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MV Agusta : Das Biest im Ballkleid

Kopf verdreht: An einer MV Agusta Superveloce 800 geht man nicht einfach so vorbei. Bild: Hersteller

Eines ist sicher: Ein Fahrzeug wie die Superveloce 800 baut nur MV Agusta – und sonst keiner. Der Fahrbericht.

          3 Min.

          Wenn wir unsere Betrachtungen zur MV Agusta Superveloce 800 mit dem Betrachten des großen Bildes beginnen, fallen einige Besonderheiten ins Auge. Ein sonniger Tag mit angenehmen Temperaturen, eine Frau im sommerlichen Kleid, die beschwingt eine Steilwandkurve entlangschlendert. Bis hierhin nichts Ungewöhnliches. Aber dann kommt’s: Zufällig steht am Kurvenausgang diese Maschine. Erst schlendert die Schöne einfach so daran vorbei, doch dann kann sie nicht anders, als sich noch einmal zu dem Motorrad umzudrehen. Obwohl doch eigentlich sie diejenige ist, nach der sich andere immerfort umdrehen. Zum Glück hält ein ebenfalls zufällig anwesender Fotograf den kostbaren Moment mit seiner Kamera fest.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          So etwas passiert der Superveloce 800 oft. Leute drehen sich nach ihr um. Kein Wunder, handelt es sich doch wieder einmal um eine Skulptur. So unwiderstehlich in der Anmutung, wie es erwartet wird von dem kleinen, schillernden Hersteller aus Varese, der den Eindruck macht, unter seinem neuen Boss Timur Sardarov einen gründlichen Neuaufbau in Gang gesetzt zu haben. MV Agusta baut seinem Selbstverständnis nach nicht profane Fahrzeuge, sondern „Motorcycle Art“. Kunst auf Rädern.

          Ein Fest der Stromlinienform

          Diesmal: ein Fest der Stromlinienform. Uns fällt kein anderes Motorrad ein, dessen Front und Heck so heftig miteinander konkurrieren, wer von beiden raketenartiger ist und den Designpreis verdient. Beim Anblick des bisher heißesten Retro-Entwurfs in der Zweiradindustrie schmelzen selbst grobe Eisklötze dahin. Man kann sich gut vorstellen, wie der junge Agostini sich hinter die Scheibe klemmt, das Kinn auf dem Tank, obschon es sich im Kern um ein modernes Motorrad handelt: Unterm raffinierten Kostüm steckt der Supersportler F3 800, bekannt als harter Hobel.

          Lack und Leder: Treibstoffbehälter mit Retroriemen. Bilderstrecke
          MV Agusta : Biest im Ballkleid

          Der liefert die technische Basis und die wesentlichen Fakten: Dreizylinder-Reihenmotor, 798 Kubikzentimeter Hubraum, 148 PS Nennleistung bei 13 000/min, 88 Nm bei 10 600/min, knisternde Gasannahme, gleichmäßig anschwellender Schub bis ins Drehzahl-Delirium, Klang wie eine trockene Kehle, gut 200 Kilo mit gefülltem 16-Liter-Tank, 240 km/h. Die Zeiten, in denen Agostini und MV werbeträchtig Weltmeistertitel zu gewinnen pflegten, liegen Jahrzehnte zurück. Kaufanreize setzen heute LED-Licht, Fahrmodi und Assistenzsysteme, Smartphone-App und TFT-Schirm mit umfassender Konnektivitätskollektion. Die Welt hat sich weitergedreht.

          Als Konstante erweist sich einmal mehr das Ungeduldige, das Fordernde, das Hochnäsige im Wesen der MV, anscheinend in der DNA der Marke hinterlegt. Auch die Superveloce lässt es spüren. Schon das Anfahren ist nicht ohne. Zwischen Aufjaulen und Abwürgen liegt nur ein schmaler Grat. Es gibt Motorräder, die einem das Leben leicht machen und das Gefühl geben, ein Superkönner zu sein. Zweitens gibt es jene, die sich vollkommen neutral verhalten. Die dritte Gruppe besteht aus jenen, die alles daransetzen, einem zu verstehen zu geben, fahrerisch eine Null zu sein. In die ersten beiden Kategorien gehört die Superveloce nicht.

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