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Fahrbericht Jeep Renegade 2.0 : So klein und schon ein echter Jeep

Unser Testwagen war das Topmodell der gesamten Baureihe Jeep Renegade: Trailhawk Bild: Hersteller

Mit dem Renegade begibt sich die amerikanische Off-Road-Marke in ein neues Marktsegment. Die neue Mutter Fiat hat bei der Geburt kräftig geholfen. Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen.

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          Badge-Engineering war lange ein gefürchtetes Schmähwort, wenn es darum ging, Autos zu beurteilen, die eigentlich nicht das hielten, was sie versprachen - etwa ein Lancia zu sein, um ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit zu wählen. Man nehme einen Chrysler, klebe ein anderes Markenemblem (Badge) drauf, und fertig ist der Lancia. Nun ja, es wurde etwas mehr getan, aber so geht das im Prinzip.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Jetzt steht der neue, kleine Jeep Renegade vor uns. Und wir wissen, im innersten seines Herzens ist er ein Fiat 500 X, gebaut in Melfi in Süditalien. Aber schadet das? Nein. Ähnlichkeit mit dem 500 X? Null. Nur im Innenraum findet man die eine oder andere Gemeinsamkeit, aber das ist ja bei Audi/Seat/VW auch nicht anders. Gut, die Motoren sind von Fiat, aber insbesondere die Diesel haben einen guten Ruf.

          Obwohl der Renegade klein wirkt, ist er mit 4,26 Meter Außenlänge so winzig nicht

          Rein äußerlich gibt der Jeep ein klares Statement ab: dass er nichts so sehr hasst wie die rundgelutschten SUV der heutigen Tage. Aufrecht geht er durch die Welt, mit runden Scheinwerfern und dickem Kühlergrill mit den traditionellen sieben Streben. Unser Testwagen war das Topmodell der gesamten Baureihe (Trailhawk), das sich äußerlich etwas von den anderen Abtrünnigen (Renegaten) unterscheidet. Das Fahrwerk ist ein wenig höhergelegt (21 Zentimeter Bodenfreiheit), es gibt andere Seitenschürzen, und an Front und Heck sorgen bestimmte Modifikationen für bessere Rampen- und Böschungswinkel. Das ist wichtig fürs Gelände. Etwas hermacht auch der große Abschlepphaken, den der Jeep prominent-orange im hinteren Stoßfänger plaziert hat. „Ich bin dein Freund und ziehe dich aus dem Schlamassel“, suggeriert er den anderen Autofahrern. Obwohl der Renegade klein wirkt, ist er mit 4,26 Meter Außenlänge so winzig nicht, der Ur-Jeep von 1941 war nur 3,34 Meter lang. Von der Länge her ist der Neue mit dem VW Golf zu vergleichen, auch das rechnerische Ladevolumen ist nahezu gleich. Und im Übrigen höher als beim runden Fiat 500X.

          Natürlich sitzt man im Jeep ganz anders. Höher, aufrechter. Der Cowboyhut kann oben bleiben. Einzig der linke Fuß weiß nicht recht, wo er hinsoll, die Stütze ist unbequem schräg. Sogar hinten ist nicht Schmalhans Küchenmeister, erst zu dritt wird es eng. Der Kofferraum ist nicht tief, aber hoch, als Trailhawk hat er einen doppelten Boden. Somit ergibt sich nach dem Umlegen der asymmetrisch geteilten Rückbanklehnen eine ebene Ladefläche, die allerdings leicht ansteigt.

          Das maximale Ladevolumen beträgt knapp 1300 Liter, das sind 30 Prozent mehr als im 500X. Unterflur im Heck warten etwas Werkzeug und Tirefit auf den Einsatz, gegen Aufpreis (190 Euro) gibt es ein vollwertiges Ersatzrad auf Stahlfelge. Ein netter Gag ist die im Trailhawk serienmäßige Taschenlampe in der Seitenverkleidung, noch nützlicher ist die 220-Volt-Steckdose im Fond.

          Das Fahrwerk ist ein wenig höhergelegt (21 Zentimeter Bodenfreiheit)

          Im Innenraum geht es rustikal, aber nicht unschick zu, alles passt zum Auto, allerdings war der Testwagen mit etlichen Gadgets aus der Sonderausstattungsliste aufgehübscht, wie Ledergestühl (990 Euro), Sitzheizung (290 Euro), Lenkradheizung (100 Euro) und elektrisch verstellbare Vordersitze (490 Euro). Vieles, zum Beispiel die elektrischen bedienbaren Seitenfenster oder Außenspiegel, kostet aber keine Extra-Euro. Das im Wagen verbaute, aufwendige Navi aber schon (1690 Euro). Wer sich näher mit dem Fahrzeug beschäftigt, findet viele Spielereien, einen kleinen Jeep am Rand der Frontscheibe, das stilisierte „Jeep-Gesicht“ mit den beiden Scheinwerfern und den sieben Streben mehrfach im Innenraum und anderswo. Über der Navi-Einheit steht groß und deutlich „Since 1941“. Hoffentlich ist das Auto wirklich neu.

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