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Triumph Tiger 900 Rally Pro : Ein Grollen und 48 Rollen

Die Tiger 900 zählt zu den elegantesten Vertreterinnen der Gattung Reiseenduro. Bild: Wille

Es gibt im Grunde nichts, was man mit der neuen Tiger 900 Rally Pro von Triumph nicht machen kann. Auch einkaufen. Also los.

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          Die Triumph Tiger 900 Rally Pro ist nicht als Fahrzeug gedacht, mit dem man Einkaufen fährt. Aber es spricht nichts dagegen, dass man es tut. Sei es nur zwei Ecken weiter, sei es weit entfernt am Ende einer staubigen Piste. Wo immer es gerade Klopapier gibt.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Mit dem 20-Liter-Tank, einer erhabenen Sitzposition mit Langstreckenkomfort, einem für härtere Offroad-Gangart konzipierten Glattbügel-Fahrwerk, das natürlich auch Straße beherrscht, mit ihrem runderneuerten Dreizylindermotor kennt die Tiger kaum Grenzen. Wären die Grenzen doch nur schon wieder offen. Dann könnte man beim Krämer von Ighrem n’Ougdal nachsehen, ob noch Mehl vorrätig ist. Oder sich in den Karpaten auf die Suche nach Tomatensoße machen.

          Die 15.350 Euro kostende Version Rally Pro ist eine von fünf zur Auswahl stehenden Ausführungen der neuen Tiger. Mit langen Federwegen, 21-Zoll-Vorderrad und robustem Motorschutz besetzt sie die Rolle der besonders geländegängig ausgelegten, opulent ausgestatteten Variante. Um im hartumkämpften Segment der Mittelklasse-Reiseenduros endlich mal so richtig die Ellbogen auszufahren, hat sich Triumph nicht lumpen lassen. Dem Reisenden und dem Alltags- und erst recht dem Gelegenheitsfahrer mangelt es an nichts. Außer an Stauraum. Den gibt es erst für die Bereitschaft, draufzuzahlen: Die beiden soliden Alu-Seitenkoffer, mit denen unser hier abgebildetes Testfahrzeug ausgestattet war, kosten 685 Euro zusätzlich plus 295 Euro für die Halterung.

          24 Rollen Toilettenpapier passen in jeden der Behälter. Sowohl in den linken wie auch in den rechten, macht zusammen 48. Wir haben das ausprobiert. Und ein paar Konserven könnte man noch obendrauf quetschen. Im Zubehör-Angebot des englischen Herstellers finden sich zudem Tankrucksäcke und ein Topcase. Damit wäre die Tiger Rally Pro dann das perfekte Hamsterrad.

          Per „Connectivity-System“ soll das Motorrad mit dem Smartphone anbandeln. Bilderstrecke

          In erster Linie allerdings schicken die Engländer sie als Herausforderung für Konkurrenz ins Rennen, die ihr Revier mit Zähnen und Klauen verteidigt. Hondas Africa Twin beispielsweise wäre zu nennen, die 850er GS von BMW oder das stets auf Angriff gepolte Material von KTM. Den frischen Jagdinstinkt der stärker und agiler gewordenen Tiger sollte niemand unterschätzen. Wittert sie irgendwo Beute, hechtet sie hin, notfalls über Stock und Stein, schnappt sich die Klorolle, noch bevor die überhaupt ins Regal geräumt ist.

          Der auf knapp 900 Kubik vergrößerte Hubraum ist laut Datenblatt der markanteste Unterschied gegenüber der bisherigen Tiger 800. Triumph schreibt dem Triple ein deutliches Drehmoment-Plus in niedrigen und mittleren Drehzahlen zu, mit einem neuen Höhepunkt von 87 Nm bei 7250/min. Die unveränderte Spitzenleistung von 95 PS (70 kW) liegt früher an, bei 8750 statt 9500 Umdrehungen. 193 km/h weisen die Zulassungspapiere als Höchstgeschwindigkeit aus.

          Was die puren Daten nicht verraten, aber bis in den kleinen Finger und den großen Zeh zu spüren ist, fällt unters Stichwort Charakter. Der überaus gleichmäßig anschiebenden Vorgängerin mangelte es weder an Schubkraft noch an Drehfreude, manch einer hingegen empfand die Art ihrer Leistungsentfaltung als zu linear, zu emotionslos, die Verbindung zwischen Gashand und Motor als steril. Wir haben das Wesen der alten Tiger 800 mit ihren tadellosen Manieren stets als angenehm empfunden, doch müssen wir einräumen: Irgendwie ist jetzt mehr Leben in der Bude. Viel mehr.

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