https://www.faz.net/-gya-9k6vb

Fahrbericht Tesla Model 3 : Eine andere Lebensart

Der Einstieg in die Teslawelt: Model 3. Bild: Helge Jepsen

Wer Elektroauto fährt, braucht Gelassenheit, einen Plan und Humor bis auf den Abschleppwagen. Im Model 3 verdichten sich Freud und Leid der neuen Zeit.

          4 Min.

          Setz dich zu uns, bestellt dir auch was zu trinken, und hey, die Sonne scheint“, tröstet der Mann mit dem ladenden Tesla Model S auf der Terrasse eines Wiesbadener Hotels. Wir sind an diesem Sonntagmittag mit dem brandneuen Model 3 gerade auf den Hof gefahren und am Rande zu richtig schlechter Laune. Wir können nicht laden, haben drei Kilometer Reichweite übrig, 45 Minuten mit der Tesla-Hotline am Telefon zugebracht und warten jetzt auf den Abschleppwagen. Das Unheil nahm seinen Lauf vier Stunden zuvor.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Der über Nacht an der öffentlichen CCS-Säule des Versorgers Mainova geladene Tesla steht für den Langstreckentest parat. Die Bedingungen sind perfekt, 14 Grad Außentemperatur. 70 kWh sind nachgefüllt worden, was unter Verrechnung des Vorrats auf eine Nettokapazität des Akkus von 75 kWh schließen lässt. Der Bordcomputer meldet 491 Kilometer Reichweite. Die Fahrt führt über viel Autobahn mit maximal 130 km/h und etwas Landstraße. Als die Anzeige 28 Kilometer Reichweite ausweist, warnt eine Meldung: „Du scheinst fast außer Reichweite des nächsten Superchargers zu sein.“ Supercharger, das sind die Schnellladestationen von Tesla, die mit bis zu 120 kW mehr Dampf als alle anderen haben. „Fast“ ist witzig, laut Navi ist der nächste Supercharger 43 Kilometer entfernt. Was uns aber egal ist, wir kennen uns aus in unserer Heimat. Der nächste Supercharger steht an besagtem Hotel um die Ecke, vier Säulen gibt es. Wir rollen mit drei Kilometer Rest an die Säule, stecken den Stecker in die Buchse – nichts. Wir wechseln die Säule – nichts. Wir rufen die Hotline an. Der freundliche, englischsprachige Mitarbeiter findet heraus: Säule 1 ist defekt. Säule 2 auch. Wir mögen Säule 3 oder 4 nehmen. Dort laden zwei ältere Model S. Wir fragen deren Besitzer, wie lange noch. So eineinhalb Stunden. Der eine bekommt nur 20 kW, „weil meine Batterie kalt ist“, und geht essen. Wir überreden ihn, uns kurz laden zu lassen. Denn, das wissen wir von der Überführungsfahrt aus Hamburg, funktioniert das System, pumpt die Säule innerhalb von 30 Minuten rund 200 Kilometer in den Akku. Wir stecken ein – nichts. Wieder Hotline. Die englischsprachige, freundliche Mitarbeiterin beschließt, over the air den Zustand ferndiagnostizierend, einen Abschleppwagen zu schicken. An dieser Tesla-Ladesäule, stellt sich heraus, lädt das Model 3 nicht. Die Säulen müssen erst umgerüstet werden, damit statt des bisher genutzten Typ-2-Steckers der weiter verbreitete CCS-Stecker passt. Das wussten wir nicht, unsere Tesla-Nachbarn auch nicht. Die seit zwei Jahren sehnsüchtig wartende Kundschaft, besser: der Fanclub, kann sich diese Erfahrung nach Lektüre dieser Zeilen aber ersparen. Das Navi hatte recht, der nächste passende Supercharger wäre 43 Kilometer entfernt gewesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Prominenz ohne Abstand auf der Ehrentribüne des FC Bayern: unter anderem mit Ehrenpräsident Uli Hoeneß und Präsident Herbert Hainer (rechts daneben)

          Aufregung um FC Bayern : Münchner Eigentor

          Dass die Funktionäre des selbstverliebten FC Bayern gegen das Hygienekonzept der Bundesliga verstoßen und sich so Millionen Menschen präsentieren, ist unfassbar naiv. Oder eine gezielte Provokation?