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Fahrbericht Ssangyong Musso : Darf’s auch ein bisschen weniger sein?

Pick-up Ssangyong Musso Bild: Hersteller

Der Ssangyong Musso ist ein relativ kompakter Pick-up. Er hat gute Zugeigenschaften. Und es gibt ihn schon für 24.000 Euro.

          Braucht der Markt noch einen Pick-up? Jawohl, wenn es ein Modell ist, das sich von den Mitbewerbern im wachsenden Feld der Fünfsitzer ein wenig unterscheidet. Das sind vor allem solche aus Japan, auch wenn sie nicht alle dort gebaut werden. Der koreanische Hersteller Ssangyong hat unter dem alten Namen Musso – vor gut zwei Jahrzehnten war der für einen hässlichen Geländewagen reserviert – eine Neuauflage seines Pritschenwagens Actyon herausgebracht, der in allen Belangen besser ist als sein Vorgänger. Die Frage lautet, ob er auch mit der etablierten Konkurrenz, etwa dem Nissan Navara, mithalten kann.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Musso ist eine Handspanne kürzer, was ihn etwas umgänglicher macht – handlich mögen wir gute fünf Meter nicht nennen. Das geht zu Lasten der durch eine Wanne geschützten Ladefläche, die nur 130 Zentimeter lang ist. Zum Teil wird das durch den mit 57 Zentimetern ungewöhnlich hohen Rand ausgeglichen, zusammen mit der ansteigenden Gürtellinie verleiht das dem Musso ein etwas pummeliges Aussehen, das ihm gar nicht schlecht steht. Innen sitzen die Passagiere hinten recht gut, wenngleich wegen der niedrigen Sitzposition die Beine stark angewinkelt sind, und vorne exzellent. Dort gibt es sogar belüftete Sitze und in der von uns gefahrenen umfassend ausgestatteten Version Sapphire hübsche Instrumente mit einem neun Zoll großen Display, auf dem das Navi den Fahrer vor jeder nur denkbaren Unbill warnt.

          Der Eindruck, in einem modernen SUV zu sitzen, wird dann auch vom Antrieb, der wie die Armaturen aus dem Ssangyong Rexton übernommen wurde, nicht wesentlich beschädigt. Zwar hat der Motor noch nicht einmal 2200 Kubikzentimeter, er beißt aber stramm zu, dreht flott hoch und liegt mit 181 PS gut im Rennen. Der Eindruck, man wäre vielleicht untermotorisiert, kommt zumindest in unbeladenem Zustand nie auf. Ganz so schnell, wie der Tacho suggeriert, ist der Musso aber dann doch nicht, das Instrument unseres Testwagens ging zehn Prozent vor.

          Immerhin wird die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h fast erreicht (der Handschalter soll 195 km/h laufen). Das Drehmoment erreicht mit 400 Newtonmeter freilich nicht ganz die Werte der besten Japaner, und das Automatikgetriebe hat nur sechs Gänge. Die reichen aus und werden sanft geschaltet, aber der Wandler rührt kräftig, bis sich Vortrieb einstellt – gerade so, wie es auch bei vielen Konkurrenten der Fall ist.

          So kommt es, dass schon der Normverbrauch von 8,6 Liter Diesel gegenüber dem Handschalter mit ebenfalls sechs Gängen (7,6 Liter) deutlich höher ausfällt. Bilderstrecke

          So kommt es, dass schon der Normverbrauch von 8,6 Liter Diesel gegenüber dem Handschalter mit ebenfalls sechs Gängen (7,6 Liter) deutlich höher ausfällt. In der Praxis landeten wir bei gut zehn Liter auf 100 Kilometer im gemischten Betrieb. Auf einer langen Strecke mit einem rund eine Tonne schweren Wohnanhänger im Schlepp gönnte sich der Musso etwa 14 Liter, das ist angemessen.

          Solche Autos sind wegen des langen Radstands für den Hängerbetrieb wie geschaffen, stur läuft das Gespann geradeaus. Wir fragen uns aber, warum Ssangyong den Musso auf drei Tonnen begrenzt, der stabile Leiterrahmen wäre auch dafür gut, die höchstzulässigen 3,5 Tonnen auszureizen, wie es die meisten Konkurrenten machen.

          Etwas geringer ist auch die Zuladung – rund 700 Kilo statt bis zu einer Tonne. An zu weichen Federn kann das nicht liegen, das Fahrwerk ist in unbeladenem Zustand klassenüblich trocken. An der Straßenlage gibt es nichts auszusetzen, sämtliche Pick-up verhalten sich wegen des langen Radstands gutmütig, auch die Bremsen sind unauffällig. Fürs Gelände gibt es einen zuschaltbaren Allradantrieb, Bergan- und -abfahrhilfe sowie eine mit 1 zu 2,4 tief genug hinunterreichende Reduktion. Das optionale Sperrdifferential sollte man sich gönnen, uns wäre aber eine schaltbare 100-Prozent-Sperre lieber. Hilfreich ist für das Krabbeln und zum Einparken die Rundumkamera.

          Im Vergleich zu den Pick-up deutscher Hersteller sind die Japaner etwas günstiger, aus Korea erwartet der Kunde dann noch etwas weniger Kosten in der Anschaffung. Den Musso gibt es schon für 24.000 Euro – das ist die Basisversion Crystal mit Hinterrad-Antrieb, die gar nicht schlecht ausgestattet ist, Allrad kostet 3000 Euro zusätzlich. Noch mehr bietet das Paket Quartz, und in der von uns gefahrenen Premiumversion Sapphire gibt es fast alles, was das Herz und der Verstand begehren. Bis hin zu einem Smart-Key-System, das schon verriegelt, wenn man zur Tankklappe geht – wir haben es abgeschaltet. Die Aufpreisliste ist ansonsten erfreulich kurz. Mit Automatik (2000 Euro), Sperrdifferential (400) und Metalliclack (600 Euro) kostet der Ssangyong Musso in der erprobten Ausführung knapp 41.000 Euro. Das ist kein Schnäppchen, aber doch etwas weniger, als die Wettbewerber für Vergleichbares verlangen.

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