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Porsche Cayman : Vier ist weniger als Sex

Der Porsche Cayman trägt seit der Erneuerung im vergangenen Jahr zusätzlich die Ziffer 718 im Namen. Bild: Hersteller

Porsche nimmt dem Cayman zwei Zylinder. Der neue klingt langweilig und nicht sexy. Eine große Überraschung erfolgte an der Tankstelle.

          Porsche ist nicht irgendeine Automarke, sondern jene, die mancher deutsche Autofreund so liebt wie keine zweite. Große Änderungen an den Produkten führen stets zu einem riesigen Aufschrei der Fangemeinde. Als ob die neuen Fahrzeuge dadurch schlechter würden als die alten.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Porsche Boxster, der sich in seiner geschlossenen Variante Cayman nennt und seit der Erneuerung im vergangenen Jahr zusätzlich die Ziffer 718 im Namen trägt, hat eben seitdem nur noch vier statt sechs Zylinder und nur noch 2,0 oder 2,5 Liter Hubraum statt 2,7 oder 3,4. Das Boxer-Prinzip blieb unangetastet. Dank Turbolader gibt es mehr Kraft als vorher, 300 oder 350 PS, statt weiland 285 oder 315. Dass es fahrerisch keinen Rück-, sondern einen Fortschritt gegeben hat, schrieben wir schon im Großen Fahrbericht zum 718 Boxster S. Jetzt war der Porsche 718 Cayman S zu Gast, und außerdem ergab sich die Gelegenheit zu einer ausgiebigen Vergleichsfahrt mit einem vier Jahre alten Boxster S.

          So ganz passt das Paar nicht zusammen, weil der Cayman ein Handschalter mit sechs Gängen ist und der Boxster mit der Siebengang-Automatik daherkommt, bemerkenswert sind die Erkenntnisse gleichwohl. Zumindest wurde der Boxster die gesamte Zeit geschlossen gefahren. Unsere Tour führte über die sehr volle Autobahn von Frankfurt nach Baden-Baden und dann in den Schwarzwald. Auf den kurvigen Sträßchen dort zeigt sich, dass die Lenkung des 718 Cayman feiner reagiert als die des alten Boxster. Der dagegen fährt Punkte mit dem weitaus schöneren Sound ein. Der neue Cayman klingt dagegen langweilig und nicht sexy. Überrascht hat uns, dass er bei Bummelfahrt eher lauter ist als der Boxster. Wir vermuten, es liegt an dem offenen Raum hinter den Sitzen und unter der Heckklappe. Im Boxster ist man unter der Haube mehr separiert.

          Er hat nur noch vier statt sechs Zylinder.

          Die noch größere Überraschung erfolgt an der Tankstelle. Mit einem Verbrauch von umgerechnet 9,23 Liter Super Plus auf 100 Kilometer war das neue Coupé kaum sparsamer als das Cabriolet mit 9,26. Wohlgemerkt, es wurde die gleiche Strecke gefahren, und die Autos blieben immer eng zusammen. Die Rückfahrt, fast ausschließlich Autobahn im strömenden Regen mit nie mehr als 180 km/h, ergab sogar einen Vorteil für den alten Boxster: 10,86 zu 10,93 Liter. Und zu spüren waren die 35 PS Unterschied eigentlich auch nicht. Das ist schon eine Art blaues Wunder, hatte der Cayman doch die Sonderfarbe Miamiblau für 2344 Euro Aufpreis, auf die wir mehrfach angesprochen wurden.

          Es bleibt die Erkenntnis, dass alle, die noch einen Sechser-Boxster/Cayman gekauft haben, wohl kaum etwas falsch gemacht haben können. Das Neue ist nicht immer des Alten Feind. Der Absatz des Einsteiger-Porsche stagniert, die Vertriebsabteilung von Porsche Deutschland steuert zurzeit mit günstigen Leasing-Angeboten dagegen. Natürlich ist auch der Cayman ein echter Porsche, besonders als S. Viele würden sich wahrscheinlich wünschen, ein nagelneuer 911 würde sich so leicht anfassen und so spritzig sein – relativ gesehen. 285 km/h sind im Cayman S in der Spitze möglich, der Spurt von 0 auf 100 km/h gelingt in 4,6 Sekunden.

          Gewonnen hat auf jeden Fall das Außendesign, das jetzt wesentlich frischer daherkommt. Innen gibt es überraschend wenig Änderungen; das Navigationsbild sieht moderner aus, am Lenkrad ist jetzt der Knopf, mit dem verschiedene Fahrmodi eingestellt werden können. Für zwei Menschen hat ein Cayman genug Platz – auch für die Urlaubsfahrt – mit seinem doppelten Kofferraum vorn und hinten wegen des Mittelmotors. Notsitze wie im Elfer für weitere Passagiere haben wir ein paar Mal vermisst.

          Zu erwähnen bleibt der hohe Spritverbrauch von 12,8 Liter im Stadt- und Regionalverkehr, der Gesamtschnitt belief sich auf 11,3 Liter auf 100 Kilometer. Mit einem Basispreis von 52 694 Euro ist der einfache Cayman der Einstieg in die Porsche-Welt, noch vor dem SUV Macan, der auf mindestens 56 264 Euro kommt. Als S kostet der Cayman schon 65 189 Euro, und die Aufpreislisten sind ebenso verführerisch wie bei jedem Porsche. Er bleibt ein kleiner flotter blauer Traumwagen, wenn auch der Boxster den Vorteil des offenen Fahrens bietet. Das weiß auch Porsche und nimmt für den 718 Boxster jeweils rund 2000 Euro mehr als für den 718 Cayman.

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