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Fahrbericht Porsche Macan S : Neunzig Knöpfe und ein scharfer Anzug

Mit knapp zwei Tonnen Leergewicht ist der Porsche Macan S beileibe kein Leichtgewicht. Bild: Hersteller

Kein SUV ist sportlicher: In weniger als 5,5 Sekunden beschleunigt der Macan S von 0 auf 100 km/h. Eines nicht allzu fernen Tages soll er auch elektrisch fahren.

          Hier geht es hurtig zur Sache: Der Porsche Macan S hat einen V6-Zylinder unter der Haube, 3,0 Liter Hubraum und 354 PS. Mit knapp zwei Tonnen Leergewicht ist das 4,70 Meter lange SUV beileibe kein Leichtgewicht, dennoch ist es nahezu unglaublich, wie vehement der Macan S aus dem Stand in weniger als 5,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h anzieht.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Und der Macan wäre kein Porsche, beherrschte er nur geradeaus. Er kann auch um die Ecken, und wie. Die Lenkung ist vorzüglich und präzise wie eine Atomuhr, dank des elektronisch geregelten 4×4-Antriebs kommt die Kraft jederzeit auf die Straße. Kein SUV dieser Klasse ist sportlicher. Dass die Bremsen vorzügliche Stopper sind, sei erwähnt, und die optionale Luftfederung für 2630 Extra-Euro bekommt auch noch ein Lob. Gleiches gilt für das Doppelkupplungsgetriebe mit seinen sieben Gängen. Geschaltet wird in der Regel butterweich. Wer es sportlicher will und die entsprechenden Programme anwählt, zahlt dies aber mit spürbaren Schaltrucken.

          Doch Krawall und Tempomachen – bis zu 254 km/h sind möglich – müssen natürlich nicht sein. Der Macan lässt sich lammfromm fahren, dann sogar mit 8,5 Liter Super auf 100 Kilometer. Voraussetzung ist aber eine flache Autobahn, wenig Verkehr und ein Gasfuß, der den Tacho nicht über 120 km/h treibt. Der Schnitt nach mehr als 1500 gefahrenen Kilometern lag letztlich bei 11,7 Liter. Das ist gar nicht so weit weg vom Normverbrauch nach WLTP, der beträgt 11,2 Liter. Ein Diesel mit ähnlicher Leistung wäre sparsamer, aber dann entgingen dem Fiskus Steuereinnahmen.

          Hecksenwerk: Der neue Macan trägt ein breites Leuchtenband. Bilderstrecke

          Porsche hat dem Diesel abgeschworen, was Wendelin Wiedeking schon immer gewusst hat, und spürte das bislang nicht im Verkauf. Bislang. Die schlechten Absatzzahlen im ersten Quartal 2019 machen hellhörig. 2018 jedoch war der Macan in der Welt der meistverkaufte Porsche mit mehr als 86 000 Einheiten, vor dem größeren SUV Cayenne mit 71 500 Einheiten. Dass der Panamera mit 38 400 Verkäufen auch noch den 911 aussticht (35 743), zeigt abermals, wie sehr sich die Zeiten geändert haben. In Deutschland ist die Welt aber noch in Ordnung: Hier war im vergangenen Jahr der kultige 911 mit 9300 Einheiten die Nummer 1, vor dem Macan mit rund 6700 abgesetzten Exemplaren. In den setzten wir uns jetzt wieder rein und staunen über die vielen Knöpfe im Armaturenbrett und in der breiten Mittelkonsole. Gut 90 davon zählen wir, die Möglichkeiten auf dem jetzt breiteren Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts außer Acht lassend. Die Instrumente sind nach wie vor klassisch-analog mit dem Drehzahlmesser in der Mitte, zudem wird der Macan noch mit dickem Schlüssel gestartet, nicht mit diesem unsäglichen Drehknubbel, den die anderen neuen Porsche haben. Danke dafür.

          Dabei ist auch der Macan neu, zumindest wurde das 2014 lancierte Modell, das mit dem Audi Q5 verwandt ist, überarbeitet, unter anderem zeugt das neue, breite Leuchtenband am Heck davon. Unverändert blieb das gute Raumangebot, 500 Liter beträgt das Ladevolumen, bei umgelegter Rücksitzbank sind es bei 1,70 Meter Laderaumlänge glatt 1500 Liter. Die Klappe öffnet und schließt elektrisch. Mit dem Facelift kam die Möglichkeit, einen adaptiven Tempomaten samt Stauassistent zu bestellen, doch diese „Individualausstattung“, die 2545 Euro kostet, war nicht im Testwagen verbaut. Viele Extras trieben den Basispreis von beinahe moderaten 64 358 Euro auf 99 901 Euro.

          Eigentlich ist alles gut am Macan, nur ist er arg teuer und ja, absolut gesehen verbraucht er zu viel Kraftstoff. Der nächsten Generation wird man das wohl nicht mehr ankreiden können. Geplant ist, dass er zum reinen Elektriker wird. Und wie wird das der Kunde sehen? Kauft er wirklich 86 000 elektrische Macan in einem Jahr in der Welt? Porsche ist wohl selbst nicht ganz überzeugt. Wie man hört, soll das jetzige Modell mit Benziner parallel dazu weiter produziert werden.

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