https://www.faz.net/-gy9-9d94k

Mercedes-Benz CLS : Schönheit auf die Schräge getrieben

Mercedes-Benz CLS gegen das graue Einerlei Bild: Daimler AG

Eine Oberfläche frei von Kanten oder Brüchen, ein Lichtermeer aus dem Cockpit: Die Welt des Mercedes-Benz CLS 350d beginnt bei 68.130 Euro und erweitert ihre Grenzen schon mal über 100.000 Euro.

          2 Min.

          Gorden Wagener nimmt gerne etwas weg. Linien in erster Linie. Wann immer es geht, predigt der Designchef von Mercedes-Benz, schaffe eine Oberfläche frei von Kanten oder Brüchen, clean und rein möge sie sein. Was sich die Klientel darunter vorzustellen hat und wie weit manchmal der Weg ist von einer hilflosen Augenbraue zum scharfen Blick, zeigt nun auch der CLS, jenes viertürige Coupé, das an der Quelle seines Daseins 2004 mit verstörender Eleganz in die Schauräume stürmte. Bald aber waren darin ältere Semester zu entdecken auf der Suche nach einem Schuss ewiger Jugend, der nachwachsenden Generation erschien der schräge Schritt denn doch nicht kühn genug. Die 2010 dargebotene zweite Generation ist 2017 sanft entschlafen.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Jetzt nimmt Mercedes-Benz einen dritten Anlauf, mit forscher Front und geschliffenem Heck, mit der hauseigenen Sensibilität für Seriosität und dem bisweilen durchbrechenden Sinn für Salz in der Suppe. Wer dem äußeren Charme erlegen ist, nimmt auf bequemen Sitzen Platz, die von den für die Marke derzeit typischen Einrichtungsgegenständen guten Geschmacks umgeben sind.

          Die Probefahrt empfehlen wir zu nachtschlafender Zeit, dann ergießt sich ein Lichtermeer aus dem Cockpit, aus den Türen und aus der Decke, echt jetzt: Wer hat schon blauviolett innenbeleuchtete Luftdüsen? Dieses Auto lebt mit seinem Fahrer, innen ist es die Ruhe selbst, seine vorzugsweise etwas gelenkigeren Gäste finden dank 2,94 Meter Radstand auch hinten Raum zum Chillen, und fünf Meter Außenlänge sind sowieso ein Statement. 500 Liter Stauvolumen warten im flachen und ein bisschen mühsam zu beladenden Kofferraum. Um zu wissen, wo derselbe endet, ist die Rückfahrkamera unerlässlich.

          Mit forscher Front und geschliffenem Heck Bilderstrecke
          Mercedes-Benz CLS : Mercedes-Benz CLS

          Es ließe sich anführen, dass die Motoren allesamt genügen. Gleichwohl hegen wir Sympathie für adäquate Reihensechszylinder, der im 350d, also der bescheideneren der beiden dieselnden und in der Bezeichnung aufschneidenden Varianten, mit drei Liter Hubraum, 286 PS (210 kW) und souveränen 600 Newtonmeter Drehmoment antritt. Im Verbund mit der mittlerweile zu feiner Form gereiften Neungang-Automatik und Allradantrieb ergibt sich ein Fahrgenuss höheren Komfort- und Sicherheitsniveaus, der an der Tankstelle ohne Reue bleibt. Denn, liebe Feinde des Diesels, hier werden 0 auf 100 km/h in 5,7 Sekunden und 250 km/h Spitze geboten mit einem Testverbrauch von 7,7 Litern auf 100 Kilometer. Der Maschinenraum ist nach 6d-Temp zertifiziert, und wer Zurückhaltung am Gas übt, unterbietet die strengsten Schadstoffgrenzwerte im Alltag lockerst.

          Was wir uns schenken würden aus der nahezu unüberblickbaren Schar der Komfortzutaten und Assistenten, ist der sich automatisch auf die Umgebung einstellende Tempopilot, der vorgibt, Verkehrsschilder zu erkennen und über das geltende Limit im Bilde zu sein. Das ist er mitnichten, und dass den Rechner weder Wind noch Wetter noch Hindernisse stören, ist auch nicht jedermanns Sache. Einmal ist er mit 50 km/h in den städtischen Kreisel eingefahren, ein anderes Mal hat er unvermittelt in der Autobahnbaustelle gen 130 km/h beschleunigt, daraufhin haben wir ihn dauerhaft stillgelegt. Wer schön sein will, muss leiden? Aber bitte nicht so. Der Tarif ist schon Herausforderung genug. Mit 60.571 Euro beginnt die Welt des neuen CLS. Der uns zugeführte Verwöhndiesel kommt nicht unter 68.130 Euro und verlangte in der Testversion nach, kurz Luft holen, 114.600 Sterntalern.

          Weitere Themen

          Freihändig vorbeigezogen

          Autonomes Fahren : Freihändig vorbeigezogen

          Erst Fantasie, dann Forschung und nun Alltag: Deutschland macht den Weg fürs autonome Fahren frei. Die technische Vorarbeit leisten aber längst andere. Vor allem die amerikanische Tech-Branche.

          Topmeldungen

          Auf Tour in Berlin: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet nach seinem Auftritt beim Tag der Deutschen Familienunternehmen

          Bundestagswahl 2021 : CDU will Betriebe steuerlich schonen

          Das Wahlprogramm der Union gewinnt erste Konturen mit einem Belastungsdeckel für Unternehmen. Offen ist, wie Mehrausgaben für Klima und Soziales zur Schuldenbremse passen.

          Wahlkampf mit Euro und EU : Marine Le Pen auf dem Vormarsch

          Forderungen nach einem Austritt aus dem Euro und der EU gehören nicht mehr zum Programm der polarisierenden Französin. Warum Le Pen vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr wieder Hochkonjunktur hat.
          Eine Schulklasse im Ortsteil Britz in Berlin-Neukölln: Lehrer werden in der Hauptstadt seit 2004 nicht mehr verbeamtet.

          Keine Verbeamtung : Warum viele Lehrer Berlin verlassen

          Seit 2004 werden Lehrer in Berlin nicht mehr verbeamtet. Viele junge Lehrer suchen sich deshalb nach dem Studium einen anderen Arbeitsort. Jetzt schlagen die Schulleiter Alarm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.