https://www.faz.net/-gy9-99eke

Subaru Impreza 2.0i Sport : Der Trottel will auch noch selbst schalten

  • -Aktualisiert am

Im Testwagen Impreza Sport ging der stärkere Vierzylinder-Boxer mit zwei Liter Hubraum sowie 156 PS (115 kW) ans Werk. Bild: Hersteller

Der Subaru Impreza 2.0i Sport hat Technik und Gefühl wie sonst keiner. Das ungewöhnlich konzipierte Auto bietet zudem die üblichen Heerscharen der alltäglichen Assistenten auf.

          Man sollte das Gewöhnliche meiden, wann und wo es nur geht, rät der kunstsinnige Freund. Beim Auto ist das nicht einfach, wird doch das bezahlbare Alltagsauto dominiert von den in langweiliger Reihe hockenden vier Töpfen in Kombination mit Frontantrieb und Schaltgetriebe. Mit seiner reizvollen Alternative lockt dagegen Subaru, denn seit fast 25 Jahren fährt der Impreza durchweg mit Boxermotor und permanentem Allradantrieb gegen die übermächtigen Wettbewerber an. In der nun fünften Generation, seit Ende 2017 etwas frischer eingekleidet, basierend auf der neuen Subaru Global Platform und kombiniert mit der serienmäßigen, stufenlosen CVT-Automatik, in die aber sieben Schaltstufen für manuelle Gangwechsel integriert sind. Im Testwagen Impreza Sport ging der stärkere Vierzylinder-Boxer mit zwei Liter Hubraum sowie 156 PS (115 kW) ans Werk, für dieses Modell sind mindestens 31 600 Euro aufzuwenden. Das ist kein kleines Geld, aber die wie bisher knapp dimensionierte 1,6-Liter-Einstiegsvariante mit 114 PS – das sind 84 kW – bietet die Ausnahmetechnik schon für 21 980 Euro.

          Gemeinsam sind allen Impreza-Typen der mehr als ausreichend großzügige Innenraum mit fünf Plätzen, eine überaus komplette Ausstattung sowie die zwar von Kunststoff dominierte, aber untadelig wirkende Verarbeitung mit einem fein definierten Arbeitsplatz für den Fahrer. Gut 1,4 Tonnen bringt die viertürige Heckklappen-Limousine auf die Waage, 500 Kilo dürfen geladen werden, da erweist sich der Griff nach dem kräftigeren Boxer mit direkter Benzineinspritzung als gute Wahl, zudem dieser 1200 Kilo als Anhängelast verträgt.

          Wobei der abermals modernisierte Boxermotor zwar mit sehr hoher Laufkultur und erfrischender Freude am Drehen und mit einem sonoren Summen gefallen kann, jedoch noch immer unter seiner typischen Drehmoment-Schwäche leidet. Denn Subaru verzichtet hier wohl mit Rücksicht auf Kosten und Verbrauch auf die sonst gern zur Kräftigung eingesetzte Aufladetechnik per Abgasturbolader: Der Saugmotor liefert maximal 196 Newtonmeter an Durchzugskraft, zudem erst bei 4000 Umdrehungen in der Minute, die zwar rasch erreicht sind, aber noch immer nicht für wirklich bullige Zugkraft sorgen können.

          Für dieses Modell sind mindestens 31.600 Euro aufzuwenden. Bilderstrecke

          Immerhin erfüllen die Fahrleistungen das Versprechen auf einen schnellen Alltag. Im neuen Impreza haben wir unter Einsatz der manuellen Schaltung aus dem Stand die 100 km/h in 9,6 Sekunden erreicht, wobei dankbar registriert wird, wie leichtfüßig und fast ohne Schlupf beschleunigt wird. Wer dagegen voll auf die regelnde Tätigkeit der CVT-Automatik vertraut, wird zwar mit ruhigem Wechsel der Übersetzung belohnt, aber auch mit einer gewissen Schläfrigkeit beim Anfahren oder Runterschalten unter vollem Leistungseinsatz konfrontiert. Es erscheint so, als müsse das Schaltsystem erst noch klären, ob der Trottel am Volant es mit dieser Brutalität des Abrufens von voller Leistung in der Atmosphäre des gleichmäßigen Gleitens überhaupt ernst meint. Mit dem manuellen Eingreifen in die CVT-Arbeit entwickelt der Impreza besonders auf kurviger Landstraße eine hohe Lebendigkeit.

          Denn die Ruhe der Kraftverteilung durch den Allradantrieb und der niedrig liegende Schwerpunkt animieren den Fahrer in Verbindung mit der Drehfreude des Motors zum vernünftig-freudvollen Umgang mit den dynamischen Möglichkeiten: Auf Druckbefehl klinkt das CVT-Getriebe vor der Biegung einen niedrigeren Gang ein, der Boxer hängt gut am Gas, und der Allradantrieb drückt und zieht den Impreza mit mehr Gas am Scheitelpunkt aus der Kurve heraus in die Gerade, dann ist der höhere Gang schon bereit für die gerade Strecke. Die gemessene Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h, Windlärm und Fahrgeräusche werden in dieser Region unangenehm. Und natürlich steigt der Verbrauch, neun bis zehn Liter für 100 Kilometer werden es bei konstant 180 km/h auf der Autobahn, unser Durchschnitt wird mit 8,3 Liter ausgewiesen, bei 100 bis 120 km/h ergeben sich feine 6,8 Liter, der Tank fasst 50 Liter.

          Weil es sich heute so geziemt, bietet auch der ungewöhnlich konzipierte Subaru Impreza die üblichen Heerscharen der alltäglichen Assistenten auf. Das ist vernünftig, aber für Freude sorgen die 4×4-Technik mit sicher-flotten Fahreigenschaften und der reine, etwas polterige Klang des Boxermotors. So lässt sich das Gewöhnliche dann doch auch im Auto vermeiden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.