https://www.faz.net/-gya-8ezy2

Fahrbericht BMW X5 xDrive 40e : Die Quittung vom Teilzeitelektriker

Büßt auch als Hybrid keine Power ein: Der X5 40d schafft es von 0 auf 100 in sieben Sekunden. Bild: BMW

Den großen X5 hat BMW als Erstes seiner Mobile mit Kabel ausgestattet. Die Möglichkeit, einige Kilometer elektrisch zu fahren, kostet viel Geld. Wir prüfen: Ist der Diesel die bessere Wahl?

          4 Min.

          Kommt die Prämie für Elektroautos, oder kommt sie nicht? Werden auch Plug-in-Hybride in den Genuss der Förderung kommen? Noch gibt es einige Fragen. Plug-in-Hybride, also Autos mit Verbrennungsmotor und Elektromaschine, die man an der Steckdose aufladen kann, werden gern eine Zwischenlösung genannt. Reichweitenprobleme gibt es natürlich keine, und falls es irgendwann einmal tatsächlich für Verbrenner gesperrte Innenstädte gibt, darf der Teil-Elektriker doch hinein. So weit die Theorie.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          In der Praxis wird die Kraft aus zwei Herzen mit immensem technischem Aufwand und viel Geld erkauft. 69 200 Euro kostet der BMW X5 - das größte SUV aus München - als Teilzeitstromer. Ein Zweiliter-Vierzylinder-Motor mit 245 PS, kombiniert mit einem 83 kW (113 PS) starken E-Motor, ergibt eine Systemleistung von 230 kW, also 313 PS, und ein maximales Drehmoment von 450 Newtonmeter. Das hört sich schon mal gut an. Für fast das gleiche Geld (67 100 Euro) könnte man sich auch den X5 xDrive 40d zulegen, der mit seinem 3,0-Liter-Sechszylinder-Diesel auf dieselbe Nennleistung kommt und 650 Nm Drehmoment aufbieten kann. Aber der kann nicht rein elektrisch fahren.

          Die Restenergie wird für das hybride Fahren zurückgehalten

          Der Plug-in wird mit einer theoretischen elektrischen Reichweite von 31 Kilometern beworben, was zumindest an kühlen Tagen eine Illusion ist. Wir kamen elektrisch maximal 20 Kilometer weit, einmal auch nur 16. Dabei lagen die Temperaturen noch nicht einmal unter dem Gefrierpunkt, sie schwankten zwischen null und acht Grad Celsius. Außerdem wurde zahm gefahren. Der Verbrauch an elektrischer Energie war dabei erschreckend hoch. 40 kWh auf 100 Kilometer müssen wir konstatieren, das bedeutet, gerechnet mit 25 Cent die Kilowattstunde, Kosten von 10 Euro auf einhundert Kilometer.

          Da ist mancher Diesel günstiger. Sind die Akkus leer, geschieht das Umschalten von Strom auf Benzin automatisch und kaum merklich, wenn noch fünf Prozent elektrische übrig ist. Die Restenergie wird für das hybride Fahren zurückgehalten. Selbstverständlich fließt beim Bremsen oder Verzögern elektrische Energie zurück in die Akkus.

          An einer normalen Haushaltssteckdose soll der X5 in knapp vier Stunden aufgeladen sein, auch in dieser Hinsicht enttäuschte der Testwagen. Es dauerte jeweils mehr als sieben Stunden. Der Aufnahmepunkt für die elektrische Energie ist vorn links im Kotflügel, das relativ kompakte Ladegerät gehört zum Lieferumfang, das dauernde An- und Abstöpseln (zu Hause und im Büro) nervt schon ein wenig. Vor allem, wenn man zwischendurch (ungeplant) das Fahrzeug braucht. Aus Holland, wo Plug-in-Hybride aufgrund derselben, großen Steuervorteile wie für reine Elektroautos beliebt sind, hört man, dass das Laden im Dauerbetrieb meist unterbleibt. Aus Bequemlichkeit. So ist der Mensch.

          An der Ampel geht der Verbrenner aus

          Monetär gesehen zahlt sich das elektrische Fahren sehr wohl aus, selbst wenn der Chef den Bürostrom berechnete. Denn im regulären Betrieb, wenn Benziner und Stromer zusammenarbeiten, ist der Verbrauch an Kraftstoff ziemlich hoch. Obwohl das System nie ausschließlich auf den Verbrenner setzt, sondern beide immer im Team antreten lässt. Beim starken Beschleunigen wird der Elektromotor zu Hilfe genommen, beim Anfahren auch, an der Ampel geht der Verbrenner aus. Auch das „Segeln“ (rollen ohne Motor bei leichtem Gefälle) beherrscht das System. Das Zusammenspiel der Kräfte funktioniert gut, dagegen gibt es nichts zu sagen.

          Sanft schaltet das automatisierte Achtganggetriebe, der Allradantrieb ist völlig unauffällig. Mit dem gebotenen Fahrkomfort kann man mehr als zufrieden sein, Lenkung und Bremsen sind ohne Tadel. Etwas störend ist der relativ große Wendekreis. Die voll geladene Fahrbatterie kann per Knopfdruck „gesichert“ werden, dass heißt, es geht keine elektrische Energie verloren. Die leere Batterie mit dem Benzinmotor gänzlich laden geht aber nicht.

          Weitere Themen

          Blitzer erkennt Handys am Steuer Video-Seite öffnen

          Sydney : Blitzer erkennt Handys am Steuer

          Wer in Australien am Steuer telefoniert, wird seit Sonntag geblitzt, denn Kameras erkennen Handys beim Fahrer. Damit soll die Zahl der Verkehrstoten über zwei Jahre um ein Drittel gesenkt werden.

          Topmeldungen

          Hat nach dem Diesel-Urteil von Kassel was zu knabbern: Frankfurts Verkehrsdezernent Oesterling (links)

          Streit um Diesel-Fahrverbote : Letzte Mahnung für Frankfurt

          Im Streit um Diesel-Fahrverbote kann sich die Stadt Frankfurt bewähren. Angesichts des endlosen Wirrwarrs könnte man das Vertrauen in einen Staat verlieren, der erst gar nicht und dann sehr zäh auf den Dieselskandal reagierte.
          Wer sich Bildungsurlaub in den Kalender schreiben will, muss einiges beachten, bevor es losgehen kann.

          Die Karrierefrage : Lohnt sich Bildungsurlaub?

          Was haben Social-Media-Training und Klangmeditationen gemeinsam? Für beides gibt es eine ganze Woche frei. Bloß: die Regeln sind schwer zu durchschauen.

          Roxette-Sängerin Fredriksson : Die bessere Hälfte

          Es ist eine seltene musikalische Gabe, heftige Gefühle zu verstärken und gleichzeitig ein wenig über sie hinwegzuhelfen: Zum Tod der begnadeten Marie Fredriksson.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.