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Fahrbericht BMW 116d : Mutige Ansage für den Dreier im Einser

  • -Aktualisiert am

Der viertürige BMW-Testwagen 116d in der Sport-Line-Variante mit Achtgang-Steptronic Bild: Hersteller

Der Einser ist der kleinste BMW und bleibt trotz Dreizylindermotor in der Markenspur. Mit seinem Hinterradantrieb hat er in der Golf-Klasse einen Soloauftritt. Das begeistert - kann aber nicht billig sein.

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          Bei BMW wanken die Markenwerte, und die Bedrohungen sind namhaft: Dreizylinder, Frontantrieb, E-Autos, Hybride, weniger Sechszylinder, Familienvans wie Kleinbusse und SUV im Rudel, kaum noch V8. Und wo ist eigentlich der V12 geblieben? Müssen wir uns schlaflos in der Nacht wohl Sorgen machen um BMW?

          Der Einser ist mit dem Benziner-Einstieg bei knapp 23.000 Euro wohlfeil, weniger teurer als gedacht und doch kein Billigheimer. Kann er auch nicht sein, und der Preis ist schon die erste Möglichkeit, sich mit einem BMW vom Rest der kompakten Autowelt zu entfernen. Das zeigt der Blick auf die Konkurrenten, aber die monetäre Distanz zur Masse entsteht erst beim Griff in den Kessel Buntes: Der viertürige BMW-Testwagen 116d in der Sport-Line-Variante mit Achtgang-Steptronic (2100 Euro) entwickelte sich unter Hinzufügung weiterer, zahlreicher Sonderpositionen vom leckeren Mittagsmahl zu 30.150 Euro zum delikaten Sonntagsbraten für 41.880 Euro. Das darf als mutige Ansage gelten für eine knapp geschnittene Limousine mit steilem Heck, ausreichend Platz für vier bis fünf Personen. Nur drei Zylinder sind unter der Haube. Wer sich jetzt schüttelt, sollte dennoch weiter lesen.

          Sparsamste BMW-Testwagen

          Immerhin kann der seit Sommer 2004 mit mehreren Auffrischungen und Implantationen neuer Motoren sowie einer tiefer reichenden Renovierung im Frühjahr 2015 gebaute Einser auf zwei wertvolle Eigenschaften verweisen: Er ist ein BMW und das einzige Vehikel seiner Klasse mit Antrieb über die Hinterachse. Denn charakterbildend und zuständig für ein Alleinstellungsmerkmal ist die Führung der Motorkraft von vorne nach hinten. Allein schon, dass BMW vor mehr als zehn Jahren diese Mia-san-mia-Chuzpe aufbrachte und seinen Einser mit diesem Antrieb gegen den mächtigen Frontantriebs-Strom in dieser Klasse schwimmen ließ. Freilich half dabei die geplante und genutzte Technikverwandtschaft zum Dreier. Aber dieser Einser als Gegenentwurf zu Golf und Co. richtet noch heute jeden alten Gamsbart am Hut auf.

          Gleichzeitig entwickelte sich zum Wohle von BMW der Mini prächtig, und die Mutter musste den Einser nicht noch unterfüttern. Er ist mit etlichen Varianten noch immer der kleinste BMW, und der Testwagen war das sparsamste Vollwert-Auto, das je aus München in die F.A.Z.-Redaktion gefunden hatte: 4,0 Liter Diesel genügten im strengen Knauser-Selbstversuch für 100 Kilometer, ohne deshalb zum Verkehrshindernis zu werden, allerdings mit einem 100 km/h-Tempolimit und begleitet von sonntäglicher Ruhe auf der A 81 in Richtung Süden. Da wären über 1200 Kilometer Reichweite mit einer Tankfüllung möglich, wenn denn der Fahrer seine Ungeduld zügelte. Doch selbst ein ziemlich schärferer Umgang mit dem Gaspedal forderte nur 6,8 Liter, und der Durchschnitt von 6,1 Liter ist Stadt- und Eilstrecken sowie den Leistungsmessungen geschuldet. Im Alltag wird sich der 116d wohl mit 5,0 bis 6,0 Liter bewegen lassen. Das waren noch vor wenigen Jahren kleine Sensationen, heute nicht mehr. Die Werte steigen aus den Tiefen der Technik auf: Die neue Achtgang-Steptronic und der Dreizylinder passen so gut zusammen wie der süße Senf und die Weißwurst.

          Manchmal wünscht man sich mehr Leistung

          Der kleine Ölbrenner widerlegt nach wenigen Kilometern die allermeisten Vorurteile. Schnattern und Knattern sind ihm nicht unbekannt, das ist, sehr gedämpft, irgendwie zu orten. Aber er startet auch nach kalten Nächten zwar mit deutlich vernehmbarem Klackern, aber jeder Porsche wird während der ersten Aufwachmomente als heftiger empfunden. Alsbald klingt der Dreier im Einser sanfter, sein Ruf wird dunkler, nicht gerade brunftiger, sein Auftrag ist die Sparsamkeit, und doch sorgt er für gute Laune. Freilich tickt der 1,5-Liter-Diesel-Dreizylinder anders als ein früher 2-Liter-Reihensechser, auf der Strecke bleiben die Laufgeräusche alsbald zurück, und bei vollem Leistungseinsatz wird er laut.

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