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Fahrbericht Bentley V8 : Hab Acht

Bild: Helge Jepsen

Bentley fährt bewusst einen anderen Weg als Rolls-Royce. Luxus und Stil sind natürlich immer an Bord. Und jetzt sogar so etwas wie Bescheidenheit mit einem neuen V8.

          4 Min.

          Eine Bentley-Limousine verschafft ihrem Fahrer immer einen besonderen Auftritt. Dachten wir, doch zu unserer Überraschung nahmen Passanten kaum Notiz vom 5,32 Meter langen Fliegenden Sporn. Wahrscheinlich lag es an der allgemein gedrückten Stimmung oder doch daran, dass der Wagen zurückhaltend gezeichnet ist. Flach, geduckt kommt er daher, nur die Front ist etwas aufdringlich, aber kein Vergleich mit den riesigen Vorbauten, die ein Rolls-Royce Ghost vor sich her schiebt. Statt Emily thront auf dem Kühler das „Flying B“, das sogar beleuchtet ist.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Seine Kunden findet der Flying Spur zunehmend unter Selbstfahrern, und wer immer nur hinten sitzt, dem entgeht tatsächlich etwas. Trotz der 5,32 Meter Länge ist dieser Bentley ein Fahrer-Auto. Und es braucht wahrlich nicht den großen W12-Motor, mit dem die jüngste Generation der Limousine im vergangenen Jahr debütierte. Der neue V8 mit seinen vier Liter Hubraum reicht zum Glück, selbst wenn es im Vergleich 85 PS, 130 Nm und 15 km/h Spitzengeschwindigkeit weniger sind. 550 PS, 770 Nm maximales Drehmoment und 318 km/h sind in den meisten Lebenslagen mehr als genug.

          Außerdem ist der um zwei Liter und vier Zylinder kleinere Motor rund 100 Kilogramm leichter, es drückt also weniger Gewicht auf die Vorderachse. Die ungeahnten Qualitäten auf kurvigen Straßen und dazu die hohe Wintertauglichkeit waren es, die uns am meisten überraschten. Auf der obligaten Taunusrunde fühlte sich der Bentley wie 4,50 Meter an, nicht wie 5,30. Die Lenkung ist präzise, das Fahrverhalten behende und beinahe beängstigend neutral. Die mehr als zwei Tonnen Gewicht halten die Bremsen gut im Zaum, und wenn es etwas zu kritisieren gibt, ist es vielleicht der Federungskomfort, von dem wir mehr erwartet hätten, auch wegen der Luftfederung.

          Der Bentley huscht flink um die Ecken

          Das mag der sportlichen Auslegung geschuldet sein, und vielleicht haben wir nicht lange genug mit dem Drehschalter für die Fahrwerkverstellung experimentiert: Sport, Bentley, Comfort und Custom sind im Angebot. Die Unterschiede sind gering. Dass der Motor jederzeit mächtig und dazu lässig anschiebt, ist klar, die Automatik – technisch gesprochen ein Doppelkupplungsgetriebe – hat acht Gänge und schaltet so sanft, wie es sein soll. Dass der Bentley flink um die Ecken huscht, liegt zum einen an den Genen, schließlich stammt das Fahrwerk vom Porsche Panamera, zum anderen werden alle Räder angetrieben. Und zudem lenken die Hinterräder ein klein wenig mit. So wird auch der Wendekreis um knapp einen halben Meter verkürzt.

          Nur fünf Tage waren wir mit dem Flying Spur unterwegs, das faszinierendste Erlebnis waren zwei Stunden auf tief verschneiten norddeutschen Landstraßen in einer Nacht Ende Januar, als der Zugverkehr zum Erliegen kam und die A 7 gesperrt wurde. Wie ein Schneepflug wühlte sich der Bentley durchs Weiß, das war wieder beste Werbung für einen 4×4. Mit klassischem Hinterradantrieb und dem immer noch schweren Motor vorn wäre das eine unlustige Fahrt geworden, wenngleich die Starterbatterie im Kofferraumboden etwas Gewicht auf die Hinterachse bringt. So aber fühlt sich der Fahrer souverän und schaut aus seiner englischen Burg, beleuchtet im feinen Ambiente-Licht, nach draußen. Für gute Sicht im dichten Schneetreiben sorgten die ausgezeichneten LED-Scheinwerfer, die Fernlicht-Automatik, die alle ausspart, die geblendet werden könnten, funktionierte perfekt.

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