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Triumph Tiger 900 Rally Pro : Ein Grollen und 48 Rollen

Kein lautes Muskelspiel

Das liegt am veränderten Herzschlag der Maschine. Die gleichmäßige Zündfolge des bisherigen Motors ist passé, jetzt feuert der Dreizylinder unregelmäßig – man könnte auch sagen: mit Absicht polteriger – im Rhythmus 1-3-2. Das steigert den Erlebniswert, zumal sich zudem der Klang in Richtung rauher Geselle wandelte. Die Tiger entfaltet ihr druckvolleres Muskelspiel keineswegs laut, hört sich aber kerniger an, sie grollt, das für Triumph typische mechanische Dreizylindersingen tritt in den Hintergrund. Die Gasannahme fällt gefühlsecht aus.

Die neue Tiger-Generation wurde Triumph zufolge ein paar Kilo leichter, 201 lautet die Trockengewicht-Angabe für die Rally Pro. Die Konstrukteure verlagerten den Schwerpunkt durch eine veränderte Einbaulage des Motors im neuen Rahmen etwas nach vorn und nach unten, mit Folgen: Balance und Handling der Maschine sind famos. Gabel und Federbein lassen sich manuell einstellen, üppig sind die Federwege: 240 mm vorn, 230 mm hinten.

Wie das bei den Langbeinigen nun mal so ist, taucht beim harten Bremsen die Front tief ein. Das ABS regelt schräglagenabhängig, die Traktionskontrolle gleichfalls. Elektronik- und Assistenzfreunden eröffnet sich ein Schlaraffenland. Sechs Fahrmodi von Regen über Sport bis zum verschärften Offroad-Programm stehen zur Wahl. Per „Connectivity-System“ soll das Motorrad mit dem Smartphone anbandeln, Anrufe, Musikwiedergabe, Pfeil-Navigation und sogar die Steuerung einer Gopro beherrschen. An unserer Testmaschine war das noch nicht einsatzbereit. Anders als der nützliche Schaltassistent fürs kupplungslose Hoch- und Runterschalten.

Was die Ausstattung der Rally Pro betrifft, greift Triumph in die Vollen: fast übertrieben großer Farbbildschirm im Cockpit, LED rundum, Zusatzscheinwerfer, Griffheizung, Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer, Smartphone-Fach unterm Sattel, hinterleuchtete Schalter am Lenker, Tempomat, Reifendruck-Kontrollanzeige – alles fein angerichtet. Die Sitzhöhe ist um 20 mm verstellbar (850/870 mm). Der Windschild rastet in fünf Stufen ein, fällt aber so schmal aus, dass die Schultern im Fahrtwind liegen, der in unserem Fall am Helm laute Geräusche verursachte. Die automatische Blinkerabschaltung braucht arg lange, bis sie begreift, dass das Abbiegen beendet ist. Mit 5,5 Liter auf 100 Kilometer war unser Verbrauch akzeptabel. Kurvenlicht wäre eine nützliche Ergänzung der Serienausstattung. Das Motorrad auf den Hauptständer zu wuchten ist ein Kraftakt. Kardan-Fans werden sich mit dem Kettenantrieb der Tiger schwertun.

Die alten Tiger-Typen waren gute Motorräder. Die neuen jedoch – neben der Rally Pro auch günstigere und mehr auf reinen Straßenbetrieb zugeschnittene Varianten – sind besser, begehrenswerter, pures britisches Selbstbewusstsein. Nicht zuletzt deshalb, weil sie das gewisse Etwas mitbringen, das leicht Martialische, ohne das man in diesem Segment der Multitalente keinen Blumentopf gewinnt. Und damit keine Missverständnisse aufkommen: Wir hatten keine 48 Rollen Toilettenpapier zur Verfügung, sondern mussten beim Ausmessen der Koffer mit nur acht experimentieren. Mehr waren im Rewe nicht zu ergattern. Und auch die nur auf flehende Nachfrage bei der Verkäuferin.

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