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Fahrbericht Moto Guzzi V7 : Klassiker mit mehr Dampf

  • -Aktualisiert am

Ehrliches Eisen: Die Moto Guzzi V7 Special bringt frischen Wind an die Nase. Bild: Hersteller

Moto Guzzi feiert dieses Jahr seinen 100. Geburtstag. Mit der unvergänglichen V7 – behutsam überarbeitet – haben die Italiener das passende Motorrad im Programm.

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          Es gibt nicht viele Motorräder, die mehr als 50 Jahre nach ihrem Erscheinen noch die ursprüngliche Typenbezeichnung tragen. Zu diesen Raritäten gehört die Moto Guzzi V7. Dieser Tage kommt die jüngste Auflage in den Handel. Dass die Version Special nun die Zahl 850 am Tank trägt, ist ein Hinweis auf den um 100 Kubikzentimeter vergrößerten Hubraum. Die V7 gibt es zudem als mattlackierte, etwas puristischer gehaltene Stone mit zierlichen Alurädern und viel Schwarz. Aber speziell die Special ist ein klassisches Motorrad wie aus dem Bilderbuch.  

          Drückt der erwartungsfrohe Fahrer den Starterknopf, bollert der weiterhin luftgekühlte Zweiventil-V2 trotz neuer, auch optisch gelungener Auspuffanlage los wie eh und je. Schade nur, dass die beiden an exponierter Stelle montierten Lambdasonden die prächtigen Krümmer verunstalten.  Dass mehr hinter dem sympathischen Sound steckt als je zuvor, lässt sich schon vor dem ersten Schaltvorgang erspüren. 65 PS bei 6200/min statt bisher 52 stehen zur Verfügung, realisiert aus nunmehr 852 Kubikzentimetern Hubraum. Dazu kommt eine üppige Drehmomentkurve. Sie reicht hinauf bis auf 73 Newtonmeter bei 5000/min. Noch höhere Drehzahlen sind leicht möglich, doch schon die ersten Kilometer machen klar: Man braucht sie selten. 80 Prozent der Kraft stehen schon bei 3000/min zur Verfügung. Endlich ist man selbst zu zweit in den Bergen gut versorgt. 

          Auch die restlichen Änderungen, wenn auch von nicht so vordergründiger Art, überzeugen: Die neue Schwinge samt neuen Stoßdämpfern gefällt durch besseres Ansprechverhalten und feinere Federung, der am Steuerkopf verstärkte Rahmen stabilisiert die zuvor gerne mal leicht torkelnde Fuhre spürbar. Die V7 liegt ruhig und satt auch bei 160 km/h. Der moderat breitere Hinterreifen passt ebenfalls, denn das Handling ist nach wie vor lässig. Dazu kommen eine nun gummigelagerte Fußrastenanlage und eine wirklich bequeme Sitzbank. Um dem Klassik-Gedanken Genüge zu tun, steckt im runden Scheinwerfertopf der Special-Variante eine H7-Glühlampe. Das ist mutig, denn Moto Guzzi hat die V7 Richtung Premium-Segment verschoben. Freilich auch weiterhin ohne Warnblinker, ohne selbstrückstellende Blinker, ohne einstellbare Handhebel. 

          Klassische Erscheinung, stärkerer Motor: Der V-Zweizylinder der V7 hat jetzt mit Kubikzentimeter Hubraum und basiert auf dem Triebwerk der V85 TT. Bilderstrecke
          Fahrbericht : Moto Guzzi V7

          Diese nützlichen Kleinigkeiten weist natürlich auch die Stone nicht auf. Sie kostet mit 9100 Euro einen Tausender weniger und dürfte zumeist etwas jüngere Leute mit einem Faible für Schwarz und  Mattlack ansprechen. Die doppelte Auspuffanlage, die zierlichen Aluräder, Motor und Antriebsstrang, der Rahmen – alles Schwarz. Investiert hat Guzzi dagegen in punkto Beleuchtung: Bei der Stone gibt es Licht aus Leuchtdioden, und zwar ein richtig helles. Auch das Tagfahrlicht in Form von Adlerschwingen ist markant und gut wahrnehmbar. Im Cockpit thront ein einzelnes, dickes Rundinstrument mit LC-Display. Unstrittig ist, dass es wegen geringer Kontraste nur schlecht ablesbar ist. Strittig ist, ob die außermittige Positionierung fesch oder daneben ist.  

          Von der Stone gibt es im Übrigen auch noch eine Jubiläumsausgabe, die „Centennario“. Technisch ist sie mit der Basisversion identisch, doch orientieren sich die ebenfalls mattlackierten Teile (Tank, Frontkotflügel, Seitenabdeckungen) sowie der Sitz an einem historischen Guzzi-Vorbild, dem V8-Renngerät. Die Kombination Grün-Silber-Braun mit viel Schwarz ist nur 2021 erhältlich und kostet 200 Euro zusätzlich. 

          Special und Stone? Moto Guzzi Deutschland kalkuliert mit Fifty-Fifty. Nachfrage wird herrschen im 100. Jahr des Bestehens von Moto Guzzi. Mit der V7 rollt ein rundum klassisches, dabei weitgehend zeitgemäßes Motorrad aus den Werkshallen von Mandello del Lario am Comer See. Mit genug Leistung, dazu im Fall der Special mit authentischen Speichenrädern, zwei analogen Rundinstrumenten, glänzendem Lack mit Zierlinien am Tank und verchromter Doppelauspuffanlage. Ein klassisches Motorrad wie aus dem Bilderbuch. 

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