https://www.faz.net/-gya-8055v

Fahrbericht BMW 218d Active T. : Das ist der Vansinn

Bild: F.A.Z., Hersteller

Der erste Dreizylinder, der erste Frontantrieb, das erste Nutzfahrzeug. Vor der Fahrt konnten wir kaum glauben, dass dies die Zukunft von BMW sein soll. Hinterher auch nicht.

          4 Min.

          In München werden sie lang diskutiert haben. Einen Minivan von BMW darf es nicht geben, aber müssen wir in dem Segment nicht doch irgendwie vertreten sein? Wenn wir auf Antrieb vorn und Hut hinten umstellen, kommt dann unser Markenkern unter die Räder? Hat sich nicht auch der Mut ausgezahlt, das martialische Geländewagencoupé X6 und formal schwer (3er GT) oder gar nicht (5er GT) zu ertragende Raumwunder in den Markt zu schieben? Als Rettungswagen für die Freude am Fahren ist der M3 im Programm, aber wenn die Zeit nicht stehenbleibt, dann müssen wir doch auch an der Uhr drehen. Oder?

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Nicht nur ältere Menschen wollen hoch hinaus, besseren Überblick gewinnen, bandscheibenschonend einsteigen und auch mal ein Fahrrad mitnehmen. Für die hat BMW jede Menge SUV im Angebot, jene Geländewagen für die Straße, denen hierzulande schon ein Viertel und in aufstrebenden Auslandsmärkten gar ein Drittel der Neuzulassungen gehören, Tendenz steigend. Die X1, X3, X5, X6 sollten für alle Ansprüche genügen. Audi-Chef Rupert Stadler hat für seine Firma eine klare Antwort: „Einen Minivan braucht Audi nicht. Der hat in Amerika keinen Markt, in China vielleicht einen kleinen. Allein für Europa rechnet sich so ein Auto nicht“, sagte er kürzlich dieser Zeitung.

          Nun, die Münchner rechnen offenbar anders, jetzt müssen sie damit leben. Mit einem 2er Active Tourer genannten Minivan, von dem der ein oder andere Freund der Marke hofft, er sei versehentlich entwickelt worden. Was für die Annahme eines Betriebsunfalls spricht, ist das ziemlich anstrengende äußere Erscheinungsbild. Hinten wirkt es noch erträglich, aber wie geht es eigentlich dem Elefanten, der sich auf die Motorhaube gesetzt hat? Merke: Auch in Bayern sehen Schuhkartons aus wie Schuhkartons, und wenn die Aerodynamiker Hand anlegen, dann eben wie windige Schuhkartons. Die B-Klasse von Mercedes-Benz oder der nunmehr Sportsvan getaufte Golf Plus aus Wolfsburg gewinnen auch keine Miss-Germany-Wahl.

          Womit sogleich einzusortieren wäre: Wer derzeit VW Touran oder Opel Zafira fährt, wird im Active Tourer kaum glücklich, er ist viel enger. Für deren Kundschaft schiebt BMW demnächst den Active Gran Tourer nach, der sieben Sitze (die beiden hintersten haben fast keinen Fußraum und sind nur für Kids auf Kurzstrecke geeignet) bietet und noch angestrengter aussieht als die Normalversion. Was indes dafür spricht, dass doch eine bewusste Entscheidung hinter der Erscheinung steht, ist das ernsthafte Ansinnen, dem 2er-Van Freude am Leben und den Esprit von BMW mitzugeben. Wer sich für diese Kategorie Fahrzeuge interessiert, sollte hinschauen.

          Fahrwerk recht straff abgestimmt

          Im Active Tourer macht BMW zum ersten Mal vieles anders als bisher: Dreizylinder, Frontantrieb, hochbauende Karosserie, Raumausnutzung ist wichtiger als Dynamik - doch völliges Neuland betreten die Bayern nicht. Immerhin stehen zehn Jahre Erfahrung mit Mini zu Buche, bekanntlich Autos, die ob ihres knackigen Charakters geschätzt werden, trotz in der Regel ausschließlich angetriebener Vorderräder. Allerdings ist die Physik nicht zu überlisten, und so rutschen im 2er-Van die Vorderräder durch, wenn kräftig Gas gegeben oder in schwungvollen Kurven beschleunigt wird.

          Das gilt natürlich besonders auf feuchter Straße. Die Elektronik regelt dann absichernd, was sie meist behutsam tut, unter starker Beschleunigung aber auch mal rüder. Nein, dies ist kein sportliches Vergnügen. Ja, der Van ist relativ spritzig, jedenfalls alltagstauglich und narrensicher. Das Fahrwerk haben die Ingenieure recht straff abgestimmt, was sich in Kurven durch geringe Seitenneigung positiv bemerkbar macht. Allerdings ist es nicht frei von Erschütterungen auf Querrillen. Vom rauhen Sportfahrwerk raten wir ab.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Marine Le Pen und Viktor Orbán in Budapest

          Le Pen in Ungarn : Bildtermin bei Orbán

          Europas Nationalisten reisen gerne nach Budapest, Marine Le Pen musste es sogar tun. Ob das die französischen Wähler beeindrucken wird?
          Der umstrittene Demokrat: Joseph Manchin im Oktober 2021 in Washington, DC.

          Senator Joseph Manchin : Der letzte Demokrat

          Ein korrupter Verräter? Joseph Manchin stößt auf viel Kritik innerhalb seiner eigenen Partei. Die Republikaner versuchen indes, den Politiker zu einem Seitenwechsel zu motivieren.
          Für manche der Hexer: Tesla-Chef Elon Musk

          Tesla-Aktie : Die Billionen-Dollar-Wette

          Tesla begeistert die Anleger. Eine Aktie kostet jetzt mehr als 1000 Dollar, das Unternehmen wird mit mehr als einer Billion Dollar bewertet. Kann Tesla halten, was es verspricht?
          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht Bundeskanzlerin Angela Merkel die Entlassungsurkunde am Dienstag im Schloss Bellevue

          Entlassungsurkunde für Merkel : Am Ende einer Kanzlerschaft

          Der Bundespräsident würdigt die Amtszeit von Angela Merkel als „beispielgebend“. So verabschiedet er die Kanzlerin – und bittet sie, noch ein bisschen weiterzumachen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.