https://www.faz.net/-gy9-a7d1i

Tecnomar for Lamborghini 63 : Lambo di mare

  • -Aktualisiert am

Aus diesem Blickwinkel dürften die meisten anderen Wassersportler das Boot sehen. Bild: Hersteller

Mit der Tecnomar for Lamborghini 63 scheint die Kooperation zwischen Autohersteller und Yachtwerft ausnahmsweise einmal lukrativ zu funktionieren.

          3 Min.

          In den Marketing-Abteilungen der Automobilhersteller wird oft darüber nachgedacht, welches Umfeld – abseits der bekannten Kanäle – für die Marke noch interessant sein könnte, um mögliche Käufer zu locken. Besonders im Luxussegment taucht dabei das Thema „Yacht“ natürlich sehr schnell auf. Wer, wenn nicht Eigner von 50-Meter-Formaten, kauft schon einen AMG SLS GT quasi im Vorbeigehen? Verbürgt sind solche Situationen jedenfalls.

          Und so parkten während der Monaco Yacht Show, der vielleicht exklusivsten Messe dieses Planeten, bereits vom Maybach bis 918 Spyder zahlreiche High-End-Modelle mit Anschaffungspreisen von weit mehr als 100 000 Euro auf den Yachthecks, direkt davor auf der Mole sowieso, oder wurden als VIP-Shuttle eingesetzt. Vor allem die letztgenannte Maßnahme war, zumindest als Messen noch stattfinden durften, tendenziell ein genialer Schachzug, weil im Fürstentum so starker Verkehr herrscht, dass die Gäste relativ lang das Gefährt inspizieren können.

          Manchen Herstellern genügte dies indes nicht. Sie beschritten in der Erweiterung ihrer Marke einen komplexeren Weg, indem sie sich mit Werften verbündeten, um gleichsam ein eigenes Boot zu lancieren. Prominentestes beziehungsweise medial am stärksten beachtetes Projekt war die Arrow 460, die Mercedes-Benz beziehungsweise deren Style-Abteilung zusammen mit Silver Arrows Marine realisierte. 14 Meter für 2,5 Millionen Euro – kein Schnäppchen, aber auf jeden Fall auch in luxuriös besetzten Marinas ein Hingucker.

          Es läuft schneller, als den Autos auf der Landstraße erlaubt ist. Bilderstrecke
          Tecnomar for Lamborghini 63 : Lambo di mare

          Weitere Beispiele? Gibt es reichlich. Aston Martin entwarf zusammen mit Quintessence Yachts die AM 37, Bugatti baut mit Palmer Johnson angeblich die 20 Meter lange und auf 66 Exemplare limitierte Niniette, und das Designstudio F.A. Porsche entwarf für Dynamiq Yachts die Gran Turismo 115 sowie für die Royal Falcon Fleet einen 41-Meter-Katamaran. Ein weiteres Beispiel ist Lexus. Die Toyota-Tochtermarke ließ von der amerikanischen Werft Marquis Yachts die knapp 20 Meter lange LY 650 anfertigen und plant offenbar ein weiteres Modell.

          „Bei den geringen Stückzahlen liegt der Aufwand hoch und rechnet sich kaum. Die Sportboote sind eher eine Marketingidee“, sagte Stefan Bratzel, der als Professor für Automobilwirtschaft in Bergisch Gladbach lehrt, der Deutschen Presse-Agentur. Premiumhersteller nutzten den Wassersport, um ihre Marke zu präsentieren. „Die Produkte müssen exklusiv sein und dem Luxus- und High-End-Bereich zugehören. Nur dann strahlt das Produkt Sportboot auf die Fahrzeugmarke ab.“ In diesen Aussagen steckt viel Wahres, besonders jener zu den geringen Stückzahlen. Bisher hat noch keine dieser Kooperationen so funktioniert, dass sie dem jeweiligen Controller ein Lächeln ins Gesicht zaubern würde.

          Höchstgeschwindigkeit von 60 Knoten

          Nun schickt sich ein rein italienisches Duo an, dies zu ändern. Automobili Lamborghini aus Sant’Agata Bolognese und die Italian Sea Group, eine noch junge Werft aus Marina di Cararra, werden im Frühjahr nächsten Jahres die erste Tecnomar for Lamborghini 63 aufs Wasser schicken, und zwar die erste von – Achtung – 15 schon verkauften Einheiten. Fabrizio Massa, bei der Italian Sea Group im Verkauf tätig, sagt: „Von diesem guten Start sind wir ein wenig überrascht worden, aber das Projekt ist allerdings auch sehr spannend.“

          Gestaltet von Centro Stile Lamborghini mit technischer Expertise der Entwicklungsabteilung der Italian Sea Group bringt es die 19,50 Meter lange und 5,42 Meter breite Yacht auf eine Höchstgeschwindigkeit von 60 Knoten, umgerechnet mehr als 110 km/h. Würde den Passagier bei diesem Tempo keine Windschutzscheibe abschirmen, wäre solch ein Trip gleichzeitig eine kostenlose Straffung der Gesichtshaut. Zwei je 1471 Kilowatt starke Dieselmotoren von MAN sorgen für den Vortrieb der lediglich 24 Tonnen schweren und komplett aus Kohlefaserlaminat gefertigten Yacht.

          Geübte Lamborghini-Fahrer müssen sich im ebenfalls mit Karbon ausgelegten Cockpit nicht großartig umgewöhnen – der Startknopf sieht genauso aus wie im Auto. Von der Straße inspiriert sind auch mehrere Designelemente der Yacht – das Hardtop etwa von den Lamborghini-Roadstern, die Scheinwerfer im Bug vom Terzo Millennio und Sián FKP 37, das Gesamtkonzept vom Miura und Countach aus den sechziger respektive siebziger Jahren.

          Die Auslieferung der ersten Tecnomar for Lamborghini 63 soll, kein Scherz, am 1. April erfolgen, jeden weiteren Monat folgt dann die nächste Baunummer. Vier davon können parallel entstehen, die Produktionszeit beträgt zwischen sechs und sieben Monate. Bei einer limitierten Auflage von 63 Exemplaren ist die Kooperation von Lamborghini und der Italian Sea Group auf fünf Jahre angelegt. Ein bisschen Zeit zum Überlegen bleibt also noch, um die (nicht verhandelbaren) drei Millionen Euro zu investieren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Montag in Schwerin

          Sorge um den Datenschutz : Lauterbach will kein Impfregister einführen

          Ein Register sei nicht nötig, um den Fortgang der Impfkampagne zu überwachen, argumentiert der Gesundheitsminister. Stattdessen schlägt Karl Lauterbach vor, PCR-Tests zu priorisieren – vielerorts seien die Kapazitätsgrenzen der Labore überschritten.