https://www.faz.net/-gy9-9ndn0

Fahrbericht Yamaha Ténéré 700 : Abenteuer mit ohne alles

  • -Aktualisiert am

Die Japaner bringen ihre neue Ténéré 700 „ohne alles“. Bild: Hersteller

Yamaha traut sich was: Die Ténéré 700 kommt ohne all die Elektronik aus, die viele für unentbehrlich halten. Unterwegs mit der neuen Enduro.

          3 Min.

          Yamaha zeigt Mut: Während andere Hersteller von Reiseenduros auch in der Mittelklasse mit Assistenzsystemen und Konnektivität voll auf die elektronische Karte setzen, bringen die Japaner ihre neue Ténéré 700 „ohne alles“. Lediglich ein für den Offroad-Betrieb abschaltbares ABS ist an Bord. Man wollte ein pures, ein leicht zugängliches, ein quasi analoges Motorrad bauen. Breitbandig in der Nutzung, zuverlässig und anspruchslos, aber agil, leistungsstark und attraktiv. Der erste Ritt zeigte, dass weniger (Hightech) nicht unbedingt ein Manko darstellen muss. So hat man mehr Zeit fürs Fahren und vergeudet weniger beim Daddeln im Menü.

          Aber fangen wir mit den Eckdaten an: 73 PS (54 kW) leistet der aus dem erfolgreichen Modell MT-07 stammende Zweizylinder-Reihenmotor, der als elastisch, drehfreudig und sparsam bekannt und hier für 186 km/h gut ist. Der Rahmen besteht aus Stahl, das Gewicht des vollgetankten Motorrads beträgt moderate 204 Kilogramm und markiert damit die untere Grenze des Segments. Die manuell in der Dämpfung einstellbare USD-Gabel der Yamaha bietet 210 Millimeter Federweg, das gleichfalls justierbare Federbein an der Hinterhand 200 Millimeter. Die Bodenfreiheit liegt bei 240 Millimetern. Vorn rotiert ein 21-Zoll-Speichenrad, hinten eines mit 18 Zoll Durchmesser. Die geländetauglichen Pirelli-Schlauchreifen sind eher schmal. Die Ténéré soll ein Abenteuer-Motorrad sein, das seinen Weg auch über Stock und Stein findet und es dem Fahrer möglichst einfach macht.

          Tut sie auch, so das Fazit nach 500 abwechslungsreichen Kilometern. An die 200 davon führten „über Stock und Stein“, wiesen also entweder gar keinen oder miserablen Asphalt auf. Die rechte Freude kommt auf der Ténéré allerdings nur dann auf, wenn man als Fahrer nicht wesentlich weniger als 1,80 Meter misst. Denn die Sitzhöhe beträgt 875 Millimeter, was manches Rangier- und Anhaltemanöver für kürzer gewachsene Menschen anspruchsvoll machen kann. Es gibt zwar die Möglichkeit der Tieferlegung um vier Zentimeter, doch reduziert sich dann auch die Bodenfreiheit der Maschine und beeinträchtigt deren originäres Eigenschaftsspektrum. Wie bedeutsam das ist, muss jeder selbst beurteilen.

          Die Ténéré soll ein Abenteuer-Motorrad sein. Bilderstrecke

          Passen die Größenverhältnisse, so gestaltet sich das Fahren auf Land- und Bergstraßen wie auch jenseits davon ausgesprochen vergnüglich. Der Crossplane-Zweizylinder mit animierendem, dennoch dezentem Klang hängt perfekt am Gas und überzeugt über die gesamte Drehzahlspanne. Das gut abgestimmte Fahrwerk kommt mit dem Gros aller Widrigkeiten zurecht. Dass der Schwerpunkt der Ténéré nicht der niedrigste ist, lässt sich aushalten. Allerdings ist auch ihr Tank nicht gerade der größte: 16 Liter sind nicht die Welt – aber dank eines Normverbrauchs von 4,3 Liter auf 100 Kilometer akzeptabel.

          Der lässt sich nach dem Eindruck unserer Probefahrten durchaus realisieren, sofern man nicht permanent den Rallyestil wählt. Auch diese Gangart beherrscht die Yamaha, doch lässt sich mit ihr auch ganz einfach reisen. Oder Endurowandern. Oder das Brötchenholen erledigen. 190 Kilogramm Zuladung sollten für den Sonntagsausflug zu zweit locker reichen. Für Expeditionsreisen im Duo allerdings könnte es knapp werden.

          Und wie ist das nun ohne all die Assistenzsysteme, welche von immer mehr Leuten für unverzichtbar gehalten werden? Zugegeben, ein Quickshifter wäre mitunter hilfreich und angenehm gewesen. Fahrmodi? Geschenkt; der Reihen-Twin bedarf dessen nicht. Die Traktionskontrolle wurde anstands- und ausnahmslos durch das rechte Handgelenk des Fahrers ersetzt. Offroad-ABS? Es könnte – in manchen Fällen – hilfreich sein, wenn lediglich das Hinterrad nicht am Blockieren gehindert wird. Natürlich wäre ein Tempomat mitunter – Baustellenpassagen, Schweiz-Durchquerungen – komfortabel, aber für essentiell wichtig halten wir ihn so wenig wie Smartphone-Connectivity. Freilich: Insbesondere jüngere Leute denken oftmals anders. Deshalb ist Yamahas Ansatz mutig.

          9599 Euro kostet die Yamaha Ténéré. Dafür gibt es keine (manchmal sicher höchst wünschenswerte) Griffheizung und auch kein TFT-Display, sondern eine immerhin ordentlich ablesbare Flüssigkristall-Anzeige. Mehr Geld lässt sich leicht ausgeben, denn Yamaha hat allerlei praxisgerechtes Zubehör entwickelt, das Gepäcksysteme, ein Rallye-Paket mit höherer Sitzbank und vieles mehr umfasst. 300 Euro billiger ist die Ténéré für Spontankäufer, die vor dem 31. Juli zuschlagen. Ohne Probefahrt, denn die ersten Fahrzeuge kommen erst im September aus Frankreich nach Deutschland. Gebaut wird die Ténéré nämlich bei MBK in Saint-Quentin im Norden des Landes, entwickelt wurde sie federführend in Italien unter Einbeziehung der japanischen Entwicklungszentrale. Gedacht ist sie für alle Straßen dieser Welt. Könnte passen so.

          Weitere Themen

          Unter dem Radar

          Google Pixel 4 XL im Test : Unter dem Radar

          Google probiert im Pixel 4 einen neuen Sensor aus. Mit Hilfe von Radartechnologie lasst sich das Smartphone berührungslos steuern. Auch die Kamera überzeugt mit einer neuen Funktion.

          Topmeldungen

          Sicherheitszone in Syrien : Kramp-Karrenbauer auf Konfrontationskurs

          Die Verteidigungsministerin fordert eine internationale Schutzzone in Nordsyrien – und schließt auch den Einsatz deutscher Soldaten dabei nicht aus. Damit irritiert sie die SPD und vor allem Außenminister Maas. Die Kritik lässt nicht lange auf sich warten. Auch der Kreml äußert sich.

          Google Pixel 4 XL im Test : Unter dem Radar

          Google probiert im Pixel 4 einen neuen Sensor aus. Mit Hilfe von Radartechnologie lasst sich das Smartphone berührungslos steuern. Auch die Kamera überzeugt mit einer neuen Funktion.
          Armutszuwanderung: Der Versuch, Kinder von Migranten durch Kinderstuben und Auffangklassen besser zu integrieren, gelingt nicht immer. Es ist vor allem schwer, die Eltern einzubeziehen.

          Ein Lehrer berichtet : Integration durch die Schule?

          Anspruch und Wirklichkeit entlang des A-40-Äquators: In Duisburg sollen die Eltern von Einwandererfamilien stärker in den Bildungsprozess ihrer Kinder einbezogen werden. Funktioniert das? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.