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Fahrbericht BMW C Evolution : Tarnkappenscooter aus dem Zweistromland

Bild: BMW

Erst Auto, jetzt Roller: BMW gibt beim Thema Akkumobilität in zwei Welten kräftig Strom. Ist der C Evolution der wahre Elektromeister? Antritt und Zwischenspurt des E-Scooters sind jedenfalls heftig.

          Der eilige Postbote hätte sich fast langgelegt bei der Notbremsung mit seinem gelben Rad. Das wäre ein Schlamassel gewesen mit all den Briefen auf der Fahrbahn. Er hatte sich beim Überqueren der Wohnstraße gewohnheitsmäßig aufs Gehör verlassen und den weißen Flüsterer erst im letzten Augenblick wahrgenommen. Immer wieder passiert so etwas: Fußgänger laufen einem vor den Bug, Radfahr-Grüppchen machen sich breit und versperren den Weg, weil sie nicht ahnen, was da von hinten heranweht, ohne sich durch Gebrumm anzukündigen.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Der C Evolution ist bereit für die Straßen dieser Welt, aber die Welt ist noch nicht so richtig bereit für den C Evolution. Sein Fahrer hat das durch erhöhte Aufmerksamkeit zu kompensieren.

          Nicht selten schauen Passanten befremdet, wenn sie diesen Tarnkappenscooter sehen, aber nichts hören. Und was sie vielleicht hören, leise nur, klingt eher nach Straßenbahn als nach Motorroller. Vom Sattel aus ist es ein dezentes Surren und Jaulen, das von Vogelzwitschern übertönt oder vom Fahrtwind verschluckt wird. Im Stand herrscht Stille.

          In einer neuen Zeit unterwegs

          Viel deutlicher als in der gedämmten Kapsel eines Autos dringen die Umgebungsgeräusche an die Ohren, wenn man im Sattel dieses Elektrorollers sitzt. Verkehrslärm wird nicht mehr aus der Perspektive eines der vielen Verursacher erlebt, sondern aus der des Beschallten. Es fühlt sich an, als sei man schon in einer neuen Zeit unterwegs, während die anderen rumorend in der Vergangenheit feststecken. Geradezu peinlich beispielsweise die technische Krücke des Start-Stopp-Systems, wenn beim lautlosen Warten vor der roten Ampel nebenan der Diesel eines Personenwagens losnagelt.

          Zwei Wochen Alltag mit dem C Evolution geben einem zu denken. Manchmal packt einen die Ungeduld, warum es denn Herrgottsakrament nicht schneller vorangeht mit dem Umstieg auf die elegante Art elektrischer Fortbewegung ohne Belästigung anderer Leute. Ja, wir kennen natürlich die Hürden, die Schwierigkeiten, doch wir kennen niemanden, der nach einer Proberunde mit dem C Evolution nicht fasziniert gewesen wäre. Abgehoben und auf eine ungewohnte Art schwerelos fühlt sich das geräuscharme Fahren an. Obendrein ist es mit einer erstaunlichen Dynamik verbunden.

          Einer der kräftigsten aller Maxiscooter

          Antritt und Zwischenspurt des C Evolution sind heftig, durch den Berufsverkehr schwimmt er als Hecht im Karpfenteich. Laut Zulassung beträgt die Nennleistung 11 kW (15 PS), so dass das Fahrzeug wie ein 125-Kubik-Rollerchen mit dem A1-Führerschein bewegt werden darf und sogar mit dem Autoführerschein, sofern der vor dem 1. April 1980 erworben wurde. Darüber hinaus - das Zulassungsprozedere lässt das offensichtlich zu - liefert der Antrieb bis zu 35 kW (48 PS) Spitzenleistung. Damit zählt der BMW in Wahrheit zum erlauchten Kreis der kräftigsten aller Maxiscooter. Beim Ampelstart hat er sich schon aus dem Staub gemacht, wenn andere Verkehrsteilnehmer noch mit dem Anfahren beschäftigt sind. Elektrotypisch gehen sämtliche 72 Newtonmeter Drehmoment überfallartig wie aus dem Nichts ans Werk. Vollzählig.

          Der Fahrer behält die Kontrolle dank einer automatischen Schlupfregelung fürs Hinterrad. Dabei handelt es sich keineswegs um nettes Beiwerk, sondern um eine Notwendigkeit. Hilfreich und angenehm zugleich auch das klare, samtige Ansprechen des Scooters auf Kommandos mit dem Stromregler (Gasgriff war gestern). Feine Dosierbarkeit und ruckfreier Lauf, selbst in niedrigsten Geschwindigkeiten, sind vorbildlich. Bis zum Spitzentempo von 120 km/h (hier regelt die Elektronik ab) lassen sich keinerlei Ermüdungserscheinungen erkennen.

          Modi auf Knopfdruck wechseln

          Gelungen auch die Gestaltung der vier Fahrmodi: „Road“ kombiniert volles Beschleunigungsvermögen mit mittelstarker Energierückgewinnung (Rekuperation) beim „Gaswegnehmen“ mit entsprechendem Schleppmoment des Motors. In „Dynamic“ wird mehr rekuperiert; wegen der dabei härter wirkenden Motorbremse muss zum Verzögern kaum einmal die Bremsanlage genutzt werden. „Eco Pro“ dehnt die Reichweite etwas aus dank zahmerer Beschleunigung. Und „Sail“ bedeutet: keine Energierückgewinnung, kein künstliches Schleppmoment beim Gaswegnehmen, statt dessen freies Gleiten im Fahrtwind. Die Modi lassen sich während der Fahrt auf Knopfdruck wechseln; am sanften Übergang erkennt man die Kunst der Programmierer.

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