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Fahrbericht Alfa Romeo Giulia : Und leise klirrt schon die Kette

  • -Aktualisiert am

Alfa Romeo Giulia Bild: Alfa Romeo

Der neue Alfa Romeo Giulia ist kein Auto für jedermann. Mit seinen 510 PS passt das Modell vor allem zu fahraktiven Kunden mit Geld und Enthusiasmus.

          Dem unsichtbaren Einfluss der Ideen und Idole sind keine Grenzen gesetzt. So gab es zwischen Alfa Romeo und BMW schon vor fünfzig Jahren ein geheimnisvolles Kraftfeld, in dem sich bayerische und italienische Momente des „Auf geht’s“ und die Mächte des „Veloce“ miteinander verbandelten. Das begann mit der ersten Giulia von Alfa, setzte sich fort mit den BMW der 02er-Serie und später mit der Dreier-Reihe und den M3-Raketen, und es erlebt jetzt in der aus den Träumen der Vergangenheit realisierten Giulia die schönste Bestätigung. Die knuffig-athletische Giulia definierte seit 1962 den viertürigen Sportwagen, sie war mit anfänglich 90 PS aus 1,6 Liter Hubraum und gut 170 km/h bei einem Leergewicht von knapp 1100 Kilo der Renner für die eilige Familie. Der Porsche-Schreck mit Espresso-Duft. Und ein Maßstab für BMW, wo die Bayern auf der Suche nach ihrem künftigen Inhalt waren. Den entdeckten sie in noch zu verbessernder Form zunächst in der grazileren Giulietta und dann in der ersten Giulia: Sie war das italienische Vorbild für die bayerischen Böller, erst von 1966 an für die leichten 1602 bis 2002 und dann von 1975 an für die Dreier-Reihe. Jetzt ist es umgekehrt so gekommen.

          Denn in vielen Eigenschaften zeigt sich nun die jüngste und zugleich die stärkste Alfa Giulia inspiriert von einer bayerischen Autofamilie, nämlich von der aktuellen Dreier-Reihe. Besonders für die absolute Spitzenversion Giulia Quadrifoglio V6 mit berauschenden Fahrleistungen sezierten die Alfa-Ingenieure mehrere M-Versionen von BMW. Auf der Suche nach dem Kern des Erfolgscharakters zerlegten sie etliche ältere und jüngere Exemplare der M3- und der größeren M5-Baureihen. Der Legende folgend waren sie, von der deutschen Technikmacht zwar schwer beeindruckt, aber auch überzeugt von ihrer eigenen, pastagestärkten und proseccoinspirierten Kreativität, in einer vereinsamten Halle unweit von Maranello in einer dunklen Nacht ans Werk gegangen. Als die Sonne ein paar Monate später aufging, erwärmte sie die Herzen weinender Enthusiasten: Die Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio 2.9 V6 Bi-Turbo glühte schon im Stand, und jeder hörte das Cuore Sportivo der Marke pochen. Alfa Romeo war wiedergeboren. Die neue Giulia kam im Herbst des Vorjahrs als kleine Familie, am 13. Dezember 2016 fuhr sie als 2.2 Diesel im Großen Fahrbericht von Technik und Motor vor. Es war ein Auftritt, mit dem die Marke an ihre Wurzeln erinnerte.

          Aber erst jetzt zeigt sie mit der Quadrifoglio Verde ihr wahres Gesicht. Kein Serien-Alfa war je zuvor in einer vergleichbaren 510-PS-Leistungskategorie mit einer Literleistung von 176 PS unterwegs, keiner dampfte hitziger mit sechs vollen, großen Töpfen, keiner ließ seine Fahrer gieriger vor Entzücken schreien bei 6500/min, und noch nie erfüllte ein viertüriger Alfa im Habitus eines Vertreter-Autos die Speed-Wünsche auf unüberhörbare Macho-Art mit Turboaufladung in Verbindung mit elektronischen Programmen für den Charakter des Antriebs. Denn die Väter der neuen Giulia wollten mit ihrem Spitzentyp mehr als den Zukunft-Alfa, sie wollten Rache für die Demütigungen in ihren schwarzen Jahren.

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