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Fahrbericht Yamaha Tracer 700 : Die Meister des Baukastens und ihr nächster Coup

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Yamaha setzt mit der 700er Tracer auf eine neue Generation sportlich angehauchter Touristen Bild: Hersteller

Einsteiger, Aufsteiger, Wiedereinsteiger und Genussfahrer - alle möchte Yamaha mit der 700er Tracer beglücken. Und wer hat nun viel Spaß mit den 75 PS?

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          Das Rezept für ein erfolgreiches Modell hat Yamaha schon einmal angewendet: Man nehme eine sich gut verkaufende Roadster-Basis, stülpe ihr eine tourenorientierte Auslegung über, und fertig ist der Sporttourer. Das hat im Fall der Tracer 900 hervorragend geklappt: Diese auf dem Drei-Zylinder-Modell MT-09 basierende Maschine wurde auf Anhieb zu einem Verkaufsrenner. Seit Januar vorigen Jahres hat diese Idee in Europa schon 15 000 Freunde gefunden. Für die Tracer 700 kopieren die Japaner ihre Vorgehensweise: Grundlegendes stammt vom unverkleideten Mittelklassemodell MT-07, eine Halbschale, für den Zweierbetrieb optimierte Platzverhältnisse sowie ein entsprechend angepasstes Fahrwerk verwandeln den Roadster in einen modernen Sporttourer.

          Mit ihrer schlanken, dynamischen Statur, mit schrägstehenden H7-Scheinwerfern und integrierten LED-Positionsleuchten vermittelt sie schon im Stand eine gewisse Aggressivität und ist der größeren Tracer 900 wie aus dem Gesicht geschnitten. Dabei setzt Yamaha auf eine neue Generation sportlich angehauchter Touristen, denen das Weniger mehr ist; also weg von massiven Reisedampfern vom Schlage der firmeneigenen FJR 1300 und hin zu den agilen Tracern.

          Aber bitte schön ohne Komforteinbußen, und so wirkt das gegenüber der MT-07 geänderte Dreieck aus Rasten, üppig gepolsterter Sitzbank und höherem Lenker im besten Sinne altbekannt. Die Finger finden automatisch Tasten und Knöpfe, der Rohrlenker liegt natürlich zur Hand. Die 30 Millimeter höhere Sitzbank schafft langstreckentaugliche, aufrechte Verhältnisse für Figuren von 170 bis 195 Zentimeter.

          Die Finger finden automatisch Tasten und Knöpfe, der Rohrlenker liegt natürlich zur Hand. Bilderstrecke
          Die Finger finden automatisch Tasten und Knöpfe, der Rohrlenker liegt natürlich zur Hand. :

          Einsteiger, Aufsteiger, Wiedereinsteiger und Genussfahrer - alle möchte Yamaha mit der 700er Tracer beglücken. Aber auch alte Hasen sollen auf ihre Kosten kommen. Für diesen Spagat soll zuvörderst der - unveränderte - Reihenzweizylindermotor mit 689 Kubikzentimeter Hubraum aus der MT-07 (75 PS/55 kW bei 9000/min, 68 Newtonmeter bei 6500 Touren) sorgen. Seine Besonderheit ist die Kurbelwelle mit 270 Grad Hubzapfenversatz; deren ungleichmäßige Zündfolge beschert einen gut spürbaren, schön linearen Druck mit kräftigem Pulsieren. Und nicht nur nebenbei einen aufregend-knurrigen Twin-Sound. Die äußerst gut kontrollierbare Leistungsabgabe erlaubt es, das Potential des Antriebs ohne übliche Elektronik-Tricks voll auszunutzen.

          Auf kurvenreichen Pfaden kommt ein leichtfüßiges und nachvollziehbares Fahrverhalten hinzu, mit dem die nicht allzu leichte Tracer (195 Kilogramm) einen Heidenspaß bereitet. Eindrucksvoll stellt sie unter Beweis, dass es vollwertigen Fahrspaß auch unter 100 PS gibt. Ihre freundliche und transparente Natur kommt ungeübten Fahrern entgegen, die längere Schwinge und straffere Grundabstimmung sorgen dafür, dass es trotz ausgeprägter Agilität keinerlei Einbußen bei der Stabilität gibt - die Tracer soll ja auch engagiert gefahren und mit zwei Personen samt Gepäck tadellos funktionieren.

          Und das tut sie: Die 700er kann weitaus potenteren Maschinen kräftig einheizen, ohne dass der Fahrer seine Wohlfühlzone verlassen muss. Notfalls bringen die hinlänglich effektiven, gut dosierbaren Verzögerungsorgane ihn schnell wieder dorthin zurück. Nur die leichte Aufstelltendenz beim Bremsen in Schräglage trübt den tollen Fahreindruck.

          Zum mächtigen Kurvenspaß gesellen sich Sporttourer-gemäße Reiseattribute. Die Halbschalenverkleidung mit höhenverstellbarem Windschild und Handprotektoren mindert den Winddruck, richtig leise ist es dahinter jedoch nicht. Mit drei Litern mehr Sprit im Fass als bei der MT-07 und einem realistischen Verbrauch von knapp fünf Litern sind stets mehr als 300 Kilometer Reichweite drin.

          Die harmonische Unterbringung, der starke Antrieb und das modifizierte Fahrwerk machen solche langen Distanzen zum Genuss, der für 7895 Euro und somit für relativ wenig Geld zu haben ist. Das liegt am Verzicht auf besondere Ausstattungsmerkmale und an der intelligenten Übernahme schon vorhandener Komponenten. Man darf gespannt sein, was Yamaha als Nächstes aus dem Baukasten zaubert.

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