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Fahrbericht Mini Cooper S : Minimalinvasive Adrenalindüsenoperation

Dauerauftrag: Spaß machen, auch 2018 ff. Hier als Mini Cooper S. Bild: Hersteller

Im Mini Cooper S weht nun britischer Wind bis zum Schluss. Die Kunst liegt darin, zeitlose Ikonen zu gestalten. Deswegen werden nur Details angepasst. Und doch besteht Suchtgefahr.

          In Zeiten, in denen humorfreie Controller das Dasein lebensfroher Cabriolets beenden, zum Beispiel das des VW Beetle oder des Opel Cascada, ist erst einmal ein Lob an Mini fällig. Die britischen Bayern bauen unverdrossen ihr offenes Auto, und wir wünschen ihm ein langes Leben. Schon klar, die meisten Menschen kaufen dauerhaft geschlossene Autos, weshalb zum Test also der Zweitürer mit fest verlötetem Dach angetreten ist.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Für die Beurteilung der gerade erfolgten, kaum erkennbaren Frischzellenkur ist das eh gleich, sie wird der gesamten Modellreihe zuteil. Freundlicherweise lässt Mini jetzt in den Rückleuchten die britische Flagge aufscheinen, sonst würde gar niemand merken, dass hier etwas getan wurde. Die Flagge freilich ist wahnsinnig cool, der Fortschritt im Verbauen von LED macht’s möglich. Die Kunst liegt halt darin, zeitlose Ikonen zu gestalten, da sind Mini und noch Fiat mit ihrem 500er Spitze. Deswegen werden ansonsten nur Details angepasst, die höchstens auf den zweiten Blick auffallen. Optional gibt es nun LED-Scheinwerfer mit automatisch abblendendem Matrix-Fernlicht, die tatsächlich noch mal eine Verbesserung zu dem schon guten LED-Licht bringen. Man lässt das Fernlicht immer an, die Sensoren erkennen Gegen- und Vorausverkehr und sparen denselben im Lichtkegel aus. Ob der als Tagfahrlicht nunmehr komplett ausgefüllte und beim Setzen des Fahrtrichtungsanzeigers ebenso komplett blinkende Kreis um die Frontscheinwerfer schöner ist als zuvor der Dreiviertelkreis, ist eher akademischer Diskussionsnatur.

          Aber am Mini kommt es eben auf modischen Pep an, weswegen über neue Außenfarben, das gleichsam mit britischer Flagge hinterleuchtete Armaturenbrett und das Piano-Black-Exterieur-Paket, bei dem die Umrandungen von Scheinwerfern, Rückleuchten und Kühlergrill geschwärzt werden, keiner schmunzeln sollte. Grau ist übrigens alle Theorie, der Testwagen rollte in dieser Farbe heran, die es in drei Tönen gibt. Sage niemand, die machten keinen Unterschied. Das Grau für One und Cooper sieht fad aus, das für den Cooper S fesch.

          Gieriger Kurvenräuber, der sich erwachsener anfühlt, als er aussieht. Bilderstrecke

          Für welche Maschine die Entscheidung fällt, ist vor allem eine Frage des Geldes. Stramm sind die Tarife alle. Der Cooper mit seinem fidelen Dreizylinder sollte es schon sein. Wer Sprint und Sound auskosten will, muss zum vierzylindrigen Cooper S greifen. Der Zweiliterturbo hat auch nach der Überarbeitung 192 PS, wird aber über höheren Einspritzdruck zu mehr Effizienz angehalten. Die herauszufahren ist schwierig, da wenden wir uns lieber dem neuen Doppelkupplungsgetriebe zu, das außer in One und SD zum Einsatz kommt, 1800 oder 1950 Euro Aufpreis erfordert und die bisher müde Automatik ins Abseits stellt. Die Schaltvorgänge sind eine Freude, passgenau und mit dem richtigen Biss, dazu gibt es knackige Schaltpaddel. Der Kraftstoffverbrauch sinkt obendrein. Wir ermittelten im Durchschnitt 7,6 Liter Super, ein länger gefahrener Cooper kommt mit 7,1 Litern aus. Das mit sieben Gängen waltende Getriebe ist aber nicht nur im sportlichen Betrieb eine Alternative zum charakterlich an sich schön passenden Handschalter.

          Besonders im Berufsverkehr ist der Doppelkuppler eine Erleichterung. Ein schlauer Einfall ist die Einbindung der Frontkamera in die Start-Stopp-Automatik. Sie verhindert in den beiden komfortableren Fahrmodi Mid und Green, dass beim Einbiegen in einen Kreisel oder im Kriechgang unvermittelt der Motor abgestellt wird. Zu mäkeln wäre allein an dem das Getriebe befehlenden Schaltknauf, der ein einfallslos in den Raum ragendes Rechteck ist.

          Was zum Glück bleibt, ist das Vergnügen am Steuer. Der Cooper S ist unverändert ein gieriger Kurvenräuber, der sich erwachsener anfühlt, als er aussieht, und trotz Lenkeinflüssen nicht mal übermotorisiert wirkt. Lenkung und Fahrwerk harmonieren bestens, sie sind sportlich straff, nichts anderes ist zu erwarten. Die Kombination mit weitere Härte ins Spiel bringenden Run-Flat-Reifen will indes überlegt sein. Auf keinen Fall sollte an der Klimaautomatik gespart werden, die normale Klimaanlage sorgt, vermutlich wegen eines Konstruktionsmangels, an bisherigen Modellen mit miefigem Geruch für Verdruss, dessen die Werkstatt nicht Herr wird.

          Die paar Euro Aufpreis dafür sind jedenfalls gut angelegt, zumal es der Kundschaft ohnehin nicht auf den letzten Cent ankommen darf. 27.400 Euro Grundpreis fordert Mini für den Cooper S mit Doppelkupplungsgetriebe. Der keck-kommod ausstaffierte Testwagen stellte sich auf 42.000 Euro. Viel? O ja. Aber Obacht: Es besteht Suchtgefahr.

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