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Fahrbericht Peugeot Metropolis : Löwenanteil

Auto-Kennzeichen: Der Metropolis trägt Merkmale der Pkw-Welt. Bild: Andrea Schombara

Peugeot rückt seinen Dreirad-Roller Metropolis noch näher ans Auto heran. 9200 Euro kostet der Metropolis in der einfacheren Active-Ausführung. Seinen Vorgänger und manchen Konkurrenten lässt der Neue alt aussehen.

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          Frankreich ist das gelobte Land des Dreirads. Von rund 23.000 dreirädrigen Scootern, die 2019 in Europa verkauft wurden, ging rund die Hälfte an die Grande Nation. Und davon wiederum landeten, wie jedes Jahr, die meisten im Großraum Paris, wo an jeder Straßenecke solch ein Vehikel steht.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Kein Mensch weiß, warum das so ist. Sind Pariser besonders praktisch veranlagt, wenn es darum geht, sich eine Schneise durchs Verkehrsgewühl zu schlagen? Sind sie besonders schmerzfrei, was ästhetische Fragen angeht? Oder handelt es sich gar um eine Art von Avantgardismus, der hauptsächlich an der Seine anzutreffen ist?

          Weit abgeschlagen jedenfalls belegen Italien, Spanien und Deutschland in der Dreirad-Hitparade die weiteren Plätze. 2278 Stück immerhin wurden hierzulande im vergangenen Jahr zugelassen. In den meisten Fällen handelte es sich um ein italienisches Produkt, um einen MP3 von Piaggio, jenem Rollerkonzern, der im Jahr 2006 die Welt mit dem ersten Dreirad-Scooter überraschte. Der schaffte seinen Durchbruch nicht auf Anhieb. Erst als sich Piaggio die Gesetzeslücke zunutze machte, dass mit einer Vergrößerung der Spurweite auf 465 Millimeter der MP3 als Zweispurfahrzeug galt und der Autoführerschein zum Fahren berechtigte, kam die Sache richtig ins Rollen.

          Heute darf sich Piaggio in Europa eines Marktanteils von fast 60 Prozent erfreuen. Peugeot kam spät, zog erst 2013 mit dem ersten Metropolis nach und hinkt mit knapp 14 Prozent hinterher, gefolgt von Quadro mit zehn. Für die Löwenmarke sollte eigentlich mehr drin sein. Mit der Neufassung des Metropolis, vor wenigen Tagen vor- und für eine kurze Probefahrt bereitgestellt, greifen die Franzosen frisch an.

          i-Connect spiegelt die Inhalte einer speziellen Peugeot-Smartphone-App auf den Bordbildschirm. Bilderstrecke
          Fahrbericht : Peugeot Metropolis

          Franzosen übrigens, die nicht mehr zur französischen PSA-Gruppe gehören, sondern zu 100 Prozent zu Mahindra. Der indische Konzern übernahm vor fünf Jahren 51 Prozent der Anteile an Peugeot Motocycles und 2019 den Rest. Ein Lizenzvertrag sichert ihm die Markenrechte bis 2065. Die französische Note soll offenbar erhalten beziehungsweise noch mehr betont werden, wie der vor allem im Design renovierte Metropolis zeigt. Er wurde in Abstimmung mit den PSA-Gestaltern entwickelt, soll bis ins Detail die Zugehörigkeit zur Peugeot-Familie verkörpern und so nah wie möglich an die Autos der Marke heranrücken.

          9200 Euro kostet der Metropolis in der einfacheren Active-Ausführung, 10.200 als Allure. Gefertigt wird er wie die beiden anderen „Premium“-Produkte Peugeots – der Citystar und der Pulsion – im Werk Mandeure, ein echter Gallier also, dessen Karosse sich beidseits mit einer Trikolore schmückt. Seinen Vorgänger und manchen Konkurrenten lässt der Neue alt aussehen. Kanten und Konturen im Kleid, Kühlergrill im Markenlook und eine Kaskade von Zornesfalten verleihen ihm Schärfe. Säbelzähne prägen die Tagfahrlicht-Front. LED ist Ehrensache, abstehende Blinker verschwanden, Am Heck finden sich links wie rechts Rückleuchten, deren Form an Kratzer erinnern soll, die Löwenkrallen hinterlassen. Als Neuerung im Cockpit wird ein 5-Zoll-Farbschirm verbaut. Angenehm analog bleiben die runden Zifferblätter von Tacho und Drehzahlmesser mit gegenläufigen Nadeln – in Anlehnung an die Autowelt.

          135 km/h lautet die Angabe der Höchstgeschwindigkeit

          Im Wesentlichen unverändert blieb der Antrieb, abgesehen von Anpassungen an die Euro-5-Norm. Leistung und Drehmoment des 399-Kubik-Triebwerks betragen 36 PS und 38 Nm, ausreichend, um mit dem 271-Kilo-Brocken Autokolonnen zu umzirkeln. Der Einzylinder ist ein kultivierter Kerl, atmet durch eine Edelstahl-Abgasanlage aus, neigt erst dann zum etwas aufdringlichen Plärren, wenn er sich richtig anstrengen muss. 135 km/h lautet die Angabe der Höchstgeschwindigkeit, 3,9 Liter der Normverbrauch.

          Fahrwerksseitig hält sich der Metropolis eher auf der stabilen Seite auf, ein MP3 kippt leichtfüßiger in die Kurve. Uns gefällt die schön berechenbare Sturheit aber gar nicht schlecht. Die Federung fällt hinreichend komfortabel aus. Ein heikler Punkt bleibt die Kombination von Schräglage und unebener Fahrbahn. Derlei versetzt die Front des Metropolis arg in Unruhe. Die Bremsanlage wirkt entschlossen knackig und gefällt mit feiner Dosierbarkeit.

          Ein flaches Trittbrett mit unverbautem Durchstieg zählt zu den Vorzügen des Metropolis. Stauräume finden sich unter der Sitzbank sowie unter der Heckklappe. Beide öffnen elektrisch auf Knopfdruck und sind durch einen schmalen Tunnel verbunden, so dass sich ein Tennisschläger oder ein Baguette durchstecken lassen. Gleich zwei Handschuh- und Handyfächer gibt es in der Frontverkleidung. Steckdose, höhenverstellbarer Windschild, ausklappbarer Taschenhaken, smarter Funkschlüssel plus Drehschalter im Cockpit, schöne Einzelheiten und wertige Verarbeitung – das alles macht was her.

          Das der teureren Allure-Version vorbehaltene Konnektivitätssystem i-Connect spiegelt die Inhalte einer speziellen Peugeot-Smartphone-App auf den Bordbildschirm, Navigation und Kommunikation inklusive. Zwei Jahre lang ist die App gratis, danach kostet sie 60 Euro im Jahr oder 100 Euro für zwei Jahre. Jüngere fragen an dieser Stelle sofort nach Apple Car Play. Nein, das leider nicht.

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