https://www.faz.net/-gy9-9n4xw

Fahrbericht Mercedes Actros : Rücksicht im Monitor

Der neue Actros folgt von allein dem Vorausfahrenden. Bild: Schmidt

Der neue Lastwagen Mercedes Actros steckt voller nützlicher Helfer. Wichtigste und auffälligste Neuheit sind die Kameras, die fortan die Außenspiegel ersetzen.

          Nicht nur das Auto wird mehr und mehr zum rollenden Computer, der Lastwagen geht den gleichen Weg. Und noch nie war es einfacher, einen schweren Truck zu bewegen. Schalten muss der Trucker schon lange nicht mehr,und im neusten Actros, dem Topmodell von Mercedes-Benz, kommen noch viele andere Helfer dazu. Wichtigste und auffälligste Neuheit sind aber die Kameras, die fortan die Außenspiegel ersetzen. Sie sitzen oberhalb der Türen des Fahrerhauses, ihr Bild wird auf zwei 15-Zoll-Monitore übertragen, die rechts und links innen an den A-Säulen sitzen.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Erster Vorteil: Die sperrigen Außenspiegel nehmen dem Fahrer nicht mehr die Sicht nach schräg links oder rechts, vor allem beim Einfahren in Kreisverkehre musste man doppelt aufpassen. Außerdem zeigt die Mirror-Cam im Dunkeln oder im Tunnel ein besseres Bild vom rückwärtigen Verkehr, und es gibt Hilfslinien, die beim Aus- und Einscheren nützlich sind. Wer zu früh lenkt, wird gewarnt. Ein toter Winkel oder ein falsches Einstellen der Spiegel gehört ebenfalls der Vergangenheit an.

          Am Mirror-Cam-System ist mehr als sechs Jahre entwickelt worden, es ist europaweit zugelassen und Serienausstattung. Auch die Gigaliner, die bis zu 25 Meter lang sind, statt gut 18 Meter wie ein herkömmlicher Sattelzug, können mit den Kameras gefahren werden. An die neue Rücksicht gewöhnt man sich schnell, es vergeht keine halbe Stunde, dann will man sie nicht mehr missen. Die Optik sei so konstruiert, dass sie kaum verschmutze und zuverlässig auch bei extremen Temperaturen arbeite. Völlig ohne klassische Spiegel ist der Actros aber nicht. Die beiden Spiegel, um neben die Beifahrertür zu schauen oder direkt vor die Fronthaube, bleiben an ihrem Platz.

          Abermals verbessert hat Mercedes-Benz den Abbiegeassistenten, der schon seit 2016 angeboten wird. Er arbeitet mit der Mirror-Cam zusammen und überwacht die rechte Seite des Lastzugs. Sollte ein Radfahrer an der Ampel neben dem Truck sein, und der Fahrer trotzdem rechts abbiegen wollen, wird er optisch und akustisch gewarnt. Bremsen und halten muss er aber selbst.

          Der große Monitor ersetzt den Außenspiegel (auch rechts). Der Fahrer gewöhnt sich sehr schnell daran. Bilderstrecke

          Dagegen ist der Bremsassistent jetzt in der Lage, bei Tempi bis 50 km/h auf einen querenden Fußgänger mit einer Vollbremsung zu reagieren. Erweitert wurde außerdem die Leistungsfähigkeit des optionalen Active Drive Assist. Der Truck folgt dem Vordermann und wird in der Spur gehalten, wofür die Lenkung jetzt hydraulisch-elektrisch arbeitet. Für bis zu einer Minute kann der Fahrer auf der Autobahn die Hände vom Lenker nehmen. Danach muss er wieder übernehmen, oder der Truck rollt selbsttätig aus. Weitaus beeindruckender als diese bekannte Technik ist jedoch die Inter-Urban-Funktion für Fahrten auf der Landstraße.Der Fahrer muss lenken, sich aber um nichts sonst kümmern. Der Actros bremst vor Kurven oder Kreisverkehren selbst ab und wählt die rechte Geschwindigkeit sowie die beste Schaltstrategie (12 Gänge). Nötig sind hierzu genaue Kartendaten; das sei eigentlich immer gegeben, sagt Mercedes. Dieses System gehört zum verbesserten, serienmäßigen PPC (Predictive Powertrain Control, vorausschauende Antriebsstrang-Kontrolle) und ist unabhängig vom Active Drive Assist.

          Selbstverständlich hat der neue Actros ein digitales Cockpit plus einen zweiten Navigationsmonitor, ähnlich wie man es aus den Personenwagen mit Stern kennt, und die Verkehrszeichen kann er jetzt auch lesen. Bei allen Anstrengungen, die in die Software geflossen sind, die Effizienz der Motoren wurde durch Feinschliff abermals um drei bis fünf Prozent verbessert. Der Actros wird mit 18 verschiedenen Motorvarianten und drei Triebwerksgrößen angeboten. Alles sind Reihen-Sechszylinder-Diesel, die Hubräume betragen 10,7, 12,8 oder gar 15,6 Liter. Die PS-Spanne reicht von 326 bis 625 PS. Der gemeine Autofahrer muss mit weitaus weniger auskommen, muss aber auch nicht bis zu 40 Tonnen bewegen. Über Preise spricht man in der Lastwagenbranche übrigens nur sehr zurückhaltend. Mit mindestens 100.000 Euro sollte der Spediteur kalkulieren. Die Serienproduktion im Werk Wörth läuft bereits.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Tipp von Achim Wiese: Nach dem Sonnen erstmal langsam abkühlen und nicht direkt ins Wasser springen.

          Tipps zur Badesaison : „Eltern müssen mit ins Wasser“

          Mit dem Sommer hat auch die Badesaison begonnen. Einfach so ins Wasser springen sollte man aber nicht: Achim Wiese vom DLRG erklärt, worauf große und kleine Badegäste achten müssen und welches Gewässer am gefährlichsten ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.