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Fahrberichte Mercedes-Benz GLC : Diesel oder Hybrid?

  • -Aktualisiert am

Mercedes-Benz GLC 250 d 4Matic im Vergleich mit dem GLC 350 e Bild: Hersteller

Beim Knausern hilft im Vergleich zur Hybrid-Version noch immer der Diesel am besten. Das zeigen die Fahrten mit dem Mercedes-Benz GLC 250 d 4Matic und dem GLC 350 e.

          In der C-Klasse von Mercedes-Benz ist viel Bewegung: Limousine und T-Modell sind aufgefrischt worden, mit sehr kleinen Streicheleinheiten fürs Design, das Infotainment berichtet auf S-Klasse-Niveau, zudem gibt es neue Dieselmotoren.

          Und schon im nächsten Jahr wird wohl der Mercedes-Benz GLC neu aufgelegt. Doch die Ablösung des erfolgreichsten Benz-SUV bringt kein komplett neues Auto, sondern basiert auf der 2013er-Version mit unwesentlichen Facelift-Maßnahmen, wie sie für die gesamte C-Klasse zum Teil schon umgesetzt wurden.

          Auffallend ist dagegen: Dem von uns schon im Sommer 2016 gefahrenen GLC 350 e wird in der aktuellen Preisliste keine Zeile mehr geschenkt. Diese verzeichnet für die GLC-Normalversionen nur noch je zwei Diesel- und Benzin-Motorisierungen, dazu drei muskulösere AMG-Varianten. Der Typ GLC 350 e mit seiner Plug-in-Hybrid-Technik pausiert, es ist aber mit einer Neuauflage für 2019/2020 zu rechnen, die mit einigen Verbesserungen und mit einer größeren Batterie aufwarten soll. Die bisherigen E-Reichweiten aus unserer Alltagserfahrung von etwa 30 Kilometern mit dem 350 e erschienen vielen Kunden als ungenügend. Allerdings ist ein Hybrid ganz absichtlich kein reines Elektroauto, sondern trägt nur dazu bei, in bestimmten Betriebsmomenten Kraftstoff zu sparen.

          Der verabschiedete Plug-in-Hybrid...

          Doch beim Knausern hilft im Vergleich zur Hybrid-Version noch immer der Diesel am besten: Das hat sich jetzt bei einer neuen Verabredung mit dem Mercedes-Benz GLC in der Version 250 d 4Matic gezeigt. Der nach dem Kfz-Schein nach Euro 6 und WLTP-Verfahren zertifizierte Diesel ist am besten als Langstreckenläufer unterwegs, vorzugsweise allerdings in den Händen eines Fahrers, der voller Höflichkeit und Rücksichtnahme mit dem Gaspedal umzugehen weiß: Auf der Autobahn mit einem Temposchnitt von 83 km/h und einer maximalen Tachoanzeige von 110 bis 120 km/h nahm der nach dem Facelift womöglich abgelöste 2,1-Liter-Vierzylinder für 100 Kilometer nur 6,3 Liter zu sich. Noch knauseriger ging der Diesel während der Landstraßenprüfung mit dem Kraftstoff um: Ruhige, vorausschauende Fahrweise mit maximal 90 bis 100 km/h und der Verzicht auf heftiges Beschleunigen führte zu einem sehr angenehmen Abschnitts-Durchschnittsverbrauch von 5,3 Liter: für ein Vehikel mit einem Leergewicht von 1855 Kilogramm und einer möglichen Anhängelast von 2500 Kilogramm.

          Der Benziner-Hybrid 350 e kann im Vergleich zu diesem Diesel nur auf der sehr kurzen Distanz punkten und nur mit prall gefüllter Batterie: Hier notierten wir im Sommer 2016 Verbrauchswerte, die, hochgerechnet auf 100 Kilometer, bei 2,4 bis 2,6 Liter lagen, aber sehr theoretisch waren, denn die elektrische Reichweite kam eben nie über 30 Kilometer hinaus, und dann war der Benzin-Verbrenner mit realistischen, durchschnittlich rund 7,4 Liter für 100 Kilometer tätig, plus den Strom natürlich. Wer allein mit dem Benziner und etwas straffer fährt, muss mit bis zu 14 Litern rechnen. Dass auch der Diesel im GLC 250 d 4Matic schließlich auf einen Durchschnitt von 7,2 Liter kam, ist den Stadtfahrten (7,8 bis 8,2 Liter auf hundert) und einigen Top-Speed-Etappen mit mehr als 200 km/h auf dem Tacho Liter geschuldet. Zudem nutzte der entfesselte Fahrer hierbei häufig die Stufen 7 und 8 der komfortabel, mitunter etwas betulich schaltenden Neungang-Automatik.

          ... und der aktuelle Mercedes GLC als Diesel.

          Im überarbeiteten GLC sind die beiden neuen, kleineren Vierzylinder-Diesel zu erwarten, die noch sparsamer sind (also noch weniger CO2 emittieren) und geringere Mengen Stickoxid (Euro 6d-Temp) ausstoßen. Zu knapp dimensioniert ist wohl auch künftig der Tank, 50 Liter fasst er, und davon sind noch sieben Liter als Reserve einzuplanen.

          Im Vergleich der beiden Typen hat die Diesel-Variante auch bei den Kosten die Kühlernase vorne: Der 350 e wurde mit einem Basispreis von 52 717 Euro geführt, in der nicht übermäßig fetten Serienausstattung. 47 873 Euro sind laut Preisliste für den 250 d nötig, ebenfalls mit eher schmaler Staffage. Aber im Unterschied zum damaligen Hybrid könnte jetzt ein aussichtsreicheres Gespräch mit dem Verkäufer geführt werden. Der serienmäßige Allradantrieb 4Matic ist allen Herausforderungen eines bürgerlich geprägten Alltags gewachsen. Gelegentlich genutzte Schlecht-Weg-Etappen mit starken Steigungen zur Berghütte im Allgäu werden mit einer gewissen Gemütlichkeit und einem milden Knurren aus dem Maschinenraum überwunden. Und auf weit geschwungenen Autobahn-Anstiegen legt der Diesel bei Tempi von 160 bis 190 km/h gerne eine große Schaufel Drehmoment mit maximal 500 Newtonmeter nach. Ob die nachfolgenden Motoren im renovierten GLC hier mithalten können, ist noch nicht klar.

          Ebenso ungeklärt ist die Frage nach einer nicht allzu auffälligen Design-Veränderung in der Frontansicht: Dort ergeben sich direkt neben den oberen Ecken der Kühlermasken links und rechts durch die hier um eine gute Fingerbreite überkragende Motorhaube ungewöhnliche Trennfugen. Das sieht, sagt ein älterer GLC- und GLE-Fahrer aus unserer Nachbarschaft, immer so aus, als sei die Haube nicht geschlossen. Mercedes-Fahrer sind einfach pingelig.

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