https://www.faz.net/-gy9-9ugkc

Fahrbericht Mitsubishi L200 : Stets um Ausgleich bemüht

Neuauflage des Klassikers Bild: Hersteller

Der Mitsubishi L200 überzeugt mit dem modernsten Allradantrieb unter den Pick-up, und er ist gut ausgestattet. Doch der Motor dürfte etwas kräftiger sein.

          3 Min.

          Zuweilen kommt es vor, dass Starrsinn als Tradition verkauft wird. Fragt man die Hersteller von geländegängigen Pick-ups, warum sie an ihrem ein Jahrhundert alten Zuschaltknüppel für den Allradantrieb festhalten, geben die gern zum Besten, die Kunden in den wichtigsten Absatzmärkten wollten es so. Das mag sein, dichter an der Wahrheit ist aber wohl, dass eine einfache Klauenkupplung, die auf Hebelzug die beiden Achsen starr verbindet, viel billiger ist als ein Differential, das die Drehzahlunterschiede zwischen Vorder- und Hinterachse bei Kurvenfahrt ausgleicht und so eine verspannungsfreie Fahrt auf trockener Straße ermöglicht.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Wie man es richtig macht und trotzdem die Nostalgiker zufriedenstellt, zeigt Mitsubishi mit seinem L200. Der hat solch ein Mitteldifferential, das zudem im Normalfall etwas mehr Antriebskraft nach hinten schickt – für Geländebetrieb kann man es sperren, das entspricht dann der starren Zuschaltlösung. Und es gibt eine Stellung, in der die Vorderachse abgeschaltet ist. Das bringt zwar keine Treibstoffersparnis, weil sich die Zahnräder des Antriebs ohnehin mitdrehen müssen, erfreut aber die Anhänger von Großvaters Allradhebel. Als Bonus lässt sich so dem letzten Zweifler demonstrieren, dass ein permanenter Allradantrieb auch auf Asphalt ein Sicherheitsgewinn ist. Obendrein kann der Fahrer über das Drehrad auf dem Mitteltunnel eine Untersetzung für die Fahrt über Stock und Stein aktivieren. Abseits des Weges hilft außerdem eine Differentialsperre hinten in vielen Fällen weiter, es gibt vier Programme, einen Bergabfahr-Assistenten und klassenübliche Werte für Überhänge, Bodenfreiheit und Wattiefe. Wie überhaupt die Abmessungen, der gute Sitzkomfort vorn und der etwas eingeschränkte hinten sowie der Platz auf der kurzen Ladefläche sich nicht wesentlich von Konkurrenzprodukten unterscheiden.

          Der schlaue Antrieb ist aber ein Alleinstellungsmerkmal, er ziert folgerichtig auch die neueste Generation des L200. Gegenüber dem Vorgänger wurde das Design wesentlich verändert, die steile kantige Front steht dem Pick-up gut, ab etwa 130 km/h pfeift allerdings der Wind. Innen ist der trostlose Nutzfahrzeuganblick schmucken Armaturen gewichen, nur noch das etwas billig wirkende Plastik erinnert den Fahrer daran, dass er eigentlich in einem Lastwagen sitzt. Höchst empfehlenswert ist die Rundumkamera, ohne die jede Parklücke zu klein ist, sie gehört zur gehobenen Ausstattungsvariante Top, die auch ansonsten alles beinhaltet, was ein modernes SUV bietet, einschließlich eines zu nervösen Bremsassistenten. Die Bremsen selbst verrichten energisch und ohne Anzeichen von Schwäche ihren Dienst. Hinten gibt es robuste, aber etwas bockige Blattfedern, der Komfort insgesamt ist etwas höher als im alten Modell. Manche Wettbewerber sind mit modernen Schraubenfedern unterwegs, die wir vorzögen.

          Mit permanentem Allradantrieb im Gelände Bilderstrecke

          Unter der Haube gibt es einen neuen Motor, es ist derselbe, der auch im Eclipse Cross seinen Dienst versieht. Statt bisher 2,4 Liter hat er jetzt nur noch gut 2,2 Liter Hubraum, die Leistung liegt mit 150 PS deren 31 und das Drehmoment mit 400 Nm exakt 30 unter den Werten des Vorgängers. Welcher Watz die meisten Hersteller von Pick-ups gebissen hat, auf dass sie die Motoren immer kleiner machen, wüssten wir gern. Am Ziel, Treibstoff zu sparen, kann es nicht liegen, unser Testwagen verbrauchte im gemischten Betrieb 10,4 Liter und damit sogar einen Tick mehr als der Vorgänger, ein VW Amarok mit dem starken Sechszylinder genehmigt sich auch nicht mehr. Sonst ist der Motor ein gemütlicher Geselle, der stets freundlich vor sich hin nagelt und ein rasselndes Schnattern von sich gibt, wenn 3000/min überschritten sind. In unserem Exemplar standen die Pferde ganz gut im Futter, mit fast 180 km/h war der L200 so schnell wie der Vorgänger, und auch sonst kommt selten das Gefühl auf, untermotorisiert zu sein. Das gilt fürs leere Auto, um mit fast einer Tonne Zuladung und 3,1 Tonnen am Haken locker die Kasseler Berge zu erklimmen, wird es nicht reichen. Bei der Gelegenheit: Pick-ups werden oft als Zugfahrzeug gekauft, die Konkurrenz darf 3,5 Tonnen ziehen.

          Im alten Modell waren wir vor vier Jahren mit einem Schaltgetriebe unterwegs, das wegen diffuser Führung nicht überzeugen konnte. Wie das aktuelle Schaltgetriebe ist, wissen wir nicht, aber die Sechsgangautomatik missfällt mit trägem Ansprechen und reichlich Schlupf – dass sie von gestern ist, zeigt sich schon am deutlich höheren Normverbrauch gegenüber dem Handschalter.

          Den L200 gibt es auch mit hinteren Notsitzen und 30 Zentimeter mehr Ladefläche. Die Preise beginnen bei knapp 30 000 Euro, der vollausgestattete Fünfsitzer kostet rund 44 000 Euro und liegt damit im Rahmen der Wettbewerber. Da das Ende des VW Amarok und des Mercedes X abzusehen ist: Wie wäre es denn mit einem feinen Reihensechszylinder?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Je mehr Privatpatienten in einem Gebiet, desto mehr Ärzte lassen sich dort nieder. Aber liegt das am Geld oder am sozialen Umfeld?

          Gesundheitswesen : Abschaffung der Privatkassen soll Milliarden sparen

          Der Beitrag für jeden gesetzlich Versicherten könnte um 145 Euro im Jahr sinken, wenn die Privatkassen abgeschafft würden. Das behauptet eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Beamte, Ärzte und Wissenschaftler halten die Berechnungen für hanebüchen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.