, und über die Verarbeitung kann nicht geklagt werden. Die Vorstellung, mit der Billig-Eigenschaft fortwährend konfrontiert zu werden, bestätigt sich nicht.

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