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Fahrbericht BMW i8 : Captain Future und das wilde Wagnis

Bild: F.A.Z., Hersteller

Taucht der i8 auf, herrscht Ausnahmezustand. BMW hat ein spektakuläres Stück teure Technik auf die Räder gestellt, das enorm auf das Image einzahlt. Trotz Nachteilen und Nachlässigkeiten.

          5 Min.

          Norbert Reithofer ist nicht als exaltierter Trendsetter bekannt. Weder ist, soweit ersichtlich, sein Arm tätowiert, noch trägt er teilrasierte Tolle mit Zopfansatz. Kein Ohrring, keine Schlabberjeans, nicht mal weiß-blaue Sneaker zieht der Kerl in Vorstandssitzungen an. Und so jemand will eine Revolution anzetteln? Er will nicht nur, er hat es. Die Beweggründe mögen in der im Vergleich zu Millionensellern wie VW geringen Marktmacht liegen, sie mögen mit den das Unternehmen tragenden Unternehmern aus dem Taunus zu tun haben, jedenfalls wuseln mitten im Herzen (manche sagen: mitten ins Herz) der Freude am Fahren plötzlich Autos wie von einem anderen Stern. Sie reißen Denkgebäude ein, definieren Begriffe um, rütteln an Grundfesten, beweisen Aufbruch und bergen Risiko - finanzielles (von vielen Milliarden Euro Investition ist die Rede) und emotionales.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Vom frontangetriebenen Minivan wenden sich Puristen schaudernd ab, in der Hoffnung, er sei nur aus Versehen entwickelt worden. Doch hier soll die Rede sein von der Kunst, spät auf einer Party zu erscheinen und alle glauben zu lassen, man sei der Pionier. Der i3 war das erste Meisterstück dieser Art, er sieht aus wie ein vom Küchentisch gestürzter Toaster, fährt grundsätzlich rein elektrisch, und wenn gefragt wird, wer das Elektroauto der Neuzeit erfunden hat, antworten die Menschen seinetwegen BMW. Ein paar Tesla. Aber kaum jemand Nissan, Mitsubishi oder Renault, denen dieser Titel viel eher gebührte.

          Und jetzt das: Mit der Chuzpe des unerschrockenen Pfadfinders haben der Chef und seine Entwicklungschefs in Sachen Mut, Image und Technik noch einen draufgepackt. Das mit viel Carbon, aber weniger Gras als sein kleiner Bruder wild zusammengefügte Gebilde nennt sich i8, ist ein Sportwagen und verursacht Menschentrauben, die sich sonst nur um schneeweiße Bugatti oder giftgrüne Lamborghini bilden. Atemlos hält die Menge inne und stau(n)t. „Ist das der mit dem Hybrid?“ ist die ewig junge Frage, gefolgt von „Wie fährt er denn?“. Er fährt - anders. Der i8 beherbergt zwei Maschinen, die sich die Arbeit teilen: eine elektrische mit Leistungselektronik und Steckdose vorn und einen Dreizylinder-Benziner mit Getriebe hinten. Das führt über Land zu dem sicheren Gefühl, nicht vor der Zeit liegenbleiben zu können, und in der Stadt zu häufigem Verzicht auf den Benzinmotor, was, wie wir subjektiv finden, eine neue Art Fahrfreude definiert, ja gar eine neue Form von Erhabenheit. Nirgends wird das so deutlich wie vor der von Rot auf Grün wechselnden Ampel, wenn die mit ihren topmodernen Start-Stopp-Systemen ausgerüsteten Nachbarn den Anlasser mit ähähähähährrrrtttbrumm über sich ergehen lassen müssen und plötzlich wie von vorgestern wirken, während der elektrifizierte BMW mit einem Surren davonzieht.

          In 4,4 Sekunden auf 100 km/h

          Wer es darauf anlegt, sprintet unter Abruf beider sich ins Zeug legender Motoren mit einer Systemleistung von 362 PS in 4,4 Sekunden auf 100 km/h. Mangel an Durchzug ist auch nicht zu beklagen. Allerdings gilt das nur, solange der Elektroschub parat steht. Ohne wird es zäher, weshalb darauf zu achten ist, die Batterie unterwegs nicht vollends zu erschöpfen. Das Ganze soll in 2,1 Liter Normverbrauch kulminieren, der selbstredend in der Realität unerreichbar ist. Außerdem macht die Rechnung ohne den Wirt, wer den Stromkonsum außer Acht lässt. Auf die gesamte Testdistanz ermittelten wir 6,1 kWh Strom und 7,8 Liter Super im Durchschnitt. Freilich lassen sich beide Werte relativ stark beeinflussen, je nachdem, wie oft man den Stecker andockt.

          7,8 kWh speichert der im stämmigen Mitteltunnel verbaute Lithium-Ionen-Hochvoltakku, das genügt nach Norm für 37 Kilometer bei höchstens 120 km/h. Binnen zweieinhalb Stunden soll er aufgeladen sein. Wir schafften von der Steckdose weg 19 Kilometer rein elektrisch, dann meldete sich trotz Streicheleinheiten am Akzelerator der Benziner zum Dienst. Das Ende aller Ströme ist damit freilich nicht besiegelt, denn Benziner und (nicht so stark bremsend wie im i3 eingestellte) Rekuperation führen während der Fahrt frischen Saft zu, der wiederum in der Stadt genutzt werden kann. Fast voll korrekt ist die Angabe der Ladezeit. An unserer Haushaltssteckdose war der leergefahrene Akku nach zwei Stunden und 54 Minuten wieder voll.

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