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Range Rover Velar D300 : So attraktiv wie nie

Der Velar ist nun schon das vierte Modell der JLR-Nebenmarke Range Rover. Bild: Richard Prescott

Der Range Rover wird neu erfunden und trägt als Modellbezeichnung jetzt den Tarnnamen der allerersten Prototypen, die Ende der sechziger Jahre den Beginn einer neuen Ära einläuteten.

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          Als der Range Rover Velar vor zehn Monaten auf dem Genfer Automobilsalon seine Premiere feierte, war dies eine große Überraschung. Erst wenige Tage zuvor war das Projekt bekanntgeworden, das ist in der heutigen Zeit ungewöhnlich. Mehr als drei Jahre hatte Jaguar Land Rover (JLR) den Velar versteckt gehalten. Damit macht er seinem Namen alle Ehre. Denn als ein kleines Team bei Land Rover vor fast 50 Jahren an einem zweiten Modell arbeitete, gab man den Prototypen des späteren Range Rover zur Tarnung den Namen Velar. Der stand groß und breit an den Fahrzeugen, die 1968 und 1969 in der marokkanischen und algerischen Wüste auf Testfahrten waren. Der Name soll sich auf das italienisch-lateinische Verb velare für Verhüllen oder Verschleiern beziehen. Registriert wurden die ersten Fahrzeuge zudem auf eine Velar Motor Company in London. Der Range Rover kam dann im Sommer 1970 auf den Markt und gilt als Vater aller heutigen SUV.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Velar ist nun schon das vierte Modell der JLR-Nebenmarke Range Rover. Er soll sich zwischen dem kleinen Evoque und dem Range Rover Sport einordnen, rückt diesem aber vom Preis und auch von der Größe ganz dicht auf den Pelz. Mit einer Länge von 4,80 Meter ist er nur wenige Zentimeter kürzer als der Range Rover Sport, allerdings ist er mit einer Höhe von 1,67 Meter deutlich flacher. Von einem Kombi zu sprechen, wie es einige Fachzeitschriften tun, halten wir aber für übertrieben. Ohne Zweifel sind die Formen des Velar mehr als gelungen, das Auto sieht einfach schick aus und kaschiert seine Größe gut. Die Lackierung des Testwagens – Firenze Red mit schwarzem Dach – trägt zum guten Look bei, sie kostet freilich 918 plus 663 Euro extra.

          Auch preislich ist der Velar nah dran am Sport, und sogar der große Range Rover ist für den Testwagen-Preis inklusive aller Sonderausstattungen (110000 Euro) zu bekommen – zumindest in den Basisversionen. Der Grundpreis des Velar beträgt 56400 Euro, dafür gibt es das Einsteigermodell mit 2,0-Liter-Turbodieselmotor und 180 PS. Dieser Motor wird auch mit 240 PS angeboten, dann sind 60600 Euro zu zahlen. Der gefahrene Diesel – ein V6-Zylinder mit 3,0 Liter Hubraum und 300 PS – kostet mindestens 66400 Euro. Zu erwähnen sind noch die drei Benziner-Alternativen mit 2,0 Liter Hubraum (250 oder 300 PS) oder ebenfalls 3,0 Liter Hubraum und V6-Zylinder, dann aber 380 PS. Gelockt wird auch bei den Benzinern mit einem Grundpreis von 56400 Euro. Doch kaum ein Kunde bestellt ein Basismodell, sondern es wird nach den Ausstattungslinien S, SE und HSE geschielt, so ergeben sich 24 Velar-Versionen. Da es zudem jede Version als R-Dynamic gibt, was wiederum höherwertige Ausstattung innen wie außen bedeutet, ergeben sich 48 Velar-Varianten. Warum nur stellen einen die Autobauer immer wieder vor die Qual der Wahl?

          Alles andere als eine Qual ist der Innenraum des Velar. Hier geht es fein, vornehm und vor allem so modern zu wie in keinem anderen Range Rover. Die Verarbeitungsqualität ist sehr hoch, perforiertes Windsor-Leder verfehlt seine Wirkung nicht. Zählt man die virtuellen TFT-Armaturen dazu, blickt der Fahrer auf gleich drei Bildschirme. Hierauf sind allerlei Spielereien möglich, für etliche Bedienfunktionen gibt es keine realen Knöpfe mehr, so wird die Klimaanlage über den unteren der beiden 10-Zoll-Monitore in der Mittelkonsole bedient. Das alles erschließt sich nicht auf Anhieb. Daran muss man sich gewöhnen, so wie an den Drehsteller für die Achtstufen-Automatik von ZF, die in allen Velar verbaut wird.

          Sehr gut ist das Platzangebot für vier bis fünf Personen und ihr Gepäck. Das Einsteigen fällt leicht, zumal die Luftfederung den Wagen nach einem Stopp um 40 Millimeter absenken kann. Selbst als Luxus-Laster taugt der Velar: Der Kofferraum hat ein rechnerisches Volumen von üppigen 673 Liter, klappt man die 40:20:40 geteilte Rückbank um, entsteht eine ebene Landefläche mit einer Länge von 1,80 Meter und einem Volumen von 1731 Liter. Im Kofferraumboden ist Platz für Krimskrams und Werkzeug oder auch ein vollwertiges Ersatzrad, wenn 500 Euro investiert werden. Das erhöht dann aber den Boden, und das Ladevolumen schmälert sich um gut 100 Liter. Die Kofferraumklappe schwingt ausreichend weit nach oben, sie öffnet elektrisch, auch aus der Ferne, was sich immer wieder als praktisch erweist.

          Elektrisch fahren im Übrigen auch die Türgriffe aus, sobald der Wagen geöffnet wird. Das „Fehlen“ der Griffe ist ein guter Design-Gag, der nach einem schweren Unfall keine Nachteile hat, verspricht JLR. Das Auto lasse sich öffnen, auch wenn Fahrer und Mitfahrer bewusstlos seien. Die Griffe springen nach einem schweren Crash automatisch heraus.

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