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Fahrbericht Triumph Scrambler : Wer hat an der Uhr gedreht?

Bild: FAZ.NET

Der Scrambler, Geländehobel der Altvorderen, ist pure Vergangenheit. Triumph holt ihn in die Gegenwart. Und wie.

          Was verbinden wir mit den sechziger und den siebziger Jahren? Bluetooth, Konnektivität, Actioncam, Google? Eigentlich nicht. Triumph aber tut es.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Kein Motorradhersteller auf der Welt beackert emsiger das Feld der Nostalgie. Die Engländer hegen und pflegen eine umfassende Klassiker-Familie mit Zweizylindermotoren unterschiedlicher Hubraumklassen. Mit der Autorität ihrer Historie, mit Modellen wie Bonneville, Scrambler, Thruxton knüpfen sie an britische Industrie- und Kulturgeschichte an.

          Bisher galt im lukrativen Retro-Segment: Es zählt vor allem Stil und weniger technische Speerspitze. Manche Maschine im Markt wirkt wie ein mühsam erkämpfter Kompromiss, halb Heute, halb Damals, gelegentlich mit dem Resultat eines halbgaren Anblicks und unentschlossenen Fahrverhaltens.

          Nun kommt Triumph und verspricht „the real deal“. Mit der neuen Scrambler 1200 XC für 13 550 Euro plus Nebenkosten und der 1000 Euro teureren Variante XE liefern die Engländer Vergangenheit mit neuesten Mitteln. Die 1200er im Steve-McQueen-Wüstenlook stehen da wie Motorräder, deren Erbauer sich anno ’68 zum Zwecke der Beschaffung zukünftiger Technologien kurz ins Jahr 2018 gebeamt haben, vor der Rückreise alles zusammenrafften, was sie zu fassen kriegten, um es für ihre Maschinen zu verwenden.

          Scramblertypisch hochgelegt: die enganliegende Abgasanlage. Bilderstrecke

          Traditionelles Erscheinungsbild einerseits, zeitgemäße Funktion andererseits, darum ging es den Engländern. Die Offroad-Fähigkeiten eines Scrambler werden nicht nur angedeutet, sondern stark betont, wovon unter anderem aufwendig konstruierte Fahrwerke, immense Federwege, 21-Zoll-Vorderrad und souveräne Kommando-Sitzhaltung künden. Und das alles angereichert durch die Möglichkeiten der Digital-Ära.

          Als da wären: TFT-Cockpit mit Hell-Dunkel-Automatik und konfigurierbarer Anzeige, die den Fahrer auf Wunsch mit Namen begrüßt, Fünf-Wege-Joystick, Schalter am Lenker mit LED-Nachtbeleuchtung, Leuchtdioden-Scheinwerfer, Funkschlüssel, schaumgefüttertes Staufach fürs Smartphone mit USB-Anschluss unter der Sitzbank.

          Optional wird ein Bluetooth-Modul angeboten zur Koppelung des Smartphones mit dem Motorrad, womit sich die Segnungen der Connectivity-Welle nutzen lassen. Anrufe werden im Cockpit angezeigt, zudem Musiktitel, die in die Helmlautsprecher sprudeln, sowie Navigationshinweise, sofern für die Routenführung Google genutzt wird. Eigens dafür hat sich Triumph in eine Zusammenarbeit mit dem Internetkonzern begeben.

          Auch mit Gopro haben sich die Mannen aus Hinckley zusammengeschlossen, so dass Actionkameras dieses Herstellers – ebenfalls ein Novum – mit dem Joystick am Scramblerlenker gesteuert werden können. Man mag davon halten, was man will – es ist auf alle Fälle gekonnt realisiert. Wer den Bluetooth-Zauber haben will, muss sich voraussichtlich bis Spätsommer 2019 gedulden. Zum Marktstart der XC im Januar und der XE im März wird das noch nicht verfügbar sein, anders als gut 80 weitere Zubehörteile, mit denen Käufer ihr Motorrad nach eigenen Vorstellungen umbauen, aufrüsten und veredeln können.

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