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Fahrbericht Nissan Juke : Kehrtwende in der Puppenstube

  • -Aktualisiert am

Der neue, der zweite Juke ist eine Kehrtwendung. Bild: Hersteller

Dem frisch aufgelegten Nissan Juke mangelt es an Kraft. Nicht aber an Eigenständigkeit. Die Design-Beruhigung hat ihm gutgetan.

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          Im Vergleich zum Nissan Juke der ersten Generation ist der neue, der zweite Juke, eine Kehrtwendung. Nämlich weg vom übertriebenen Designspektakel, hin zu einem eher seriös-pfiffigen Auftritt mit überaus kompletter Ausstattung. Für günstige 18.990 Euro gelingt der Einstieg in die empfohlene Visia-Variante (nur mit Schaltgetriebe), der üppig ausstaffierte Testwagen Juke DIG-T 117 in Tekna-Ausführung stellte sich derweil auf heftige 27.790 Euro, inklusive des 7DCT-Getriebes statt der serienmäßigen Sechsgang-Schaltbox bei 25.790 Euro.

          Außerdem führt die zweite Juke-Generation unter der knubbeligen Haube eine Verzichtserklärung heran. Denn noch zum Modelljahr 2018/19 hatte der verehrte Kunde die große Auswahl: Etwa ein halbes Dutzend an Motorvarianten wurden offeriert, vom 1,2-Liter-Vierzylinder bis zur 1,6-Liter-Turbo-Rakete mit knapp 220 PS und einem 1,5-Liter Diesel gingen recht lustvoll agierende Verbrenner ans Werk. Damit es vorbei.

          Für den neuen, zum Herbst 2019 vorgestellten Juke gibt es nur noch eine einzige Motorwahl, aber immerhin fünf Ausstattungsversionen: Der 999-Kubik-Dreizylinder leistet 117 PS bei 5250/min und hält sein bestes Drehmoment von 180 Nm von 1750 bis 4000/min bereit. Allerdings wird beim Getriebe doch eine Wahlmöglichkeit geboten: Statt des serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebes darf ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe geordert werden. Es kostet meist happige 1600 Euro Aufpreis (im Tekna sogar 2000 Euro) und sollte gemieden werden. Es arbeitet nach einer gewissen Bedenkzeit zwar mit schnellen Schaltvorgängen, ob automatisch oder über Hebel initiiert, aber mit einer Kupplung, die insbesondere beim Anfahren und Einparken recht harsch und unvermittelt reagiert. Das kann mit ruckartigen Bewegungen beim Einparken häufig zu vermeintlich tölpelhaftem Fahrerverhalten führen.

          Für günstige 18.990 Euro gelingt der Einstieg in die empfohlene Visia-Variante. Bilderstrecke

          Zudem reagiert die Schaltbox zum Runterschalten über das Gaspedal spürbar träge bis schläfrig. An der Autobahnsteigung ist im gemütlichen siebten Gang rigoroses Vollgas nötig, um zum Beispiel bei 110 km/h in eine passende, niedrigere Schaltstufe zu wandern, damit der formatfüllende Lieferwagen aus dem Rückspiegel vertrieben wird. Weil es der Puppenstuben-Motor vorzieht, trödelnd in seinem Kraftkasten herumzukramen, statt prompt zu liefern, greift der Fahrer lieber zum Tastenhebel und fordert so höhere Drehzahlen an.

          Dann wird der Juke zwar mit hörbarem Getöse etwas munterer, aber nicht wirklich spurtwilliger. Er erreichte zwar die versprochenen 180 km/h und kämpfte sich aus dem Stand in weniger als elf Sekunden bis 100 km/h durch. Aber man merkt, dass diesem 1200-Kilo-Nissan eher eine ruhigere Fahrweise zusagt. Diese kommt auch dem Verbrauch zugute. Denn schnelles Fahren auf der Autobahn will mit 9,5 Liter für 100 km entlohnt werden, betont ruhiges Gleiten honoriert der fahrsichere Frontantriebs-Juke mit 6,5 Liter, im Durchschnitt waren es 7,6 Liter.

          Dem jetzt 4,21 Meter langen Juke hat die Design-Beruhigung gutgetan. Zudem profitiert dessen zweite Generation von einem Fortschritt. Sie fährt auf der ernsthafter dimensionierten Plattform des konzernbrüderlich verbundenen Renault Captur und kann deshalb nicht nur auf einen längeren Radstand von 2,64 Metern, sondern auch auf großzügigere Abmessungen im Innenraum verweisen. Angenehm erhaben ist die Sitzposition, vorne stören die hart integrierten und nicht verstellbaren Kopfstützen.

          Besonders auf den durch größere Türen gut zu erreichenden Rücksitzen sitzt es sich besser und mit ausreichenden Freiheitsgraden. Mit 422 bis 1088 Liter Fassungsvermögen wird das Stauvolumen angegeben. Im Alltag wird mit zwei Handgriffen für das Umlegen der Rücksitzlehnen aus dem 75 Zentimeter tiefen und einen Meter breiten Kofferraum eine 150 Zentimeter tiefe Ladefläche. Recht annehmbare 1250 Kilo sind als gebremste Anhängelast zugelassen.

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