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Fahrbericht Ssangyong Rexton : Es gibt ihn noch, den Geländewagen

Der Ssangyong Rexton ruht noch auf einem Leiterrahmen. Bild: Hersteller

Der Ssangyong Rexton punktet mit Anhängelast, Ausstattung und Preis. Und die Koreaner haben entdeckt, wie wichtig attraktives Design sein kann.

          Für ein ruhiges Leben im Dickicht der Großstadt bietet der Ssangyong Rexton nicht die besten Eigenschaften. Er ist zu lang, zu breit, zu hoch, zu schwer, und mit einer miserablen Übersichtlichkeit wird der Umgang mit dem neuen Full-Size-Geländewagen aus Korea erst in weiter Landschaft zu einem befreienden Erlebnis. Dann wird dem Fahrer wohl auch eine eher seltene Eigenschaft des Rexton bewusst: Maximal 3,5 Tonnen darf er dank seiner stabilen Leiterrahmen-Konstruktion als Anhängelast auf den Haken nehmen.

          Wolfgang Peters

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Damit geht sich schon eine recht nachhaltige Fuhre zur kommunalen Grünabfall-Station aus. Oder die Mitnahme eines großzügigen Wohnwagens, der bisher als Alibi für den Kauf eines eher skurril gestalteten Ssangyongs dienen musste. Damit ist es vorbei, denn die Koreaner haben entdeckt, wie wichtig attraktives Design sein kann. Und der seit etwa einem Jahr in Europa offerierte Rexton kommt nicht nur wegen seiner erstklassigen Anhängelast groß heraus.

          Schon der Preis ist attraktiv: Bei 30.990 Euro beginnen die Tarife für die drei Ausstattungsvarianten, die Vierzylinder, ob Benziner oder Diesel, kommen zum gleichen Preis. Die Testwagen-Spitzenversion Rexton Sapphire mit 2,2-Liter-Diesel und 181 PS kam ohne Extras, aber mit zuschaltbarem Allradantrieb und Sieben-Stufen-Automatik auf 43.690 Euro. Dabei kann man es belassen, denn die Serienausstattung mitsamt Navi, etlichen Assistenten wie Rückfahrkamera und die sehr angenehme Zweizonen-Klimatisierung ist kaum noch aufzufüttern. Plus Nappa-Leder, 20-Zoll-Leichtmetallfelgen und einem unnötigen Elegance-Paket stellte sich der Testwagen auf 49.790 Euro. Preis, Ausstattung und Anhängelast sind die wichtigsten Kaufeigenschaften, es gibt für den Ssangyong Rexton keine neue Konkurrenz.

          Wir prüften den Rexton ohne Nutzung der Anhängelast und gaben ihm auf der langen Distanz gerne die Zügel frei. Dabei bewährte sich der Geländewagen mit seinem SUV-Charakter als komfortabler Dauerläufer. Dafür sorgen vor allem der gut im Futter stehende Diesel und die auf Komfort eingeschworene Automatik. Immerhin wartet der ausreichend dimensionierte Turbo-Diesel mit einem maximalen Drehmoment von 420 Newtonmetern auf, eine gute Voraussetzung für untertouriges Fahren. Und die Automatik bemüht sich erfolgreich um frühzeitiges Einlegen möglichst hoher Gänge, Motor und Passagiere leben tunlichst mit 1800 bis 2500 Umdrehungen in der Minute und fühlen sich bei geschmeidig dargebotenen 120 bis 150 km/h nicht unwohl. In dieser Region lag der Verbrauch bei 8,7 bis 11,4 Litern, im Durchschnitt benötigten wir 9,7 Liter für 100 Kilometer, der Tank fasst 70 Liter. Für den nur mit Euro 6 aufwartenden Diesel ist der Einsatz von Adblue nicht nötig.

          Er neigt mitunter zum Wanken

          Aus dem Stand bewegte sich der Rexton mit empörtem Motorknurren und spürbaren Gangwechseln der Wandlerautomatik in rund zwölf Sekunden auf 100 km/h und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 190 km/h. Das sind für diesen etwa 2,2 Tonnen wiegenden und bis auf knapp zwei Meter Höhe aufragenden Rexton gute Fahrleistungen. Allerdings weisen sie keineswegs auf sportliches Fahrverhalten hin. Denn der füllige Ssangyong möchte eher bedächtig in Kurven gesetzt und über Bodenwellen bewegt werden. Er neigt mitunter zum Wanken und spürbaren Pumpbewegungen auf der Hinterhand, er fährt am liebsten mit schöner Konstanz geradeaus und wenn es denn sein muss, empfiehlt sich der Einsatz des zuschaltbaren Allradantriebs für die Vorderräder.

          Wir sind bei unseren Fahrten allein mit der guten Hinterachstraktion ausgekommen, und der Rexton versucht es dann eher wie seine Passagiere mit Gemütlichkeit. Raum zum Lümmeln (für 800 Euro Aufpreis gibt es eine dritte Reihe) und Laden ist ausreichend vorhanden, der Kofferraum kommt auf ein Volumen von rund 800 oder knapp 2000 Liter. Das im Vergleich zu früheren Kleidern deutlich schickere Design darf nicht zu einem Missverständnis führen: Mit den Flitzereigenschaften der unnötig hoch motorisierten Sport-SUVs der Oberklasse zu Powerpreisen darf der Rexton nicht verglichen werden. Er setzt eher auf eine gewisse Bedächtigkeit. Und im Stau auf der A 3 sind eh alle gleich.

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