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Fahrbericht KTM 790 Adventure : Locker vom Höcker

Bild: Sebas Romero

Hört die Straße auf, fängt der Spaß erst richtig an: Begegnung mit der KTM 790 Adventure, die jetzt in zwei Versionen auf den Markt kommt.

          Gary Lineker, der Altinternationale, würde es ungefähr so formulieren: Rallye Dakar ist, wenn sich viele Rennfahrer auf einen langen, mörderischen Weg über Stock und Stein aufmachen und am Ende immer Österreich gewinnt. Seit 2001 dominiert KTM den Wettbewerb, der einen Ruf erbarmungsloser Härte genießt wie die Vendée Globe für Solo-Weltumsegler oder Yukon Arctic Ultra für Extremläufer. Wenn die racingverrückte Mannschaft in Orange ein geländegängiges Reisemotorrad auf den Markt bringt, dann wäre es nicht echt ohne den serienmäßig eingebauten Geist der Dakar.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Ein solches Fahrzeug muss, na klar, eine verlässliche Maschine sein, vor allem aber ein Kumpel, der einem die Gewissheit gibt, durch Dick und Dünn zu gehen. Egal wie dick, egal wie dünn. Leichtgewichtig und leicht zu dirigieren, nicht überfordernd in haarigen Situationen, vertrauenerweckend, wenn es in den persönlichen Grenzbereich geht. Die KTM 790 Adventure ist das Motorrad, dem die Szene seit Monaten mit genau diesen Erwartungen entgegenblickt.

          Jetzt kommt sie in den Handel, für 12.759 Euro. Und sie kommt nicht allein. Von Anfang an begleitet wird sie von einer R-Version für 1000 Euro mehr, die mit Änderungen in gar nicht mal so vielen, aber einigen wesentlichen Punkten entschieden Richtung kerniges Offroad-Bike mit Nehmerqualitäten getrimmt ist. Die eine preist KTM als „das offroadtauglichste Langstrecken-Motorrad“ an, die andere als „langstreckentauglichstes Offroad-Motorrad“.

          Eine Mildere und eine Wildere also. Im Fall der Adventure ohne R setzt KTM auf ein ausgewogenes Verhältnis von Asphalt und Nichtasphalt, wobei deren großdimensionierte Speichenräder – vorn 21, hinten 18 Zoll – und lange Federwege von 200 Millimeter schon ein Zeichen der Erdverbundenheit setzen. Auch die Basis-Fassung der Maschine ist für Sauereien zu haben, nicht zuletzt dank ihres moderaten Gewichts von 189 Kilo ohne Treibstoff sowie eines konstruktiv interessanten Kniffs: Der 20-Liter-Tank ist im oberen Teil klein und schmal gehalten, zieht sich dafür links und rechts an den Fahrzeugseiten herunter. Der Großteil des Tankvolumens befindet sich weit unten, das Benzin lagert vor den Füßen des Fahrers. Im Sinne des Handlings ist ein niedrig liegender Schwerpunkt eine feine Sache, zudem gewährt die flache, schlanke Oberseite des Tanks im Offroad-Einsatz Bewegungsfreiheit für Fahrer oder Fahrerin.

          Der Hängebauchtank mag mit dem gängigen Schönheitsideal schwer zu vereinbaren sein, hat aber seinen Reiz durch das Wissen um die Tatsache, dass das Prinzip von KTM-Wettbewerbsmaschinen stammt. Er ermöglicht im Zusammenspiel mit der Kompaktheit des Zweizylindermotors zudem eine für diese Art Motorrad sensationell geringe Sitzhöhe. Mit 830/850 Millimeter (die Bank lässt sich verstellen) schreckt die 790 Adventure auch Menschen unter einsachtzig nicht ab. Bedenken, dass der Treibstoffbehälter bei Stürzen Schaden nehmen könne, weisen die KTM-Mannen energisch zurück. Das sei ausgiebig geprüft worden. Auf Testfahrten auch schon mal unfreiwillig.

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