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Fahrbericht Citroen C 4 Cactus : Das Luftkissenfahrzeug von Citroën

Bild: F.A.Z., Hersteller

Das wurde aber auch Zeit, Citroën. Endlich bauen die Franzosen wieder ein Sofa. Und weil sich das schwer allein bewegen lässt, haben sie eine Art Auto drumherum konstruiert.

          4 Min.

          Es ist Mitte der neunziger Jahre, einer dieser Augenblicke für die Ewigkeit. Jacques Calvet wird demnächst das Steuer von PSA Peugeot-Citroën in jüngere Hände legen und beschwört auf einer seiner letzten Pressekonferenzen eine glanzvollere Zukunft des sich nicht eben in bester Verfassung befindenen Konzerns. Dem fachkundigen Publikum aber sitzt noch die Präsentation des Citroën Saxo in den Knochen, eines Kleinwagens, der seinem Geschwisterchen Peugeot 106 zum Verwechseln ähnlich sieht. Ob die Sparzwänge nicht ein wenig weit und am Kundeninteresse vorbei gingen, wenn zwei Autos aus demselben Haus so gar keine Unterschiede mehr aufwiesen, möchte also ein Journalist vom PSA-Präsidenten wissen.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Darauf der humorvoll-knochige Calvet: „Wenn Sie keinen Unterschied zwischen 106 und Saxo erkennen, sollten Sie das tun, was ich demnächst tue. In Rente gehen.“ Nun, der Verlauf ist bekannt, so richtig fruchtbar war die Strategie nicht, Löwen den Doppelwinkel aufzukleben. Die Rufe wollten nicht verstummen. Bitte, Citroën, baut wieder Autos wie niemand sonst. Lasst die Ente auferstehen. Und, o Wunder, es geschah. Zunächst kulminierte der ganze Mut der Franzosen in der scheu ins Licht geschobenen Linie DS, die betuchtere Kundschaft betören möchte und sich anschickt, eine Pariser Duftmarke zu setzen. Die Kernmarke mit ihren betörenden DS (das Original, nicht die Fälschung), CX oder 2CV schien schon fast in Vergessenheit geraten, als jemand aufgewacht sein muss mit dem Gedanken, so leicht könne sich ein Gallier nicht geschlagen geben - und einen Zaubertrank angerührt hat.

          Es tritt auf: Cactus, das Luftkissenfahrzeug von Citroën. Wer im innerstädtischen Rempelverkehr dauernd Beulen davonträgt, kann sich die Türen auch gleich selbst verschandeln, mögen Kritiker sagen. Andere reiben sich verwundert die Augen und sehen an den Pforten charakterbildende Maßnahmen. Die Dinger nennen sich auch im quotenfranzösisch beglückten Hexagon englisch Airbumps, sind aus Kunststoff und patentiert - falls das tatsächlich jemand nachmachen wollte. Sie sollen Kollisionen mit Geschwindigkeiten bis zu 4 km/h klaglos überstehen, womit jede noch so ruppig aufgestoßene Nachbarstür folgenlos bleiben dürfte. Und weil sie nicht nur eine Funktion erfüllen, sondern auch dem Design dienlich sind, gibt es sie in vier Couleurs, abgestimmt auf eine der zehn verfügbaren Außenfarben. Wenn wir etwas raten dürfen: Kaffeebraune Bumps auf schaumweißem Grund führen ohne Umweg stilecht in die Lounge. Mithin dorthin, wo sich der Cactus am wohlsten fühlt.

          Reinlümmeln in leichter Liegestellung

          Die Franzosen kultivieren in ihrem jüngsten Ausbruch aus dem Mainstream die Kunst des Weglassens und wollen den Eigner zu einer neuen Art der Fortbewegung verführen. Das rasche Leben hat ausgedient in dieser rollenden Sukkulente, die zur Ekstase durch Enthaltsamkeit anstachelt. Das Fahrwerk ist weich wie Fromage Blanc, das schöne Volant dirigiert präzise, und sollte doch jemand übermütig werden, regelt das ESP den Ausbruchsversuch ein. Wer es auf die Spitze treiben will, wählt die Variante mit automatisiertem Schaltgetriebe, jener entschleunigten Art von Automatik, die unter Dynamik ein Fremdwort vermutet, im städtischen Stop-and-Go-Gewühl aber gewisse Vorteile aufbietet. Dann gibt es genau drei Knöpfe: vorwärts, Leerlauf, rückwärts. Einher geht in der ersten Reihe ein durchgängiges Sofa, das gleichwohl während der Fahrt sitzend und von nur zwei Personen zu belegen ist. Die Mitte eignet sich als Handtaschenablage oder für laue Nächte im Autokino (gibt’s das eigentlich noch?).

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