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Fahrbericht Yamaha Tracer 700 : Scharfes Angebot aus Jafralien

  • -Aktualisiert am

Die Yamaha Tracer 700 kommt in überarbeiteter Version in den Handel. Bild: Hersteller

Globalisierung macht günstig: Yamaha hat sein Mittelklassemotorrad Tracer 700 überarbeitet. Der Preis von knapp 8500 Euro erscheint ob der universellen Qualitäten günstig.

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          Die Globalisierung mag mitunter Nachteile mit sich bringen. Welchen Nutzen sie haben kann, demonstriert beispielhaft die Yamaha Tracer 700, die jetzt in überarbeiteter Version in den Handel kommt, sobald die Läden wieder öffnen dürfen. Konzipiert wurde sie in Italien. Ihr Herzstück, der famose, CP2 genannte Zwei-Zylinder-Reihenmotor, wird in Japan gefertigt und nach Frankreich geliefert, wo das nunmehr 8490 Euro kostende Motorrad unter Zuhilfenahme von Komponenten aus vielen Ländern der Erde gebaut wird.

          Schon die Erstauflage, seit 2016 auf dem Markt, war ein ausnehmend gelungenes Motorrad. Die jetzt erfolgte Modifizierung hat die Tracer zusätzlich verfeinert. Bemerkbar ist dies vorrangig am verbesserten Fahrwerk, an der neugestalteten Verkleidung, der LED-Beleuchtungsanlage, der Ergonomie und dem gesteigerten Fahrkomfort der 196 Kilogramm wiegenden Maschine.

          Noch die geringsten Unterschiede zur Erstauflage sind am formidablen Zweizylindermotor zu spüren; das schon auf die Erfüllung der vom nächsten Jahr an geltenden Euro-5-Norm ausgelegte Triebwerk hat zwar ein PS Leistung eingebüßt, doch stellt das in der Praxis keinen Nachteil dar. Der nunmehr 74 PS (54 kW) bei 8750 Umdrehungen in der Minute leistende, flüssigkeitsgekühlte Motor ist dank starken Drehmoments und quirliger Drehfreude ein überaus angenehmer Geselle. Er gibt sich charakterstark, aber (auch akustisch) nicht aufdringlich, und braucht mit etwa 4,5 Liter Super auf 100 Kilometer nur recht wenig Treibstoff und nimmt in jedem Drehzahlbereich fügsam Gas an. Der CP2-Motor lässt sich einerseits auf niedrige Drehzahlen ein, beherrscht aber auch die Disziplin Attacke. Man darf ihn nach wie vor als Referenztriebwerk in seiner Klasse bezeichnen.

          Noch die geringsten Unterschiede zur Erstauflage sind am formidablen Zweizylindermotor zu spüren. Bilderstrecke
          Fahrbericht : Yamaha Tracer 700

          Ob viele Fahrer die im Zuge der Überarbeitung installierten Möglichkeiten zur individuellen Einstellung von Upside-down-Gabel und Zentralfederbein auch nutzen, darf zwar bezweifelt werden, aber dass sie vorhanden sind, ist in dieser Preisklasse keineswegs selbstverständlich. Die Grundabstimmung ist vorne wie hinten gelungen, so dass Straffheit und damit Stabilität wie auch Komfort und gutes Ansprechverhalten geboten werden. Die Dreischeiben-Bremsanlage spricht gut an und verzögert kräftig. Das ABS regelt auf der Geraden sauber, ist auf Kurveneinsätze aber nicht ausgelegt. Der Lenker ist 34 Millimeter breiter als bisher, die 700er lässt sich leicht dirigieren. Die genannten Änderungen stellen zwar keinen Aufbruch in eine neue Welt dar, doch sie tun dem Motorrad gut.

          Einen handfesten Fortschritt stellt der mit nur einer Hand verstellbare, vorteilhaft geformte Windschild dar. Gleiches gilt für die LED-Scheinwerferanlage mit den zwei markanten Front-Scheinwerferchen; sie sind ganz im Stil des Superbikes R1 gehalten. Die rundum neu gezeichnete Karosserie wirkt frischer und dynamischer. Gut wahrnehmbar sind die Informationen des neu gezeichneten LC-Displays im Cockpit; es bietet alles Nötige und verzichtet auf Firlefanz inklusive Konnektivitätsspielereien. Unzureichend ist die zulässige Zuladung. Hier müsste einfach mehr möglich sein. Denn für ein nach Aussagen von Yamaha „auch für den Soziusbetrieb sehr gut geeignetes Motorrad“, für das auch etliches Reisezubehör angeboten wird, sind 180 Kilogramm schon zu wenig. Vermissen lässt die Tracer zudem automatisch rückstellende Blinker sowie abgewinkelte, leicht erreichbare Reifenventile.

          Insgesamt ist die Yamaha Tracer 700, da auch eine auf den A2-Führerschein ausgelegte 48-PS-Version lieferbar ist, nicht zuletzt dank des niedrigen Leergewichts und moderater Sitzhöhe ein einsteigerfreundliches Motorrad mit dem Potential, auch erfahrene Motorradfahrer zufriedenzustellen. Der Preis von knapp 8500 Euro erscheint insofern günstig, denn die universellen Qualitäten lassen die Tracer zu einer Art zweirädrigem Schweizer Offiziersmesser werden, auch wenn sie nicht aus Helvetien stammt, sondern Jafralien.

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