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Wohnmobil La Strada Avanti L : Der hat was auf dem Kasten

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Von außen wirkt der La Strada eher schlicht. Bild: Kirchberger

Das Wohnmobil Avanti L von La Strada auf Basis des Fiat Ducato bietet reichlich Raum und individuelle Ausstattung. Eine Sache macht das Fahren in der Stadt eher mühevoll.

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          Das Kind hat mehrere Namen. Während die Bezeichnungen für bestimmte Wohnmobil-Klassen wie Alkoven oder Teilintegrierter allgemein unumstritten sind, ist vor allem den Wohnmobil-Herstellern der Begriff Kastenwagen für einen umgebauten Lieferwagen, ohne die Karosserie zu verändern, nicht fein genug. Camper-Van oder gar CUV (für Camping Utility Vehicle) sind im sprachlichen Umlauf, um von der Tatsache abzulenken, dass es hier baulich einfacher zugeht. Das schlägt sich aber auf den Preis nieder, deshalb gehört diese Spezies zu den meistverkauften Campingfahrzeugen.

          Wir belassen es beim Kastenwagen und wenden uns einem besonders gelungenen Vertreter seiner Art zu. Avanti heißt das knapp sechs Meter lange Urlaubsvehikel und stammt aus der kleinen, aber feinen Werkstatt von La Strada in Echzell, welches wiederum in der hessischen Wetterau liegt. Die Jahresproduktion mit 330 Fahrzeugen ist eher überschaubar. Zunächst hat La Strada vornehmlich Transporter von Mercedes-Benz ausgebaut, seitdem auch der Fiat Ducato als Basisfahrzeug genutzt wird, gehören Lieferzeiten zum Alltag. Das liegt vor allem an den umfangreichen Individualisierungs-Möglichkeiten. Neun verschiedene Möbeldekore sind im Programm, dazu kommen acht kontrastierende Farben von dezent bis bunt für die Möbelklappen und Schranktüren. Wer zusätzlich mit den vielfältigen technischen Spezialitäten sein Wunsch-Mobil konfiguriert, kann beinahe sicher sein, dass er, übers Jahr betrachtet, keinen Doppelgänger finden wird.

          Die Variante Avanti L ist seit mehr als 20 Jahren im Programm und hat stets vier Sitze für Passagiere sowie zwei Schlafplätze an Bord. Mit einer jüngst erfolgten Überarbeitung wurde die Optik maßvoll, die Funktionalität jedoch tiefgehend verändert. So ist die Truma Therme von ihrem Platz unter dem quer angeordneten Doppelbett (1,97 mal 1,45 Meter) im Heck in den Unterbau der Sitzbank weiter vorne umgezogen. Dort stört das Arbeitsgeräusch ihres Gebläses den Schlaf des Campers nicht mehr. Unverändert ist die Variabilität der Liegefläche vor der Flügeltür im Heck. Hier lassen sich Matratze und ein Teil des Tellerfeder-Unterbaus hochklappen, was den Transport von zwei Fahrrädern im Inneren erlaubt. Alternativ können sie auf einen Heckträger für 370 Euro Aufpreis oder einem Transportsystem auf der abnehmbaren Anhängerkupplung (1000 Euro) außenbords mitgenommen werden. Dachstaukästen rundum im Schlafzimmer nehmen reichlich Urlaubsgarderobe auf.

          Der Innenraum überzeugt mit pfiffigen Ideen und guten Lösungen. Bilderstrecke

          Die Nasszelle ist mit einer komfortabel nutzbaren Toilette und einem gut zugänglichen Waschbecken ausgestattet. Im verspiegelten Schrank finden die üblichen Hygiene-Accessoires mühelos Platz, auch beim Duschen herrscht keine Raumnot. Einzig der Duschvorhang ist knapp geschnitten, gerne schmiegt er sich an die nasse Haut und behindert die Körperpflege. Besser ist es, ihn wegzulassen, die Wände sind mit pflegeleichtem Kunststoffdekor in der jeweils gewählten Variante bezogen und vor Spritzwasser geschützt. Die Duschwanne im Boden hat zwei Abläufe, auch wenn der Avanti mal nicht völlig waagerecht steht, gibt es keine Restwasserpfützen. Die Flügeltür mit Magnetverschlüssen ist ebenfalls dicht, während der Fahrt klappert sie wie die übrigen Einbauten auch bei schlechter Wegstrecke nicht.

          Gegenüber hat der Küchenblock seinen Platz. Unter seiner gläsernen Abdeckung finden sich eine Edelstahlspüle und drei Gasbrenner mit Zündautomatik. Wer mit großen Töpfen und Pfannen kocht, kann nur zwei der Feuerstellen nutzen, das Raumangebot ist begrenzt. Dafür lässt sich die Anrichtfläche mit einer Klappe nach vorne verlängern, was allerdings den Ein- oder Ausstieg durch die seitliche Schiebetür des Ducato verengt. Wer das Komfortpaket für 2000 Euro Aufpreis wählt, bekommt neben nützlichen Extras wie unter anderem praktischen Rollos zur Verdunkelung des Fahrerhauses, eine elektrisch ausfahrende Einstiegsstufe und eine 100-Ah-Bordbatterie mit Gel- statt Säurefüllung eine große Insektenschutz-Jalousie. Der 80-Liter-Kühlschrank ist auf Augenhöhe und als Raumteiler zwischen Pantry und Schlafbereich eingebaut, wer etwa 300 Euro extra investiert, bekommt statt des Absorbergeräts einen um zehn Liter größeren Frischhalteschrank, der mit einem leistungsfähigen Kompressorsystem kühlt.

          Stauraum für die Bordbibliothek

          Der Tisch der Halbdinette mit ihren angenehm straffen Polstern wird nach dem Drehen der beiden bequemen Sitze im Fahrerhaus zur Essecke für vier, die doppelte und verschiebbare Tischplatte erlaubt nicht nur opulente Menü-Folgen, sondern leistet auch als Arbeitsfläche gute Dienste. Hilfreich sind in allen Fällen die stimmungsvollen LED-Spots, die alles ins rechte Licht rücken und punktgenau die Lektüre erhellen. Stauraum für die Bordbibliothek gibt es in zwei Dachschränken, ein weiteres großes Fach ist über den Sitzen im Fahrerhaus eingebaut.

          Die Versorgungsvorräte im Avanti L sind großzügig bemessen. Bis zu 100 Liter frostsicher untergebrachtes Frischwasser sichern die Unabhängigkeit über mehrere Tage, der Abwassertank fasst 80 Liter. Kocher und Heizung zapfen ihre Energie aus zwei Elf-Kilogramm-Gasflaschen, das Duo ist unter der Liegefläche im Heck verzurrt. Dort gibt es außerdem reichlich Platz für Zubehör wie Auffahrkeile, Campingmöbel, ein Vorzelt oder Sportausrüstung. Beladen lässt sich der große Kofferraum nicht nur durch die Flügeltüren am Heck, sondern auch eine Klappe zum Wohnraum.

          Motorisiert mit dem 109 kW (148 PS) starken Vierzylinder-Diesel, kann das La-Strada-Mobil zügig unterwegs sein. 160 km/h als Höchstgeschwindigkeit schafft die 2,3-Liter-Maschine mühelos, die Euro-6b-Norm auch ohne Harnstoffeinspritzung. Ihre Geräuschentwicklung ist dezent, der Verbrauch bei eiligen Reisen auf der Autobahn allerdings üppig. 15,4 Liter Treibstoff auf 100 Kilometer sind dann die Regel. Gemäßigtes Fahren senkt den Konsum auf 8,4 Liter, den Durchschnittswert haben wir mit 10,4 Liter ermittelt. 380 Newtonmeter Drehmoment stellt das Triebwerk bei 1500 Umdrehungen in der Minute bereit, das sorgt für hohe Durchzugskraft und erleichtert niedertouriges Fahren zum Zweck der Verbrauchsminderung, der Griff zum Schalthebel des Sechsganggetriebes ist dann selten.

          Bei einer Länge von 5,99 Metern gilt der Avanti L noch als kompaktes Fahrzeug. Was das Fahren in der Stadt eher mühevoll macht, ist der 4,04 Meter lange Radstand, der den Wendekreis vergrößert und das Rangieren erschwert. 2,65 Meter Höhe verbieten überdies den Besuch von Parkgaragen. Dennoch kommt der Fiat sicher durch die City, gute Übersichtlichkeit, eine optionale Rückfahrkamera und Parksensoren helfen dabei. Für unseren Avanti L stand ein Preis von rund 64.000 Euro am Ende der Ausstattungsliste. Fast 14.000 Euro haben die begehrenswerten Extras ausgemacht. Dennoch ist die Produktion bei La Strada mehr als gut ausgelastet, mit mindestens sechs Monaten Lieferzeit muss gerechnet werden. Dann aber steht dem Urlaubsvergnügen nichts mehr im Weg.

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